Porträt

Klaus Uphoff – vom Maurer zum Chefplaner der Linie U 5

Klaus Uphoff in seinem Büro vor einem Graffito seines­ Sohnes,  das die U 5 zum Thema hat.

Klaus Uphoff in seinem Büro vor einem Graffito seines­ Sohnes, das die U 5 zum Thema hat.

Foto: Hernandez

Ingeneur Klaus Uphoff bahnt Hamburg neue Wege. Ein „Traumjob“ für den Mann, der einst als Maurer seine Laufbahn begann.

Hamburg. Wenn alles klappt, wird der Name von Klaus Uphoff wohl in die Geschichte der Hamburger Stadtentwicklung eingehen. Als ein Mann, der der Stadt gleichsam neue Wege ebnet und sie auf dem Weg zu mehr klimaschonender Mobilität ein gutes Stück voranbringt.

Als Chefplaner der Hochbahn verantwortet der 55-jährige Diplom-Ingenieur den Bau der neuen U-Bahn-Linie 5, von der Hunderttausende Hamburger profitieren sollen. Die U 5 soll vom Bramfelder Dorfplatz über die City Nord und die Innenstadt bis zu den Arenen in Stellingen führen. Insgesamt ist die Strecke rund 25 Kilometer lang. Bis Mitte der 2030er-Jahre soll alles fertig sein. Natürlich sei das ein gigantisches Projekt, und besonders die Kosten und der Zeitplan stünden im Fokus, sagt Uphoff.

Vor Kurzem wurde eine erste Zahl genannt, die aufhorchen ließ: Der Abschnitt Ost zwischen dem Bramfelder Dorfplatz und der City Nord, der etwa 5,8 Kilometer lang ist, soll rund 1,8 Milliarden Euro kosten. 21 Aktenordner füllen die Kostenberechnungen. 2021 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, und wenn alles nach Plan verläuft, „werden wir nach einer längeren Testphase 2028 diesen ersten Streckenabschnitt offiziell eröffnen.“

U-5-Hauptquartier liegt an Steinstraße

Als ihm die neue Aufgabe angeboten wurde, das war im Jahr 2016, da war „die Freude groß, aber der Respekt noch größer. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben“, sagt Klaus Uphoff. Das „Hauptquartier“ der U 5 liegt in einem imposanten Backsteinbau an der Steinstraße unweit des Hauptbahnhofs. 38 Mitarbeiter hat der Chefplaner bislang. Aber er braucht noch sehr viel mehr. Bis zu 100 können es werden. „Ich gebe meinem Team den notwendigen Freiraum, mische mich nicht überall ein. Wichtig ist, dass alles läuft, und vor allem, dass die Kommunikation unter­einander stimmt.“

Der Münsterländer, der in Riesenbeck aufgewachsen ist, sagt lächelnd über sich: „Wir Westfalen gelten ja als sturköpfig und haben unseren eigenen Willen. Da ist etwas dran, aber ich glaube, mit mir kann man ganz gut auskommen.“ Demnächst steht wieder ein Meilenstein für die U 5 an. „Unser Ziel ist es, dem Lenkungskreis die Planungen für den Abschnitt zwischen der City Nord und der Innenstadt vorzustellen. Da geht es um die Linienführung und die Lage der Haltestellen. Wenn wir grünes Licht bekommen, geht es in die finalen Planungen.“ Die Osdorfer und Luruper werden allerdings nicht wie erhofft mit der neuen U 5 an das Hamburger Schienennetz angebunden, sondern über die neue S-Bahn-Linie 32.

Ein Rückschlag für Uphoff? Anscheinend nicht: „Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die U 5 bis zu den Arenen fährt, denn eine direkte Anbindung ist hier absolut sinnvoll. Die Entscheidung für die Anbindung des Osdorfer Borns und Lurups durch die S-Bahn ist aus verschiedenen Gründen sehr gut gewählt.“ So bekämen das Forschungszentrum Desy und die Science City Bahrenfeld einen direkten Schnellbahn-Anschluss. Für Uphoff steht fest: „Letztlich ist doch nicht wichtig, ob S-Bahn­ oder U-Bahn dort fahren, sondern dass es einen guten ÖPNV-Anschluss gibt.“

Der Chefplaner der Hochbahn ist ein Perfektionist

Wer Uphoff schon länger begleitet weiß, dass er ein Perfektionist ist. „Wir nehmen uns lieber mal etwas länger Zeit, bevor wir einen neuen Baustein für die U 5 präsentieren. Da muss eben auch mal unser Vorstand Geduld haben, wenn wir nicht sofort liefern.“

Seit zehn Jahren arbeitet Klaus Uphoff bei der Hochbahn, hat den barrierefreien Ausbau der Haltestellen verantwortet und sich davor als Gesamtprojektleiter mit der Infrastrukturplanung für eine neue Stadtbahn in Hamburg befasst. Doch das Projekt war mit dem Scheitern der schwarz-grünen Koalition unter Bürgermeister Christoph Ahlhaus Ende 2010 auch erledigt.

