Gesellschaft

Hamburg-Kolumne: Prominente Kellner und eine weite Reise

Sie servierten bei Polettos Palazzo (v. l.): Kirsten Roschlaub, Yasmina Filali, Theresa von Tiedeman und Ulf Ansorge.

Sie servierten bei Polettos Palazzo (v. l.): Kirsten Roschlaub, Yasmina Filali, Theresa von Tiedeman und Ulf Ansorge.

Foto: Patrick Becher / public address

Anekdoten aus der Gesellschaft, Rück- und Vorblicke auf Veranstaltungen – und alles über die wichtigsten Köpfe der Stadt.

Hamburg. Wer würde nicht gern einmal sein Essen von Johannes B. Kerner serviert bekommen? Rund 350 Gäste im Palazzo Spiegelpalast vor den Deichtorhallen erlebten den TV-Moderator in der vergangenen Woche in einer ungewohnten Rolle – als Kellner. Spitzenköchin Cornelia Poletto (mit Ehemann Rüdiger Grube) hatte zu einem großen Charity Dinner für das Altonaer Kinderkrankenhaus eingeladen. „Seit vielen Jahren bin ich Schirmherrin des AKK, der Abend im Palazzo zugunsten des Lufthafens dort ist eine Herzensangelegenheit für mich“, sagte Poletto. Zu essen gab es Carpaccio von der Fjordforelle, Topinambur-Schaumsüppchen, Brasato vom Rinderrücken und Schokolade und Passionsfrucht. Zu sehen jede Menge prominente Kellner: Neben Kerner waren das unter anderen die Moderatoren Hinnerk Baumgarten, Susanne Böhm und Anke Harnack sowie die Schauspielerinnen Sanna Englund, Nina Petri und Sandra Quadflieg. Poletto war überwältigt: „Ich bin total begeistert davon, mit welcher Freude und Bereitschaft die prominenten Aushilfskellner im Einsatz waren.“ Im Lufthafen des AKK werden seit 2011 Kinder und Jugendliche betreut, die auf eine Langzeitbeatmung angewiesen sind. Der Reinerlös des Abends beträgt 10.785 Euro. Hinzu kommen noch weitere private Spenden, sodass 26.000 Euro für den Lufthafen zusammenkamen.

Möglichst viele neue Kontakte und Visitenkarten wünschte Roland Heintze (Faktenkontor & Landesvorsitzender der CDU) als einer der vier Gastgeber den Besuchern der ersten Elbséparée in diesem Jahr. Gemeinsam mit Matthias Onken (Onken/Martin Strategie & Kommunikation), Thorsten Kausch („Städte. Marken. Impulse“) und Carola Veit (Hamburgische Bürgerschaft) hatte Heintze ins Kukuun im Klubhaus St. Pauli eingeladen. Themen gab es genug: Wie kann und wie weit soll sich die SPD von den Grünen abgrenzen und als „Hamburg-Partei“ positionieren? Wie kommt die Hamburger CDU aus dem Umfragetief? Und: Wer steigt denn jetzt auf aus der Zweiten Liga? Der HSV oder der FC St. Pauli – oder gar beide? Unter den Gästen: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), Hamburgs Wirtschaftsstaatsrat Torsten Sevecke, Robert Heinemann (ECE), Kristina Sassenscheidt, Chefin des Denkmalvereins, und Hamburgs FDP-Fraktionschef Michael Kruse.

