TV-Koch

Tim Mälzer in Hamburg zum Ehren-Schleusenwärter gekürt

Neuer Ehren-Schleusenwärter Tim Mälzer mit Laudator Gerd Spiekermann.

Neuer Ehren-Schleusenwärter Tim Mälzer mit Laudator Gerd Spiekermann.

Foto: Edgar S. Hasse

Der bekannte TV-Koch hat im Alsterpavillion in Hamburg die Nachbildung der Schleusenwärter-Dienstmarke erhalten.

Hamburg. Starkoch Tim Mälzer (48) kann offensichtlich sogar eine Fernsehzuschauerin in Kanada zu seinen Fans zählen. Die Dame, so erzähle man sich, sei von seinen Kochsendungen „Kitchen Impossible“ und „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ derart begeistert, dass sie inzwischen Deutsch lernt. Nur um besser zu verstehen, was der Hamburger Koch im Fernsehen alles sagt und welche Tipps er rund um Ravioli und Venusmuscheln parat hält.

Gerd Spiekermann erzählte diese Geschichte am Montag im Alsterpavillon an seinem Rednerpult. Der Publizist trat diesmal nicht als Plattdeutsch-Missionar in Erscheinung, sondern quasi in amtlicher Funktion – als Repräsentant der Congregation der Alster-Schleusenwärter S.C. und damit als Laudator für Tim Mälzer. Denn das „Comitee“ dieses Gremiums hat jetzt den gebürtigen Pinneberger, der mit der „Bullerei“ und „Der Guten Botschaft“ kulinarische Akzente setzt, zum 37. Ehren-Schleusenwärter ernannt.

„Sie haben den Namen Hamburgs in alle Welt bis nach Kanada gebracht und dennoch nicht die Bodenhaftung verloren“, sagte Spiekermann zu dem Geehrten. Der saß im feinen Anzug und Schlips an einer weiß gedeckten Tafel, um wenig später die Nachbildung einer historischen Schleusenwärter-Dienstmarke entgegenzunehmen.

Hanseaten nehmen keine Orden an, aber ...

Mälzer-Fans müssen jetzt keine Sorge haben, dass ihr lukullischer Leitstern künftig über maritimen Welten kreist und die Wasserstände der zehn Alsterschleusen ehrenamtlich regelt. Die Auszeichnung ist vielmehr eine besondere Kreation, die ganz der hanseatischen Maxime entspricht, weder Orden anzunehmen noch zu vergeben. Ein aufrechter Hanseat, lautet der eiserne Grundsatz, tue so etwas nicht.

Dennoch sei eine Auszeichnung angebracht, wenn herausragende Persönlichkeiten durch besondere Leistungen die Botschaft der Freien und Hansestadt Hamburg in alle Welt transportieren und damit im weitesten Sinne Schleusen öffnen, heißt es bei der Congregation. Deshalb verleiht sie seit 1981 den Titel des Ehren-Schleusenwärters an verdienstvolle Hanseaten, die gleichsam als heimliche Botschafter das Ansehen Hamburgs in aller Welt vermehrt haben. Zu den bisherigen Ehren-Schleusenwärtern zählen Freddy Quinn (1981), Michael Otto (1988), Helmut und Hannelore Greve (1996) und Annemarie Dose (1999).

Zahlreiche ehemalige Ehren-Schleusenwärter waren der Einladung zur Festveranstaltung gefolgt, darunter die Schwimmerin Sandra Völker (2002), der Schauspieler und Intendant Volker Lechtenbrink (2011), der Komponist und Sänger Rolf Zuckowski (2002) und der Lichtkünstler Michael Batz (2018). Herzlich begrüßter Gast im Alsterpavillon war auch der neue US-Generalkonsul Darion Akins.

Mälzer würdigt Kowalke

Sie alle lauschten den Worten des Laudators Spiekermann, der die wichtigsten beruflichen Leistungen Tim Mälzers auf den Punkt brachte. Sein Resümee im Namen des Comitees der Con­gregation: „Sie haben die Schleusen für Hamburg weit geöffnet.“ Danach trat der geehrte Gastronom gut gelaunt an das Rednerpult und sagte, er nehme diese Auszeichnung stellvertretend für alle Gastronomen in der Stadt an. „Alle Menschen, die in der Hotellerie, der Gastronomie, den Bars und Restaurants, Kneipen und Imbissen arbeiten, haben den Preis verdient, weil ich glaube, dass wir alle zusammen die beste Visitenkarte für diese Stadt sind.“ Es gebe in Hamburg „tolle Köche“ und „hoffnungsvolle Nachwuchstalente“.

Mit großer Anerkennung erwähnte Mälzer das Lebenswerk des im Februar verstorbenen „Fischpapstes“ Rüdiger Kowalke. „Ich habe immer aufgeschaut zu diesem Mann.“ Kowalke habe eine „kulinarische Visitenkarte“ für die Hansestadt Hamburg geprägt. Fotografen drängten sich wenig später vor einer Wand im Souterrain des Alsterpavillons, dem Stammsitz der Congregation. Dort hängt eine Fahne mit dem Symbol der Organisation – vor diesem Hintergrund nahm Tim Mälzer die Ehrung entgegen.

Es ist die Nachbildung der alten Dienstmarke, die bis zum Jahr 1906 als Mützenschild zur Berufskleidung der Schleusenwärter gehörte. Erst in jüngerer Zeit wurde die Dienstmarke im Museum für Hamburgische Geschichte wieder entdeckt und für diese Zwecke originalgetreu nachgebildet. Mehr noch: Als Emailleschild vor dem Hintergrund von Eichenlaub und Adler ziert das Symbol das Domizil eines jeden Alster-Schleusenwärters S.C. (symbolis causa).

Tim Mälzer, 37. Ehren-Schleusenwärter, nutzte die Gelegenheit, vor dem prominenten Publikum für den Fernsehturm zu werben – und seinen Plan, dort ein Restaurant zu eröffnen. Wenig später machte sich der Starkoch auf den Weg zu seiner nächsten Auszeichnung: Am Abend sollte ihm von Ministerin Julia Klöckner in Berlin die Professor-Niklas-Medaille verliehen werden, die höchste Auszeichnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).