Hamburg Hauptbahnhof

111 Zugausfälle in einem Monat – Bahn bekommt "neue" Loks

Ein Regionalexpress der Deutschen Bahn

Ein Regionalexpress der Deutschen Bahn

Foto: Patrick Pleul / dpa

Loks kaputt, kein Personal, Streckensperrung – das Elend der R81 von Hamburg nach Bad Oldesloe. In Lübeck lahmt der Busverkehr.

Hamburg. Die Deutsche Bahn hat massive Probleme mit der Pünktlichkeit ihrer Regionalzüge. Nach einer Erhebung des Online-Portals „NahverkehrHamburg“ sind innerhalb eines Monats allein auf der Linie 81 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe 111 Züge ausgefallen. Die Bahn erklärte auf Abendblatt-Anfrage, dass „reparaturbedingt nicht an allen Tagen Lokomotiven in ausreichender Zahl zur Verfügung gestanden haben“. Aber sie werden demnächst ergänzt.

„NahverkehrHamburg“ hat für die Erhebung zwischen dem 4. März und dem 3. April 2019 die bahneigenen Twitter-Meldungen ausgewertet, mit denen sie auf „DB Regio Schleswig-Holstein“ Verspätungen oder Zugausfälle meldet. Damit wird ein Streit über die Zahlen oder die Erhebungsmethode vermieden.

Hauptgrund sind kaputte Loks

In 62 Fällen wurden demnach „Fahrzeugmangel“ bzw. „Fahrzeugstörungen“ als Grund für den Ausfall angegeben, in 22 Fällen guckten die Fahrgäste wegen „Signalstörungen“ in die Röhre. In elf Fällen wurden „technische Störungen“ für den Stillstand verantwortlich gemacht, zehn Fahrten entfielen wegen „kurzfristigen Personalausfalls“. Zweimal waren Streckensperrungen die Ursache, zweimal wurden gar keine Gründe genannt. Auch von einer „Dunkelziffer“ war die Rede: Bei zwei größeren Streckensperrungen im fraglichen Zeitraum seien nicht alle Zugausfälle gepostet worden, schreibt „NahverkehrHamburg“.

Die Bahn muss alle 20 für den Regionalverkehr vorgehaltenen Lokomotiven renovieren. 15 Loks werden für den störungsfreien Verkehr auf der Linie gebraucht. Alle 20 müssen neue Radsätze bekommen, für die es jedoch „derzeit bundesweit Lieferschwierigkeiten“ gebe, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Deshalb können nicht alle notwendigen Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten planmäßig ausgeführt werden.“ Seit Ende März aber seien „diese Materialien im Zulauf“, so dass jetzt alle Loks auf Vordermann gebracht werden konnten.

Neue Loks ab Dezember – mit 18 Jahren auf dem Buckel

Die Bahn räumte allerdings auch „aufwändigere Reparaturarbeiten“ ein, die „länger dauern“. Der Versuch, Loks aus anderen Regionen zu leihen, sei gescheitert. Ab Dezember aber werden die zwischen 25 und 29 Jahre alten und anerkannt störanfälligen 20 Loks der Baureihe 112 um zusätzliche Modelle ergänzt, sagte die Sprecherin.

Bis Mitte 2020 kommen insgesamt acht Lokomotiven der Baureihe 146 dazu. Sie sind zwar mit rund 18 Dienstjahren auf dem Buckel auch nicht mehr taufrisch, aber doch wesentlich robuster als die derzeit genutzten Modelle. Mit den dann 28 Lokomotiven für die Linie hofft die Bahn, genügend Reserven zu haben, um die Linie störungsfrei betreiben zu können.

Krankheitswelle lähmt Lübecker Busverkehr

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten hat eine Krankheitswelle den Busverkehr in Lübeck beeinträchtigt. Insgesamt 37 Fahrten auf den Linien 2, 4, 9 und 15 waren betroffen, teilte das Verkehrsunternehmen am Freitag mit. Der Stadtverkehr setze nun unter anderem Verwaltungsmitarbeiter mit einem entsprechenden Führerschein ein, um die vielen Ausfälle zu kompensieren, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Erst im Februar hatte eine Krankheitswelle beim Stadtverkehr Lübeck für Ausfälle und Verspätungen gesorgt.

Am Freitagnachmittag zeichnete sich ab, dass auch am Wochenende Fahrten ausfallen werden. Am Montag sollten die Busse aber wieder nach Plan fahren, sagte die Sprecherin. Von rund 300 Mitarbeitern hatten sich nach Angaben der Sprecherin etwa 30 krank gemeldet.