Event-Debatte

"Man kann ja schließlich auch in Wandsbek feiern"

Viele sind von Events wie dem Schlagermove genervt.

Viele sind von Events wie dem Schlagermove genervt.

Foto: Andreas Laible

Harley Days, Schlagermove & Co.: Abendblatt-Interview mit Hamburgs Tourismus-Chef schiebt Diskussion um Großveranstaltungen neu an.

Hamburg.  Ironman und Triathlon gehören in die Innenstadt, der Schlagermove auf den Kiez und die Harley Days sollten auch weiterhin hier stattfinden – das meint zumindest Hamburgs Tourismus-Chef Michael Otremba. Im Abendblatt-Interview begründete er seine Haltung unter anderem damit, dass „tolle Bilder aus Hamburg von diesen Ereignissen in die Welt transportiert werden“.

Doch seine Aussagen sorgen nicht nur für Zustimmung. Auf Facebook machen viele ihrem Ärger Luft. Einer schreibt etwa: „Hauptsache, der Rubel rollt, was interessiert da der Bürgerwille?“ Eine andere meint: „Es nervt allmählich. Bevor ich hier innerhalb der Stadt irgendwohin möchte, muss ich erst mal gucken, ob nicht wieder irgendwelche Straßen gesperrt sind.“ Auch Farid Müller, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, sagt: „Die Politik darf sich nicht nur danach richten, was sich Gewerbetreibende von Großevents versprechen, sondern muss sich auch anhören, was die Anwohner sagen. Und auf St. Pauli und in der Neustadt steht die Stimmung auf der Kippe.“

Politik sollte handeln

Die Politik müsse über Alternativen nachdenken. „Das heißt nicht, dass man Veranstaltungen ganz absagen muss, aber man sollte prüfen, ob auch andere Standorte infrage kommen.“ Der Bezirk Mitte sei überproportional betroffen. Der Schlagermove etwa könnte genauso gut auch woanders stattfinden. „Man kann ja schließlich auch in Wandsbek feiern.“ Die Politik sollte handeln, bevor es den Menschen zu viel wird. „Ich jedenfalls möchte nicht, dass es irgendwann vor einer Veranstaltung wie dem Schlagermove Sitzblockaden gibt. Das wären dann sicher auch keine Bilder, die Herr Otremba in die Welt transportieren will.“

Dennis Thering, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion, betont zwar die positiven Aspekte von Großveranstaltungen, sagt aber auch: „Es steht völlig außer Frage, dass Großveranstaltungen auch negative Aspekte mit sich bringen, wie Lärmbelästigungen, gesperrte Straßen, Staus und Müll. Deshalb ist auch klar, dass die Kapazität für Großveranstaltungen in Hamburg nicht unendlich ist, sondern begrenzt. Wir brauchen eine offene und breite Diskussion darüber, welche Veranstaltungen zeitgemäß sind und welche eher aus der Zeit gefallen sind.“

Vielfältiges Hamburg

Etwas anders sieht es Michael Kruse, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion. „Hamburg braucht touristische Großveranstaltungen, die in viele Zielgruppen wirken, weil die Stadt sehr vielfältig ist. Debatten über das Ende einzelner Events gehen deshalb in die falsche Richtung.“