Gut essen und trinken, Spaß haben. Und etwas für einen guten Zweck tun: Das war das Motto beim „Kochen mit Freu(n)den“ in der Gutsküche in Tangstedt kurz hinter der Hamburger Stadtgrenze. Zum neunten Mal hatte Matthias Gfrörer, der im vergangenen Jahr auch im Abendblatt-Restaurant Küchenverantwortung trug, Kollegen aus Hamburg, Dresden, Berlin und Düsseldorf in seine Küche eingeladen. „Kulinarik, Gastfreundschaft und Inspiration der Extraklasse, darum soll es gehen“, sagte der 40-Jährige, seine Frau Re­becca begrüßte jeden der 165 Gäste. So servierte Thomas Martin, mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneter Küchenchef im Louis C. Jacob, gebeizte Fjordforelle mit Ingwer, Gurke und Wasabi zu. „Ich bin gerne hier dabei“, so der Koch, „die Gäste sind sympathisch, die Stimmung ist gut.“ Dem stimmte Ronny Siewert aus dem Friedrich Franz (ein Stern) in Heiligendamm zu. „Ich freue mich, dass es endlich vom Termin her gepasst hat.“ Ondrej Kovar und Marco Kraemer vom Eppendorfer Restaurant Stüffel servierten Grünkohl mal anders. Ein guter Abend war es auch für den Verein „Hände für Kinder“: Bei einer Charity-Aktion kam für die Organisation, die im Neuen Kupferhof ein Kurzzeit-Zuhause für Kinder und Jugendliche mit Behinderung bietet, ein veritabler fünfstelliger Betrag zusammen. Der Termin für die zehnte Küchenparty steht übrigens schon fest: Es ist der 2. Februar 2020.

Wie es so läuft im Leben: manchmal ganz anders als geplant. Bei Sue Giers war es die Trennung von ihrem Mann, die sie so nicht vorhergesehen hatte. Drei Kinder, traumhafte Wohnung in Eppendorf, ein gemeinsames Business, immer an einem Strang gezogen – aber dann reist dieses Seil plötzlich durch. Doch: „Dadurch wurden auch erstaunliche Energien frei, um was Neues zu machen“, wie die Moderatorin, Bloggerin (mehr als 22.000 Follower) und seit wenigen Monaten auch Designerin erzählt. Ihr Ex-Partner ist Geschäftsführer von Closed; Giers prägte den Look der Jeansmarke mit. Sie war es, die das angestaubte Image in neue Sphären hob und Closed in den USA bekannt machte. Als Sarah Jessica Parker in einem der „Sex and the City“-Filme eine Closed-Jeans trug, ging das aufs Konto von Giers. Außerdem war die Hamburgerin lange Geschäftsführerin der Boutique Linette, doch mit dem Ehe-Aus hatte sie darauf keine Lust mehr. Also startete sie Ende 2016 „SoSUE“, einen Blog für Mode, Gesundheit und gute Geschichten. Sie sei ein „Wahrhaftigkeitssucher“, sagt Giers, deren neue Kollektion ab März online oder bei Linette zu kaufen sein wird: „Als Designerin verstehe ich mich nicht. Eher als Fashion-DJ. Ich weiß, wie ein Kleid aussehen muss, damit es sich verkauft.“ Praktisch sollen die Sachen sein, nicht knittern und möglichst ewig bei einem bleiben. Anders als manche Ehemänner.

Die Albert & Edda Darboven Stiftung will junge Unternehmerinnen unterstützen und vergibt hierfür alle zwei Jahre den Idee-Förderpreis. Bereits zum 14. Mal ruft die Stiftung jetzt Gründerinnen auf, ihre Geschäftsidee zu präsentieren. Insgesamt 65.000 Euro Preisgeld sind ausgeschrieben. „Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, den weiblichen Anteil unter den Unternehmern zu erhöhen, denn das stellt eine wesentliche Bereicherung für unsere Wirtschaft dar. Frauen kommunizieren anders, lösen Probleme auf anderen Wegen und bringen neue Aspekte in Diskussionen ein“, sagt Albert Darboven. Ab sofort können sich Existenzgründerinnen, die nicht länger als drei Jahre selbstständig sind, bewerben.

