Millionenprojekt

Hamburgs großes Verkehrsmodell lässt weiter auf sich warten

Stau vor dem Bahnhof Dammtor: Das Verkehrsmodell soll bei der Verkehrsplanung auf Schiene und Straße helfen.

Stau vor dem Bahnhof Dammtor: Das Verkehrsmodell soll bei der Verkehrsplanung auf Schiene und Straße helfen.

Foto: picture alliance

Das Softwaresystem, das die Verkehrsplanung der Stadt eigentlich schon seit 2017 erleichtern sollte, verzögert sich weiter.

Hamburg. Von Baustellenkoordination bis S-Bahn-Chaos: Verkehrsprobleme gibt es in Hamburg immer wieder. Nun verzögert sich auch noch zum wiederholten Mal die Fertigstellung eines der wichtigsten Instrumente zur Verkehrsplanung: Das 2015 vom Senat beim Ingenieurbüro IVV in Auftrag gegebenen Verkehrsmodell, das ursprünglich 2017 und schließlich im Sommer 2019 in Betrieb gehen sollte, ist immer noch nicht einsatzfähig.

Nun heißt es aus der Verkehrsbehörde, das Ganze werde erst zum Ende des Jahres fertig. „Da dies das erste gesamtstädtische Verkehrsmodell für Hamburg und Umgebung überhaupt wird, ist der Aufbau zeitaufwendiger als gedacht“, sagte Verkehrsbehördensprecher Christian Füldner dem Abendblatt. „Noch stimmen nicht alle Daten ausreichend mit der Realität überein, weshalb wir noch kein Go geben können.“

FDP kritisiert Verzögerungen bei Verkehrsmodell

Computergestützte Verkehrsmodelle können anhand umfassender Datenerhebungen und Rechenprozesse die Verkehrsentwicklung in größeren und kleineren Räumen berechnen und für die Zukunft prognostizieren. Sie sind daher ein wichtiges Instrument der Verkehrsplanung.

Für FDP-Fraktionschef Michael Kruse ist die erneute Verzögerung ein Beleg dafür, dass es aus dem Senat oft „nette Absichtserklärungen“ gebe, es aber bei der Umsetzung hapere.

Die ursprünglich kalkulierten Kosten waren bereits durch die Verschiebung auf Sommer 2019 um etwa 80.000 auf 1,27 Millionen Euro gestiegen. Die weitere Verzögerung soll keine weiteren Kosten verursachen, heißt es jetzt aus der Verkehrsbehörde. Der früherer Staatsrat der damaligen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Christian Maaß (Grüne), hatte bereits zum vergangenen Jahreswechsel bei Twitter darauf hingewiesen, dass Hamburg 2018 „als wohl einzige deutsche Metropole noch immer kein Verkehrsmodell“ für die Planung nutzte.

Seine Behörde habe zu schwarz-grünen Zeiten bereits 2009 „im strategischen Lärmaktionsplan die Vergabe eines Verkehrsmodells vorgesehen und ein Jahr später Geld dafür bereitgestellt“, so Maaß. Dann aber sei die Koalition zerbrochen. Erst seit 2015 werde wieder daran gearbeitet, schreibt der frühere Staatsrat Maaß. „Bis zur Fertigstellung heißt es: Verkehrsplanung wie in den Siebzigern mit Stecknadeln auf Karten und Bauchgefühl. Statt digitaler Prognosemodelle gibt’s Verkehrspolitik im Blindflug. Wieso haben die Nachfolgesenate so lange die Vergabe verzögert?“

"Die Technik für unsere Verkehrsplanung ist State of the Art", konterte seinerzeit Behördensprecher Füldner. "Stecknadeln und Karteikarten, das war gestern. Selbstverständlich arbeiten unsere Verkehrsplaner mit Verkehrsmodellen. Wenn beispielsweise die A7 von sechs auf acht Spuren erweitert wird, nutzen sie elektronische Analyse- und Prognosetools, um zu erfahren wie sich die Verkehrsströme damit in der Stadt verändern werden. Auch wie sich die Verkehrsströme nach der Einführung der Durchfahrtsbeschränkungen für ältere Dieselfahrzeuge in Altona auswirken würden, haben wir an einem Verkehrsmodell berechnet", so Füldner.

Modell soll Mobilitätsverhalten vorhersagen

"Wir wollen und müssen im Kalibrierungsprozess so genau wie möglich vorgehen, da dies die Qualität des Verkehrsmodells und auch dessen zukünftige Akzeptanz bei den Anwendern bestimmt, verteidigt der Verkehrsbehördensprecher jetzt die weitere Verzögerung. "Deshalb geht hier Genauigkeit vor Schnelligkeit." Das Verkehrsmodell werde "für die Verkehrsentwicklungsplanung 2030 das entscheidende Tool sein", so Füldner. "Es wird den Verkehr in der Zukunft nachbilden. Also die Entscheidungen von Bevölkerungsgruppen, in vielen unterschiedlichen Varianten von A nach B zu kommen, darstellen."

Anhand aller Daten schätze das Modell "die durchschnittlichen Aktivitäten, Ziele, Verkehrsmittel und Routen der Bevölkerung". Zusätzlich ließen sich mit dem Modell Szenarien durchspielen. "Das sind zum einen reale Situationen, zum Beispiel, wie sich der Bau der A26 auf das Mobilitätsverhalten auswirkt oder der Bau einer neuen S-Bahn-Linie", so Füldner. "Zum anderen mögliche Situationen wie ein angenommenes Bevölkerungswachstum oder die Zunahme des Wirtschaftsverkehrs, auf die eine genaue Verkehrsplanung schließlich eingehen kann."