Cruise Days

Fast 500.000 Zuschauer bei Hamburgs größter Schiffsparade

Das maritime Festival begeistert viele Besucher. Ein Sportboot sinkt. Friedlicher Protest gegen Umweltverschmutzung.

Hamburg. Vielleicht handelte es sich um die größte Perlenkette der Welt, auf jeden Fall war es eine besonders attraktive: Als Sonnabend fünf Kreuzfahrtschiffe nach und nach Richtung Nordsee steuerten, war der Herzschlag des Hamburger Hafens lebhaft zu spüren. Eskortiert wurde das Quintett der Königinnen von einer Armada kleinerer Begleitboote. Fünf Feuerwerke, klassische Musik, Laserstrahlen, das blau illuminierte Umfeld sowie die ideale Witterung boten den faszinierenden Rahmen für eine Cruise-Days-Parade vom Feinsten.

Es gab Applaus für eine gelungene Dramaturgie, für die Manövrierkünste der Kapitäne, für den taktvollen Moderator Marek Erhardt und für Lichtkünstler Michael Batz und seinen „Blue Port“. Die Hansestadt setzte sich gekonnt in Szene, wucherte professionell mit ihren Pfunden und machte weltweit Werbung in eigener Sache. Letztlich fügte sich ein Glied in das andere. Von der HafenCity bis Teufelsbrück stand das Publikum dicht gedrängt – und diszipliniert. Ahoi, „Aidaperla“, MS „Europa“, „Mein Schiff 4“, „World Explorer“ und „MSC Preziosa“.

Lebendige Hamburger Schifffahrtsgeschichte

Auch im Museumshafen Oevelgönne hieß es um 19 Uhr: Leinen los! Sieben Besatzungsleute und 20 Fahrgäste waren an Bord der 91 Jahre alten Polizeidampfbarkasse „Otto Lauffer“ mittenmang. Das 1928 auf der Hamburger Stülcken-Werft gebaute Traditionsschiff stand vier Jahrzehnte im Dienst der Wasserschutzpolizei. Nach einer aufwendigen, 890.000 Euro teuren Restaurierung in den Vorjahren ist die aus genietetem Stahl konstruierte Dampfbarkasse eines der Schmuckstücke am Elbufer in Neumühlen. Sehr anschaulich wird Hamburger Schifffahrtsgeschichte lebendig. Der Kontrast zwischen der 17 Meter langen und 3,88 Meter breiten „Otto Lauffer“ und der um ein Vielfaches riesigeren „MSC Preziosa“ (333 Meter Länge, 38 Meter Breite) demonstrieren einen Reiz der Cruise Days.

Ein guter Grund zum nachmittäglichen Besuch an Bord der Dampfbarkasse. „Moin!“, ruft eine zierliche Frau in schwarzer Dienstkleidung. Es ist Lisa Kempe, hauptberuflich Medizinjournalistin in Lübeck und Hamburg, in ihrer Freizeit Heizerin auf dem früheren Polizeiboot. Ein uralter Seefahrtsbrief ihres Großvaters brachte die gebürtige Kölnerin einst auf Idee, Mitglied des Vereins Museumshafen Oevelgönne zu werden. Als Heizer war ihr Vorfahr auch bei der Jungfernfahrt des Hapag-Passagierdampfers „Imperator“ dabei, 1913 das größte Schiff der Welt.

Schweißtreibendes Hobby

Frau Kempe muss einen Teil dieser maritimen Leidenschaft geerbt haben. Mit Begeisterung und Leidenschaft schaufelt sie am Cruise-Days-Festtag unter Deck Steinkohle in den Feuerraum. Kurz und laienhaft formuliert: Der dadurch im Dampfkessel erzeugte Druck treibt die zwei Zylinder der Barkasse an. Wenn Schiffsführer Holger Zeug im Ruderhaus am Steuer steht, signalisiert er mit einem Maschinentelegrafen, einem Hebel, die Geschwindigkeit: langsame, halbe oder volle Fahrt.

Durch Klingeln wissen Heizerin und Maschinist unter Deck, wann eine Schaufel nachzulegen ist. Bei 60 bis 70 Grad kommt man mächtig unter Dampf. Ein schweißtreibendes Hobby. Neben Lisa Kempe und Holger Zeug gehören gehören an diesem Sonnabend Jens Pruszynski als verantwortlicher Obmann, Beate als Decksfrau, Lasse als Decksmann, Henning als Heizer und Christoph als Maschinist zur ehrenamtlichen Besatzung. Jeder kann alles. Eine Hand greift in die andere. Nach einem finalen Blick auf das historische Ruderhaus und die stilvoll mit Holz verkleideten Kajüten geht es von Bord.

Famose Darbietungen auf dem Wasser

Elbaufwärts ist kurz vor 21 Uhr eine Menge los. Nicht in allen Fällen passt sich das Niveau der Budenwelt am Ufer den famosen Darbietungen auf dem Wasser an. Trotzdem ist die Stimmung prima. An den Landungsbrücken sind Bodo Siever aus Hamburg und seine fünf Kumpels – allesamt in Krachledernen – in Hochform. Noch eine Viertelstunde bis zur großen Parade.

Unter fast 500.000 begeisterten Zuschauern beidseits der Elbe waren drei Dutzend friedliche Demonstranten. Ihr Protest richtete sich gegen die Umweltverschmutzung durch die Ozeanriesen. Erstaunlich, dass der genau getaktete Zeitplan trotz des Tohuwabohus auf der Elbe mit Hunderten Segelschiffen, Barkassen, Fähren und Schlauchbooten eingehalten wurde. Allerdings ereignete sich vor der Auslaufparade ein Unfall: In Höhe Fischmarkt kollidierte ein zwölf Meter langes Sportboot mit der voll besetzten Hafenfähre „Falkenstein“. Bevor das kleinere Schiff sank, konnte die achtköpfige Besatzung in Sicherheit gebracht werden.