Rekordbesuch bei „Knut Terjung trifft ...“: 700 Gäste wollten in der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern das Gespräch des ehemaligen ZDF-Journalisten mit Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi erleben. „Ja, ist denn heute schon Weihnachten?“, fragte Hauptpastor Martin Vetter. Und dann legte Dohnanyi los. Sagte zum Beispiel über seine Vitalität: „Ich lebe vom Lernen. Wenn ich nicht lerne, sterbe ich. Mein persönlicher Freund, der frühere Hamburger Erzbischof Werner Thissen, hat mich vor fünf Jahren, an meinem 85. Geburtstag, gefragt, wie ich so alt geworden wäre, und ich habe ihm geantwortet: ,Mit Glück und Genen.‘ Da hat er meine Hand genommen und gesagt: ,Nein, das ist Gnade.‘“ Und über seine Ehefrau, die Schriftstellerin Ulla Hahn: „Wir tauschen uns über unsere Arbeit, insbesondere über Kunst, regelmäßig aus, haben Spaß miteinander und können richtig albern sein.“ Unter den Gästen: Ian Karan, Carl Claus Hagenbeck, General a. D. Hans-Christian Beck, Hannelore Lay, Dohnanyis ehemaliger Protokollchef Jürgen Grässner, Sohn Johannes von Dohnanyi.

Große Ehre für Michael Otto. Der Hamburger wurde in dieser Woche für sein Wirken als Unternehmer, Umweltschützer und Stifter mit dem EWS-Award 2018 des Europäischen Wirtschaftssenats ausgezeichnet. Der Preis geht an Persönlichkeiten, die sich in besonderem Maße für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft verdient gemacht haben. 2017 erhielt die Auszeichnung Manfred Weber. Weitere Preisträger der vergangenen Jahre sind unter anderem Wolfgang Bosbach, Jean-Claude Juncker und Roland Koch.

Mit dem Thema Unternehmensnachfolge hat der Verband Deutscher Unternehmerinnen (VdU) Hamburg/Schleswig-Holstein seinen Jahresauftakt in der Hanse-Lounge gefeiert. Melanie Schmidt-Strüngmann, Direktorin und Leiterin Strategische Vermögensplanung bei Merck Finck Privatbankiers, erklärte in ihrem Vortrag, dass Frauen bei der Regelung der Unternehmensnachfolge aktiver sind. Anschließend ging es in der Diskussion auch darum, wie angespannt die Lage durch Autokrise, Gelbwesten-Demonstrationen und die nach Ansicht der Unternehmerinnen chaotische Situation in der Handelskammer Hamburg sei. „Wir alle sind aufgerufen, unseren persönlichen Beitrag zu leisten, um das demokratische System zu stärken“, lautete der Appell von Gabi von der Decken, zweite Vorsitzende des VdU-Landesverbandes an die rund 50 Unternehmerinnen.

Eine besondere Dienstreise hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß hinter sich. Für vier Tage reiste er nach Kenia, um sich unter anderem über Themen wie Migrationspolitik, Klimaschutz oder die Bekämpfung von Fluchtursachen zu informieren. Dabei traf er hochrangige Politiker des Landes. Zum Abschluss besuchte der Hamburger inkognito den Slum Mathare. „Dort wollte ich mir ein Bild von entwicklungspolitischen Initiativen machen“, sagte er nach der Landung in der Hansestadt. Im Slum Mathare leben Menschen in Wellblechhütten unter prekären hygienischen Bedingungen. Von unterschiedlichen Organisationen finanzierte Entwicklungsprojekte wie ein Wasserkiosk und ein Abwassersystem seien längst zerstört. „Es zeigt sich, wie wichtig ein entwicklungspolitischer Ansatz ist, der den Menschen dauerhaft ein besseres Leben und Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht. Nur mit viel Geld ist es bei einer klugen Entwicklungspolitik nicht getan“, so Ploß. Der Besuch habe ihn sehr bewegt. „Diese Bilder werde ich nicht so schnell aus meinem Kopf bekommen.“