Wichtig ist Uphoff, „den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren. Deshalb bin ich auch regelmäßig als U-Bahn-Fahrer unterwegs.“ Er hat die entsprechende Ausbildung dafür absolvieren müssen. Da kommt man mit den Kollegen ins Gespräch. Eines möchte der Chefplaner noch betonen: „Zum Erfolg der Hochbahn trägt jeder einzelne Mitarbeiter bei, dabei spielt die Position keine Rolle.“ Neben seiner Aufgabe bei der Hochbahn engagiert er sich auch im Ehrenamt: „Ich bin Jugendschöffe am Landgericht Hamburg. Was ich dort in den Prozessen erlebe und sehe, dass erdet einen und relativiert so manches berufliches Problem.“

Abwechslungsreiche Vita

Die Vita des 55-Jährigen ist abwechslungsreich und keineswegs gewöhnlich. Nach dem Abitur ging es nicht etwa auf Weltreise und danach an die Uni, sondern auf die Baustelle. „Ich habe erst mal eine Ausbildung bei uns im Ort zum Maurer gemacht. Ich habe mich für das Thema Bauen interessiert und wollte lernen, wie man eine Mauer hochzieht, ein Haus errichtet.“

Die zwei Jahre haben ihn geprägt: „Ich habe unglaublich viel gelernt, und es war körperlich anstrengend. Manchmal haben wir oben auf dem Dach am Schornstein gearbeitet, ohne Sicherung. Das war nicht ungefährlich.“ Die Gesellenprüfung hat er mit Auszeichnung bestanden. Über das Geschenk, das er damals überreicht bekam, muss Uphoff immer noch schmunzeln: „Das war ein Buch über die Tierwelt in Afrika. Ich habe es heute noch.“

Nach der Lehre studierte er Bauingenieurwesen in Hildesheim/Holzminden und Hannover. Es folgten berufliche Stationen in bundesweit tätigen Ingenieurbüros und schließlich vor gut zehn Jahren der Wechsel zur Hochbahn. Damit war auch der Umzug von Hannover nach Hamburg verbunden. „Ich habe es nie bereut. Ich bin begeistert von Hamburg, die Stadt hat so viele Facetten.“

Sankt Peter-Ording ist sein Rückzugsort

Seine Wohnung liegt im Schanzenviertel. „Ich fühle mich da sehr wohl. Man geht auf die Straße und ist mitten im Leben.“ Gemeinsam mit seiner Freundin Dagmar ist er aber auch gern im Grindelviertel unterwegs. „Wir mögen die Atmosphäre dort und die vielen verschiedenen guten Restaurants.“

Aber am Wochenende zieht es die beiden häufig in die Ferienwohnung nach Sankt Peter-Ording an die Nordsee. „Da kann man richtig abschalten. Einfach am Strand spazieren gehen und sich treiben lassen. Das ist für mich Entspannung.“ Genauso, wie mit einem Glas Wein den Sonnenuntergang bei Gosch an der Seebrücke zu genießen. Er schätzt an dem angesagten Ferienort die „Weitläufigkeit und dass es hier so viele Freizeitangebote gibt“.

Doch es muss nicht immer nur Sankt Peter-Ording sein. Uphoff ist da durchaus vielseitig. Zum Beispiel Fahrradfahren auf Fuerteventura und auch Städtereisen nach Barcelona, Málaga oder Budapest stehen auf dem Programm. Zumindest die Städtetrips unternimmt er nicht ohne berufliches Interesse. „Natürlich schaue ich mir die U-Bahn-Systeme in den jeweiligen Städten an und hole mir Inspirationen für die U 5.“ Aber auch mit einer Fernreise liebäugelt Uphoff. Südafrika oder Australien würden ihn interessieren, aber die lange Anreise mit dem Flugzeug sieht er noch als Herausforderung an.

Sein Fußball-Herz schlägt für FC St. Pauli

Seinen Ausgleich zur Arbeit findet der ehemalige Amateurfußballer beim Cycling im Fitnessstudio. „Da powere ich mich so richtig aus, und danach fällt auch jeglicher beruflicher Stress von mir ab.“ Die Uphoffs sind eine sportliche Familie. Der ältere Sohn Tjorben hatte schon mal einen Einsatz für den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga und kickt heute für den Wuppertaler SV in der Regionalliga West. Wenn es die Zeit zulässt, fiebert Uphoff bei den Spielen seines Sohnes mit. Aber der 24-jährige Sportmanagementstudent hat auch durchaus künstlerische Ambitionen. Im Büro von Uphoff an der Steinstraße hängt ein überdimensionales Werk.

Auf dem Graffito ist der Verlauf der U 5 eingezeichnet, und auch die neuen DT-6-Fahrzeuge – die rund 100 vollautomatischen Züge müssen noch bestellt werden – sind darauf zu sehen. Der jüngere Sohn Malte studiert Volkswirtschaft. Der 21-Jährige kickt in der Landesliga. Auch den Hamburger Fußball verfolgt Uphoff und macht keinen Hehl daraus, dass sein Herz für den FC St. Pauli schlägt – das Stadion liegt auch nur wenige Hundert Meter von seiner Wohnung entfernt.

Der Chefplaner muss wieder an die Arbeit, die nächsten Termine warten. Eine letzte Frage noch: Gibt es einen anderen Beruf, der ihn reizen würde? „Nein. Die U 5 zu realisieren, das ist mein Traumjob.“

Nächste Woche: Christian Berg, Märchenonkel, Clown und Deutschlands erfolgreichster Kindermusicalmacher