Hamburg

Lotsenschoner "No.5 Elbe" zurück im Sandtorhafen

Der Lotsenschoner „No. 5 Elbe“ unter
vollen Segeln (Archivbild)

Der Lotsenschoner „No. 5 Elbe“ unter vollen Segeln (Archivbild)

Foto: Klaus Braasch/Stiftung Hamburg Maritim

Das segelnde Denkmal wurde in Dänemark restauriert. Am Mittwochabend kehrte der Schoner in die Hansestadt zurück.

Hamburg. Ein strahlend weißer Rumpf, nach achtern getrimmte Masten und 360 Quadratmeter Segelfläche – prächtig wie lange nicht mehr ist der Lotsenschoner „No. 5 Elbe“ am Mittwochabend im Sandtorhafen eingelaufen.

Mitglieder des Vereins "Freunde des Lotsenschoners No. 5 Elbe nahmen den Segler begeistert in Empfang. Bereits am Wochenende soll er wieder erste Gästefahrten unternehmen. Acht Monate lang wurde Hamburgs letztes erhaltenes Holz-Seeschiff in der dänischen Werft Hvide Sande Shipyard an der Nordsee restauriert.

Rund 1,5 Millionen Euro hat die Restaurierung des 37 Meter langen Schiffes gekostet, 300.000 Euro übernahm die Bürgerschaft und 30.000 Euro das Denkmalschutzamt. Den Rest brachten drei Sponsoren und die Stiftung Hamburg Maritim auf. Ihr gehört der 1883 auf der Stülcken-Werft auf Steinwerder vom Stapel gelaufene Lotsenschoner, der aus einer Flotte von elf Schiffen stammt, die Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurden und wegen ihrer Konstruktion aus Eichenholz als extrem seetüchtig galten. Die Stiftung hatte die „No. 5 Elbe“ 2002 von einem Antiquitätenhändler in Seattle für 800.000 Euro gekauft und in ihre Heimatstadt Hamburg zurückgeholt.

Erste richtige Generalüberholung

Für den Lotsenschoner, der mehr als 130 Jahre lang in der Elbmündung, in der Nordsee und auf dem Atlantik gesegelt ist, war es die erste richtige Generalüberholung. „Die Restaurierung eines Holzschiffes dieser Größe ist in keiner deutschen Werft möglich“, sagt Alexandre Poirier, Schiffbauingenieur bei der Stiftung Hamburg Maritim.

In der dänischen, auf Holzschiffbau spezialisierten Werft wurden zunächst Rigg und Masten demontiert, bevor der Lotsenschoner geslippt und in eine Halle gebracht werden konnte. Dann begann die Schadensaufnahme: Die Kupferplatten im Unterwasserschiffbereich und das Ruder wurden entfernt. Bei der anschließenden Begutachtung stellten die Werftmitarbeiter von außen starke Durchfeuchtungen an den Planken fest. Nach dem Entfernen von 800 Bleibarren aus dem Bodenbereich, die mit jeweils 50 Kilogramm für Ballast sorgten, wurde deutlich: Von den 100 Holzspanten mussten viele ausgetauscht werden.

Abenteurer umrundete Kap Horn

Zum Einsetzen der neuen, zentnerschweren und fünf Meter langen Eichenspanten war ein Deckkran nötig, der sie zum Schiff beförderte und dort zwischen Gerüst und Spant am Schiff einließ. Als Mitte Februar der letzte schadhafte Spant ausgetauscht wurde, war ein Meilenstein erreicht, denn der Kernauftrag des Projekts lautete „100 Spanten für ,No.5 Elbe‘“. Ein weiterer wichtiger Bauabschnitt war der Tausch des Kiels. Dafür wurde der 24 Meter lange Kielbalken aufwendig zersägt und durch zwei je zwölf Meter lange Balken ersetzt.

Die „No. 5 Elbe“ wurde nach ihrer Ausmusterung in den 1920er-Jahren vom Abenteurer Warwick Tompkins gekauft. Dieser nannte sie „Wanderbird“ und umrundete mit ihr 1936 sogar Kap Hoorn. Jetzt ist das Traditionsschiff nur noch auf der Elbe unterwegs – und nimmt auf seinen Törns auch Gäste an Bord (www.lotsenschoner.de/das-schiff).