Hamburg

Die CDU fordert eine Lagerfeld-Straße für Hamburg

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld

Foto: dpa Picture-Alliance / Marcus Brandt / picture-alliance/ dpa

Warum der Modeschöpfer in Hamburg geehrt werden soll. Partei hält auch Umbenennung des Innocentiaparks für denkbar.

Hamburg. Sein Verhältnis zu Hamburg galt als zwiespältig. Er hasse das Wort „Heimat“, aber wenn er an Norddeutschland denke, habe er doch ein „positives, optimistisches Gefühl“, hat der im Februar in Paris verstorbene Modezar Karl Lagerfeld einmal gesagt. Hamburg sei zwar das Tor zur Welt, aber eben nur das Tor, lautet ein anderes vielzitiertes Bonmot. Mithin: Man müsse eben auch hindurchgehen, heraus aus Hamburg und hinaus in die Welt, wenn man es zu echter Größe bringen wolle.

Das hat Karl Lagerfeld bekanntlich getan und ist in Paris zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten Modedesigner geworden. Dabei sei er bei all seinen Erfolgen „immer der gleich dumme Hamburger Junge geblieben“, betonte der für seinen Zopf bekannte Edelschneider gerne. 2017 gab er mit der Chanel-Modenschau in der Elbphilharmonie noch eine letzte große Liebeserklärung an die Stadt ab, in der er 1933 als Sohn eines Kondensmilch-Fabrikanten zur Welt kam.

Besondere Ehre für Modeschöpfer

Trotz seines bisweilen distanzierten Verhältnisses zu seiner Geburtsstadt soll Karl Lagerfeld nun in Hamburg eine besondere Ehre zuteilwerden. Das jedenfalls möchte die CDU, die jetzt vorgeschlagen hat, eine Straße, einen Platz oder einen Park nach dem Modeschöpfer zu benennen. Dabei solle bei der Suche auf die in den Bestimmungen zum Hamburger Wegegesetz vorgeschriebenen Frist verzichtet werden, nach der „Benennungen nach Verstorbenen frühestens zwei Jahre nach dem Tode vorgeschlagen werden“ sollen.

Sollte der Innocentiapark wie von der CDU vorgeschlagen umbenannt werden in Karl-Lagerfeld-Park?

In dem CDU-Bürgerschaftsantrag, der dem Abendblatt vorliegt, wird der Senat aufgefordert, „bereits vor Ablauf der üblichen Zweijahresfrist … unter Einbeziehung der bezirklichen Gremien, etwa in Hamburg-Nord, Eimsbüttel und/oder in Altona, zu prüfen bzw. zu suchen, ob und wo es einen geeigneten Platz oder eine geeignete Straße gibt, wo nach Ablauf der üblichen Zwei-Jahres-Frist eine Benennung der gefundenen Straße oder des gefundenen Platzes erfolgen kann“. Bis zum Februar 2020 solle der Senat der Bürgerschaft über den Planungsstand berichten.

Verkehrsflächen vom Senat benannt

Gemäß Paragraf 20 des Hamburger Wegegesetzes werden Verkehrsflächen vom Senat benannt. Laut den seit 2005 gültigen Ausführungsbestimmungen liegt die Federführung des Verfahrens mit der Prüfung der Vorschläge beim Staatsarchiv. Vorschläge für Benennungen können und sollen aus den Bezirken kommen. „Benennungen sollen zur Pflege des Heimatgefühls und des staatsbürgerlichen Bewusstseins beitragen“, heißt es in den aktuellen Bestimmungen. „Sie sollen der republikanischen Tradition Hamburgs entsprechen.“

Für die CDU-Bürgerschaftsfraktion erfüllt Karl Lagerfeld offenbar alle Voraussetzungen, damit ein prominenter Ort in Hamburg nach ihm benannt werden kann. „Lagerfeld war eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten der Mode- und Designwelt der letzten Jahrzehnte. Er wuchs in Hamburg auf und blieb seiner Heimatstadt stets verbunden“, sagte Jens Wolf, CDU-Fachsprecher für die Bezirke, dem Abendblatt.

„Seine erste Modeschau besuchte er in Hamburg und fand hier sein Interesse an Mode. Er unterhielt ein Atelier und wohnte einige Jahre in Blankenese. Wir sprechen uns dafür aus, dass als Anerkennung seines künstlerischen Lebenswerkes und aufgrund seiner Verbundenheit zu Hamburg ein Platz oder eine Straße nach ihm benannt wird.“ Da das Verfahren zur Benennung Jahre dauern könne, wolle die CDU bereits jetzt mit der Suche nach einem geeigneten Ort beginnen.

Noch heißt Hamburgs erster Park nach Papst Innozenz IV.

„Wichtig ist ein breiter Dialog in den bezirklichen Gremien und mit den Bürgern vor Ort“, sagt Wolf, der die Debatte mit einer eigenen Idee in Gang bringen will. „Aus meiner Sicht gibt es einen Favoriten“, so der Jurist. „Lagerfeld selbst hat die Gegend um die Innocentiastraße in Harvestehude als einen seiner Lieblingsorte in Hamburg genannt. Man muss nun prüfen, ob der Innocentiapark geeignet wäre, um ihn nach Lagerfeld zu benennen. Dies wäre ein würdiger Ort.“

Könnte das oft liebevoll als „Innopark“ bezeichnete rund 4,5 Hektar große Areal nahe der Grindelhochhäuser also bald Karl-Lagerfeld-Park heißen? Bisher ist der 1884 als erste Grünanlage Hamburgs angelegte Park nicht nach einem Modezar, sondern nach einem Papst benannt, nämlich nach Innozenz IV.

Ob das so bleibt, müssen die Diskussionen der nächsten Wochen und Monate zeigen. Dabei sind womöglich auch Belange des Sports betroffen. Schließlich könnten Jogger sich in einem Karl-Lagerfeld-Park unwohl fühlen. Das berühmteste Zitat des „dummen Hamburger Jungen“ Lagerfeld lautet bekanntlich: „Wer Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“