Hamburg

Musste Mädchen Grill mit glühenden Kohlen tragen?

Prozess: Der Angeklagte soll auch den Stiefsohn misshandelt haben. Die Eltern sind zerstritten.

Hamburg.  Zwischen Benjamin U. und Mona K. herrscht böses Blut. Zusammenraufen müssen sie sich mitunter trotzdem, denn aus ihrer kurzen Affäre ist vor rund vier Jahren eine Tochter hervorgegangen. Das Problem: Am 29. April soll der gebürtige Nigerianer (46) seinen Stiefsohn (7) und dessen Freundin (8) auf einem Spielplatz schwer misshandelt haben. Spätestens seit diesem Vorfall, der seit Donnerstag das Amtsgericht beschäftigt, findet Mona K. kein gnädiges Wort mehr für ihren Ex.

Ende April 2018 lief Benjamin U. mit seinem Stiefsohn Moritz K., Sandra S. (Namen geändert) und seiner dreieinhalbjährigen Tochter zu einem Spielplatz in der Nähe des Schlump, eingepackt hatten sie einen Einweggrill. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft spielte der Junge im Sand, plötzlich soll Benjamin U. ihm mit einem Ast so stark auf den Rücken geschlagen haben, dass er auf die Knie fiel, Schmerzen und Blutunterlaufungen am Rücken erlitt. Kurz darauf habe er dem Mädchen befohlen, den mit heißer Kohle gefüllten Grill vom Spielplatz bis zur 750 Meter entfernten Wohnung seines Stiefsohnes zu tragen, so die Anklage. Das Mädchen habe sich dadurch an vier Fingerkuppen der linken Hand verbrannt.

Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung

Benjamin U., angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung, erzählt die Geschichte komplett anders. Die Kinder hätten ihn provoziert, ihn immer wieder mit Sand beworfen. „Da habe ich dem Jungen mit einem ganz kleinen Stock auf den Po geschlagen“, sagt er. Mit dessen Wunde am Rücken habe er nichts zu tun. „Sie wissen aber, dass das nicht die richtige Erziehungsmethode ist“, wirft der Staatsanwalt ein. Bevor sie den Spielplatz verließen, habe er die Kohle mit Wasser abgelöscht und Sandra S. aufgetragen, den Grill zu tragen, so der Angeklagte. Er habe den Einweggrill noch einmal nutzen wollen. „Sie sagte auf dem Weg zu keinem Zeitpunkt, dass der Grill heiß sei.“ Ein Zeuge will aber gesehen haben, dass die Kohlen noch glühten.

Ebenso Mona K., die Ex-Freundin des Angeklagten. „Es klingelte, und ich sah Sandra, den Grill mit den glühenden Kohlen in der Hand“, sagt die Zeugin. Sie habe ihren Ex zur Rede gestellt, ob er „denn irre“ sei. Benjamin U. habe darauf herumgeschrien und sich breitbeinig aufs Sofa gesetzt. Die alarmierte Polizei sei zwar nach ein paar Minuten eingetroffen, habe den Grill aber erst eine Stunde später untersucht. Wie sich herausstellte, war er da noch „spürbar lauwarm“, wie aus der Akte hervorgeht.

Beide Aussagen widersprüchlich

Beide Kinder machten am Donnerstag hinter verschlossenen Türen Angaben. Moritz K. bestand darauf, nicht im Beisein seiner Mutter auszusagen. Offenbar waren beide Aussagen widersprüchlich. Das Gericht will weitere Zeugen laden und den Prozess fortsetzen.