Kriminalitätsstatistik

Gute Nachrichten: Immer weniger Kriminalität in Hamburg

Eine Streife der Polizei patrouilliert auf dem Kiez (Symbolbild).

Eine Streife der Polizei patrouilliert auf dem Kiez (Symbolbild).

Foto: picture alliance

Zahl der angezeigten Straftaten insgesamt deutlich rückläufig. Polizei lobt #metoo-Debatte: "Mehr Opfer fassen Mut, Delikte anzuzeigen"

Hamburg. Die Zahl der Straftaten in Hamburg ist im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge deutlich gesunken – das geht aus der neuen Kriminalstatistik hervor, die am Vormittag im Polizeipräsidium vorgestellt wurde. Die Gesamtzahl der registrierten Delikte ging um 3,3 Prozent auf 218.594 Taten zurück, so die Polizei. Rückläufige Zahlen gibt es vor allem bei Diebstahl- und Gewaltdelikten.

2018 registrierte die Polizei der Statistik zufolge insgesamt 4.601 Einbrüche und versuchte Einbrüche in Häuser und Wohnungen – 1.168 Taten (20,2 Prozent) weniger als im Vorjahr und 4.405 Fälle (48,9 Prozent) weniger als 2015, als noch 9.006 Wohnungseinbrüche gemeldet wurden.

Damit sei nun der niedrigste Stand seit mehr als 30 Jahren erreicht. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer bezeichnete das als „gigantischen Erfolg“ der Ermittler. „Ohne die richtige Schwerpunktsetzung und die konsequente Fortführung bereits eingeleiteter Maßnahmen wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen“, sagte Meyer.

Auch Zahl der Gewaltdelikte nimmt ab

In fast der Hälfte der registrierten Fälle sei es den Tätern zudem nicht gelungen, in die Wohnräume einzudringen. Auch beim Thema Autodiebstahl kann die Polizei zurückgehende Zahlen präsentieren: 2018 wurden 1.766 Fahrzeuge entwendet, 342 oder 16,2 Prozent weniger als 2017, was einem erheblichen Rückgang um 16,2 Prozent entspricht. Außerdem wurden erneut 17,3 Prozent weniger Taschendiebstähle registriert.

Weniger stark sank insgesamt die Zahl der Gewaltdelikte in Hamburg – um 2,2 Prozent auf 7.670 Taten. Die Zahl der Raubdelikte lag laut Polizei auf dem niedrigsten Stand seit 1981. „Polizeiliche Präsenzmaßnahmen, insbesondere im Innenstadtbereich, haben nachhaltig Wirkung gezeigt“, heißt es in einer Mitteilung.

Auch bei den Körperverletzungsdelikten konnte 2018 mit einem Rückgang um weitere 1,3 Prozent ein Fünf-Jahres-Tief erreicht werden. Dabei gingen die vorsätzlichen einfachen Körperverletzungen um 341 Taten (2,2 Prozent) zurück, während bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen 25 Taten (0,5 Prozent) etwas mehr registriert wurden.

20 Morde und Mordversuche im vergangenen Jahr

Die Zahl der vorsätzlichen Tötungsdelikte sei im Jahr 2018 um 15 Fälle auf 59 Taten gesunken, darunter waren 20 Mordversuche und Morde (2017: 30) und 39 Totschlagsdelikte (2017: 44). Diese Zahl unterliegt regelmäßig größeren Schwankungen. Im vergangenen Jahr hatte unter anderem die Bluttat am Jungfernstieg für Entsetzen gesorgt, bei dem eine Mutter und ihr erst einjährige Tochter am Bahnsteig des Bahnhofs mit einem Messer bestialisch getötet wurden. Der mutmaßliche Täter steht derzeit noch vor Gericht.

