Hamburg

Kinderporno-Prozess: Ex-Bezirkspolitiker geht in Berufung

Dem ehemaligen Lokalpolitiker Lars M. wird vorgeworfen, auf den Datenträgern seiner Computer 47 kinderpornografische Bilddateien besessen zu haben (Symbolbild).

Dem ehemaligen Lokalpolitiker Lars M. wird vorgeworfen, auf den Datenträgern seiner Computer 47 kinderpornografische Bilddateien besessen zu haben (Symbolbild).

Foto: imago images / Christian Ohde

Das Amtsgericht Altona hatte den CDU-Mann zu einer Geldstrafe verurteilt – vor viereinhalb Jahren. Fall nun erneut vor Gericht.

Hamburg. Es waren erschreckende, ekelhafte Bilder, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten und die der ehemalige CDU-Bezirkspolitiker Lars M. auf seinen Computern gehortet hatte. Im November 2015 war der Hamburger CDU-Mann vom Amtsgericht Altona zu einer Geldstrafe von 7800 Euro verurteilt worden. Doch Lars M. legte innerhalb der einwöchigen Frist Berufung ein. Doch erneut verhandelt wird der Fall erst jetzt – viereinhalb Jahre später – vorm Landgericht Hamburg.

Am kommenden Freitag, 31. Mai, befasst sich die Justiz wieder mit dem Fall, in dem dem 57-Jährigen der Besitz kinderpornografischer Schriften zur Last gelegt wird. "Dem ehemaligen Lokalpolitiker M. wird vorgeworfen, auf den Datenträgern seines PC Fujitsu Siemens und seines PC Medion insgesamt 47 kinderpornografische Bilddateien besessen zu haben", teilte Oberstaatsanwältin Nana Frombach am Freitag mit.

Fall Lars M.: Eine umfangreiche Akte

Außerdem soll sich Lars M. am 10. Februar 2012 und am 21. März 2012 jeweils aus dem Internet Dateien mit kinderpornografischen Inhalten runtergeladen und auf seinem PC Fujitsu Siemens gespeichert haben. Angezeigt worden war der heute 57-Jährige übrigens von seiner Ex-Frau. Dieser warf er im Prozess 2014 jedoch vor, sie habe ihm die Fotos untergeschoben. Medienberichten zufolge hatte Lars M. die junge Moldawierin zehn Jahre zuvor in einem Online-Chat kennengelernt – als sie erst 16 Jahre alt war.

Dass es viereinhalb Jahre gedauert hat, bis der Berufungsprozess nun startet, ist mit einer Art Verkettung unglücklicher Umstände zu erklären. Zunächst werden Haftsachen bei den Berufungskammern vorgezogen. Im Fall Lars M. geht es hingegen "nur" um eine Geldstrafe. Hinzukommt, dass es sich beim Fall Lars M. um eine umfangreiche Akte handelt, wie Gerichtssprecher Christian Köster dem Abendblatt bestätigte.

"Zudem hat die Belastung bei den Kleinen Strafkammern in den vergangenen Jahren zugenommen", sagte Gerichtssprecher Köster. Deshalb wurde im Februar 2018 eine zusätzliche Kammer gebildet, die die Aufgabe hat, Altverfahren abzuarbeiten. Die Mitarbeiter dort mussten sich jedoch zunächst in die komplexe Akte von Lars M. einarbeiten. "Zudem kam es in der Kammer zu einem längeren Krankheitsfall", heißt es vonseiten des Gerichtes.

2008 wegen Asyl-Affäre in den Schlagzeilen

Für Schlagzeilen hatte Lars M. bereits 2008 gesorgt. Damals hatte der CDU-Politiker alle seine politischen Ämter niedergelegt, weil der öffentliche Druck nach einer Asyl-Affäre wohl zu groß geworden war. Er trat sowohl von seinem ehrenamtlichen Posten als Altonaer Bezirksabgeordneter sowie als Ortsvorsitzender seiner Partei im Stadtteil Nienstedten zurück.

Nach einem Bericht des "Spiegel" hatte Lars M. drei Jahre lang die Vaterschaft seiner damals vierjährigen Tochter geleugnet. Das Mädchen stammt aus einer kurzen Beziehung des Bezirkspolitikers mit einer Asylbewerberin aus dem Kongo. Sein Amt habe er zudem missbräuchlich genutzt, um sich in dem Vaterschaftsstreit Einblick in die Asylakten der Frau zu verschaffen, hieß es 2008.