Horn

Tödlicher Messerstich – Frau spricht von „tragischem Unfall“

Beim Prozess am Hamburger Landgericht steht der Vorwurf des Totschlags gegen eine 27-Jährige im Raum.

Hamburg.  Sie soll ihren Freund mit einem Messerstich ins Herz getötet haben. Seit Montag steht Monika S. deshalb vor dem Landgericht. Doch den Vorwurf des Totschlags weist die 27-Jährige zurück – sie spricht von einem „tragischen Unfall“. Der Mann sei ihr praktisch ins Messer gelaufen.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren die beiden am 22. November, kurz vor Mitternacht in der Wohnung von Hasan B. an der Rennbahnstraße (Horn) zu Bett gegangen, dort kam es zu einem „verbalen Streit“. Im weiteren Verlauf soll sich Monika S. ein Küchenmesser mit 8,5 Zentimeter Klingenlänge genommen und es dem Mann so wuchtig in den Oberkörper gestochen haben, dass die Klinge das Brustbein durchstieß und den Herzbeutel zerfetzte. Wenige Minuten später erlag der 46-Jährige seinen schweren Verletzungen.

Notruf-Mitschnitte geben Klarheit

In einer Gegenerklärung zur Anklage wies die Verteidigerin von Monika S. den Tatvorwurf als „unbegründet“ zurück. So ginge aus mehreren telefonischen Notruf-Mitschnitten hervor, dass der im Hintergrund deutlich zu hörende Mann gegenüber der Angeklagten keine Gefühle von „Angst oder Ärger“ gezeigt habe. Dies sei mit „einer absichtlichen Messertat“ nicht zu vereinbaren. Hasan B. und Monika S. waren erst seit September 2018 liiert. Kurz vor dem blutigen Vorfall habe es einen Streit gegeben, danach habe Monika S. – zum Ärger ihres Freundes – in der Küche eine Zigarette geraucht, hieß es in einer von ihrer Verteidigerin verlesenen Einlassung. Sie sei wütend gewesen, weil Hasan B. zu wenig Zeit für sie habe. Der Streit sei im Wohnzimmer weitergegangen, dort habe Hasan S. sie geschubst, woraufhin Monika S. gegen seinen Computer prallte, der zu Boden fiel.

Schere gegriffen

Aus Wut soll sich Hasan S. eine Schere genommen und Monika S. leicht damit an der Hand verletzt haben. Während der 46-Jährige ins Schlafzimmer zurückgekehrt sei, habe sie sich ein im Wohnzimmer liegendes Messer zum Schutz vor die Brust gehalten. Hasan S. sei dann mit voller Wucht durch die Wohnzimmertür gestürmt und in das Messer gelaufen. Als er sie daraufhin von sich stieß, sei das Messer herausgezogen worden. „Sie hat nicht absichtlich zugestoßen, sie hat das Messer nur in die Hand genommen, weil sie zuvor mit der Schere angegriffen worden war“ , so die Verteidigerin. Als Monika S. den Mann habe versorgen wollen, habe Hasan B. gesagt: „Lass das“. Dann sei er zusammengebrochen. Mit ihrem Handy habe sie einen Notruf abgesetzt und noch versucht, ihren Partner zu reanimieren.

Erst in der U-Haft habe sie bemerkt, dass sie sich durch den Knauf des Messers einen schmerzenden blauen Fleck im Brustbereich zugezogen habe. „Sie bedauert die Ereignisse und wünscht sich, sie hätte das Messer nie in die Hand genommen“, sagt ihre Verteidigerin. Die alarmierten Polizeibeamten trafen wenig später am Tatort ein. Sie sahen noch, wie Monika S. eine Herzdruckmassage bei dem 46-Jährigen durchführte. „Ich fragte sie, ob sie wisse, wo der Täter ist, da antwortete sie: Das bin ich“, sagte der Polizeibeamte Sandro P. im Zeugenstand.

Fehler des Polizeibeamten?

Was die Angeklagte den Polizeibeamten über den Geschehensablauf in jener Nacht berichtete, bleibt (vorerst) offen. Grund: Weil nach Aktenlage der Verdacht besteht, dass die Beamten die Frau am Tatort nicht rechtzeitig über ihre Rechte belehrt haben, beantragte die Verteidigerin am Montag, dass dieser Teil ihrer Aussage vor Gericht nicht als Beweis verwertet werden darf.

Einen derart kapitalen Fehler will der Polizeizeuge jedoch nicht begangen haben. „Ich habe ihr im Wohnzimmer sofort den Tatvorwurf eröffnet und sie belehrt, das ist bei mir so ein Automatismus“, so der Beamte. Eine weitere als Zeugin geladene Polizeibeamtin bestätigte diese Version. Der Prozess geht weiter.