Bei den Sexualdelikten verzeichnete die Polizei im Gegensatz im vergangenen Jahr einen Anstieg um 3,1 Prozent. Die Polizei erklärt sich dies jedoch nicht mit einer tatsächlich angestiegenen Fallzahl. „Die #metoo-Debatte dürfte sich positiv auf das Anzeigeverhalten ausgewirkt haben“, so die Polizei. So hätten knapp 40 Prozent der im Jahr 2018 angezeigten Taten zum Teil viele Jahre zurück gelegen. „Offenbar fassen inzwischen mehr Opfer den Mut, auch zurückliegende Übergriffe der Polizei zu melden“, heißt es.

Deutlich mehr Haftbefehle gegen Drogendealer

Auch im Kampf gegen Drogendealer hat die Polizei nach eigenen Angaben Fortschritte erzielt. Mit insgesamt 13.281 Fällen habe man 2.695 Taten mehr aufgedeckt als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Zuführungen ins Untersuchungsgefängnis um 33 Prozent von 309 auf 411, die Zahl der erlassenen Haftbefehle steigerte sich um über 30 Prozent von 272 auf 356.

„Die nochmals deutlich intensivierten Aktivitäten der Polizei, die Bündelung von Kräften und der weiter gesteigerte Kontrolldruck haben die Szene verunsichert und die öffentlich wahrnehmbare Drogenkriminalität spürbar zurückgedrängt‘“, so die Polizei. Drogendealer sind jedoch weiterhin täglich in größerer Zahl an den Brennpunkten auf St. Pauli, im Schanzenviertel und in St. Georg aktiv.

Betrug bleibt das Sorgenkind der Polizei

Wie das Abendblatt bereits exklusiv berichtet hatte, stellt eine weiter wachsende Zahl von Betrugsdelikten die Polizei noch immer vor Herausforderungen. Es war ein Anstieg von 1,9 Prozent auf 33.000 Taten zu verzeichnen. „Viele der Taten stehen dabei in direktem Zusammenhang mit dem Internet“, heißt es von der Polizei. Der Onlinehandel habein den vergangenen Jahren enorme Wachstumsraten aufgewiesen, allein 2018 lag das Umsatzplus demnach bei rund 9 Milliarden Euro. Gewerkschaften hatten zuletzt jedoch auch eine völlig unzureichende personelle und technische Ausstattung im Kampf gegen Betrüger kritisiert.

Kriminalität durch Flüchtlinge steigt

Aus der Analyse aller ermittelten Tatverdächtigen ergibt sich laut Polizei auch ein Rückgang der Jugendkriminalität. Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sank demnach abermals um knapp zehn Prozent auf 13.298. Im Zehn-Jahres-Vergleich sank diese Zahl sogar um 22,2 Prozent

Bei den Tatverdächtigen mit Flüchtlingshintergrund sei 2018 dagegen ein leichter Anstieg um 398 auf 5.904 zu verzeichnen. Gegenüber 2016, dem Beginn der Erfassung, bleibe die Entwicklung aber rückläufig.

Aussagekraft der Statistik ist begrenzt

Polizeipräsident Meyer und Innensenator Grote nennen die Gesamtstatistik eine gute Nachricht. „Wir leben in einer sicheren und immer sicher werdenden Stadt“, so Grote. Meyer, sagte dass die gesamte Polizei am heutigen Tag Grund zur Freude habe und bedankte sich bei den Ermittlern.

Die Polizeistatistik bildet registrierte Straftaten und die Ermittlungsverfahren, aber nicht die tatsächliche Gesamtzahl aller geschehenen Straftaten und die tatsächlich für die Taten verantwortlichen Menschen ab. Deshalb ist die Aussagekraft begrenzt. Nach Angaben von Gewerkschaften und Opposition könne ein niedriger Stand an Straftaten in bestimmten Bereichen auch damit zusammenhängen, dass die Polizei nicht genügend Kräfte in die Aufklärung des Dunkelfelds investiert.

Eine Frau wird von einem Mann festgehalten (Symbolbild).

Eine Frau wird von einem Mann festgehalten (Symbolbild).

Foto: Heline Vanbeselaere / imago/Reporters