Hamburg

Cold-Cases-Affäre: Staatsanwalt setzt Polizei unter Druck

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Christoph Heinemann
Steven Baack (r.) und LKA-Chef Frank-Martin Heise.

Steven Baack (r.) und LKA-Chef Frank-Martin Heise.

Foto: Michael Rauhe

Abgesetzter Soko-Chef soll unter „Überforderung“ gelitten haben. Nun geraten seine Vorgesetzten weiter in den Fokus.

Hamburg. Trotz Hinweisen auf „verbotene Ermittlungsmethoden“ und schwere Fehler wird kein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen den abgesetzten Soko-Chef Steven Baack eingeleitet – das hat die Staatsanwaltschaft nach einem Bericht des Abendblattes am Freitag offiziell bestätigt. Die Begründung der Entscheidung erhöht nun weiterhin den Druck auf die LKA-Führung in der Affäre um die Abteilung „Cold Cases“ für ungelöste Kriminalfälle bei der Polizei. Denn auch die Staatsanwaltschaft hält es für stichhaltig, dass Baack unter mangelhaften Arbeitsbedingungen litt.

Es hätten sich bei einer monatelangen Überprüfung der Ermittlungen keine Hinweise auf eine „absichtliche und planvolle Irreführung von Staatsanwaltschaft und Gericht“ ergeben, die einen Anfangsverdacht und Ermittlungen rechtfertigen würden, sagte der Generalstaatsanwalt Jörg Fröhlich dem Abendblatt. Baack waren in dem Verfahren unter anderem suggestive Befragungen, Täuschung von Zeugen und eine Falschaussage vor Gericht vorgeworfen worden. Der Angeklagte Frank S. wurde in dem Prozess um einen versuchten Mord im Jahr 1981 freigesprochen und fordert nun Schadenersatz von der Polizei.

„Hinweise auf Überlastung plausibel“

Bei ihrer Überprüfung stellte die Staatsanwaltschaft nun fest, dass schwerwiegende handwerkliche Fehler der Ermittler inzwischen belegt seien. Auch Baack hatte selbst Fehler eingeräumt – diese seien aber etwa durch mangelndes Personal in der Einheit begünstigt gewesen. „Die von Herrn Baack vorgebrachten Hinweise auf eine Überlastung und Überforderung als wesentliche Ursache dieser Fehler erscheinen grundsätzlich plausibel“, sagt nun der Generalstaatsanwalt Fröhlich zu den Ergebnissen der Prüfung.

Auch der renommierte Strafverteidiger Gerhard Strate, der Steven Baack vertritt, hatte im Gespräch mit dem Abendblatt und in einem Brief an den Polizeipräsidenten einen angeblich „unfairen und unprofessionellen“ Umgang mit seinem Mandanten kritisiert. Gegen Baack wird weiterhin disziplinarrechtlich bei der Polizei ermittelt. Dieses Verfahren hatte Strate selbst initiiert. Er halte Baack weiterhin für einen „fähigen und integren“ Ermittler, so Strate. Das Disziplinarverfahren werde aus seiner Sicht die Vorwürfe entkräften.

Verhalten der LKA-Spitze wird untersucht

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hatte wiederrum eine weitere Arbeitsgruppe eingerichtet, die nun prüfen soll, ob es „Mängel in der Führung und Zusammenarbeit“ innerhalb des Landeskriminalamtes gab. Die neuerliche Überprüfung wird von dem bereits pensionierten ehemaligen Leitenden Polizeidirektor Bernd Schulz-Eckhardt geführt.

In Polizeikreisen wird neben dem abgesetzten Soko-Leiter auch häufig der LKA-Chef Frank-Martin Heise als Hauptverantwortlicher für das Debakel der Abteilung gesehen. Inzwischen hat die frühere Pressesprecherin Heike Uhde – eine erfahrene Mordermittlerin – die Leitung der Abteilung „Cold Cases“ bei der Polizei übernommen.

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