Hamburg

Ist das Ende für die Harley Days abzusehen?

Der Vertrag zwischen der Wirtschaftsbehörde und dem Veranstalter läuft aus – und das schon bald. Eine Verlängerung scheint fraglich.

Hamburg. „Klar und unmissverständlich im Sound, weshalb die Nachbarschaft schon aus Harley-Freunden bestehen sollte!“ Wer im Internet nach Auspuffanlagen guckt, der weiß, was die Motorradfans gut finden. Für 868 Euro kann man zum Beispiel eine „ultimative Racing-Auspuffanlage“, erstehen, die „in Sachen Performance & Sound keine Wünsche offen lässt“. Attestiert wird dem Auspuff ein „brachialer Sound (Lautstärke: laut bis sehr laut)“.

Seit dem Wochenende wissen viele Hamburger, was das bedeutet. Die Harley Days haben auf vielen Straßen und in vielen Wohnungen für brachialen Lärm gesorgt. Ist eine Veranstaltung mit eingeplanter Geräuschbelästigung noch zeitgemäß? Der Vertrag, den die Wirtschaftsbehörde mit der Bergmann-Gruppe als Veranstalter abgeschlossen hat, läuft nach den Harley Days im kommenden Jahr aus. Es wäre eine Möglichkeit, das Krach-Event auf quasi natürliche Weise zu beerdigen.

Harley Days spalten auch die Bürgerschaft

In der Politik sind die Ansichten dazu gespalten. Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion der Grünen, sieht die Veranstaltung kritisch. „Leider sind die Harley Days bis einschließlich 2020 genehmigt“, sagt er. „Danach muss eine politische Entscheidung getroffen werden, ob solch eine Veranstaltung mit der damit einhergehenden Lärm- und Luftbelastung weiter sinnvoll ist.“ Auch die CDU hat Zweifel. „Hamburg braucht Großveranstaltungen, ich frage mich nur, ob es die Harley Days sein müssen“, sagt der Abgeordnete Dennis Thering.

Leise Zweifel regen sich auch bei der SPD. Die Harley Days sind zwar eine „Traditionsveranstaltung“, sagt die Abgeordnete Dorothee Martin, aber sie sei „nicht frei von Kritik“. „Ich denke, das Vertragsende 2020 ist eine gute Gelegenheit, um eine Bestandsaufnahme zu machen und über eine Weiterentwicklung des Konzeptes nachzudenken.“

Linke strikt dagegen – FDP klar dafür

Für die Linke ist die Sache klar. „Wir werden uns auf Landes- wie Bezirksebene dafür einsetzen, dass dieses Dinosauriertreffen nächstes Jahr keine Genehmigung mehr bekommt“, sagt der Abgeordnete Stephan Jersch.

Die FDP steht fest an der Seite der Motorradfans. Der Abgeordnete Michael Kruse sagt: „Die Harley Days sind ein touristisches Highlight mit internationaler Ausstrahlung. Das Lebensgefühl von Freiheit und Abenteuer passt hervorragend zu unserer Stadt.“ Auch die AfD hält an der Veranstaltung fest. Der verkehrspolitische Sprecher Detlef Ehlebracht findet, die Harley Days seien eine „feste Tradition“. „Deshalb sollte der Vertrag verlängert werden.“

Deutlich höhere Lärmbelastung durch Motorräder

Um die Harley Days wird schon seit längerem gestritten. Nach Protesten von Anwohnern wurden sie von der Reeperbahn auf den Großmarkt verlegt. Nicht verändert hat sich allerdings das Verhalten der Motorradfahrer: Sie knattern an den Veranstaltungstagen voller Begeisterung über Hamburgs Straßen.

Eine Messung des Schalldrucks – mit einer Handy-App an einer viel befahrenen Kreuzung in Altona vorgenommen – hat in diesen Tagen gezeigt, dass die Belastung durch die Motorradfahrer im Vergleich zum normalen Verkehrsgeräusch drastisch ansteigt: Zeigte die App während des normalen Verkehrs zwischen 65 und 73 Dezibel, stieg der Wert bei Vorbeifahrt der Harleys auf bis zu 95 Dezibel.

Unter Harley-Fahrern gilt Lärm als geradezu erwünscht

Wer das als störend empfindet, wird in Harley-Kreisen auf wenig Resonanz stoßen. Dort ist Lärm geradezu erwünscht. Auf der Internetseite Motorrad online wird beschrieben, warum die Harley in diesem Punkt unbedingt aufgemotzt werden muss. Serienmäßig klinge sie bestenfalls „langweilig“, heißt es da, in einige Fällen sogar „einfach nur scheiße“. Was tun? Auspuffanlagen schaffen Abhilfe. Die Internetseite hat sechs Anlagen ausführlich getestet, am besten schneidet am Ende ein Produkt der Firma Miller ab. „Toll gemachtes Sounderlebnis für den kleinen Geldbeutel“, heißt es da. Dass das „Fahrgeräusch grenzwertig“, weil „85,5 dB“ laut ist, spielt bei der Bewertung keine Rolle. Die Anlage bekommt die Bestnote „Sehr gut“.

Vor diesem Hintergrund wirkt es reichlich hilflos, wie die Harley-Days-Veranstalter ihre Kunden zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit ihrem fahrbaren Untersatz bewegen wollen. Auf der Internetseite heißt es unter der Überschrift: „Pespekt für Hamburg“: „Respekt geht auch ganz leise, auch unter Bikern. Deshalb: Lautstärke runter, Rücksicht rauf.“ Derselbe Veranstalter versendete am Freitag folgende frohe Facebook-Botschaft: „Heute geht’s los! Hört ihr das?“. Ja, wir haben es gehört.