Prozess

Polizistinnen Stinkefinger gezeigt: G-20-Demonstrant bereut

Das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf an der Ernst-Mantius-Straße.

Das Amtsgericht Hamburg-Bergedorf an der Ernst-Mantius-Straße.

Foto: imago/Christian Ohde

Richter hält Entschuldigung für unglaubwürdig. Erst kürzlich hatte er den Mann wegen eines anderen Vergehens verurteilt.

Hamburg. Es war keine Gewalttat, aber alles andere als ein Kavaliersdelikt, was der Bergedorfer Jan S. (heute 22) sich beim G-20-Gipfel im Sommer 2017 in der Hamburger Innenstadt leistete. Am Valentinskamp in der Neustadt passierte er mit seinem Mercedes zwei junge Polizistinnen aus Nordrhein-Westfalen, die von der Polizeiführung abkommandiert waren, das Hotel Scandic Hamburg Emporio vor gewalttätigen Demonstranten zu schützen. Der damals noch nicht ganz 21-Jährige streckte den Polizistinnen die Zunge heraus und den Mittelfinger entgegen, während er den Motor seines Wagens laut aufheulen ließ. Angeklagt wegen Beleidigung, musste Jan S. am Dienstag im Bergedorfer Amtsgericht erscheinen.

„Ja, so ist es gewesen, und ich möchte mich dafür entschuldigen“, räumte der gelernte Kfz-Mechaniker nach Verlesen der Anklage kleinmütig ein. Unmittelbar nach der Tat hatte er noch ganz andere Töne angeschlagen. Auf dem Valentinskamp wimmelte es an diesem Tag von Polizei, daher wurde er nur Sekunden später angehalten. Und obwohl es zahlreiche uniformierte Zeugen gab, leugnete er vehement den „Stinkefinger“ und dachte nicht daran, seine beiden Opfer um Entschuldigung zu bitten. Warum er die beiden Frauen so offensiv beleidigt hatte – diese Frage wollte Jan S. vor Gericht nicht beantworten.

Vorstrafe wegen Schreckschüssen ins Gesicht

Erst vor weniger als zwei Monaten hatte er schon einmal als Angeklagter vor demselben Richter gestanden – wegen gefährlicher Körperverletzung. Als 19-Jähriger hatte in Boberg sein Auto unmittelbar neben einer Menschengruppe so „sportlich“ geparkt, dass die Leute sich bedroht fühlten und beschwerten. Im Verlauf einer sich anschließenden Rangelei, an der sich auch sein Beifahrer mit Fäusten beteiligte, zog Jan S. eine Schreckschusspistole und schoss einer Frau damit viermal ins Gesicht. Das Urteil im Dezember: S. musste 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

„Letztes Mal erzählten Sie mir, dies sei eine sehr unglückliche Phase Ihres Lebens gewesen, die aber längst überwunden sei“, ärgerte sich der Richter. „Aber ein Jahr später beleidigen Sie zwei junge Frauen, von denen eine kaum älter ist als Sie. Stellen Sie sich einmal vor, das hätte einer mit Ihrer Freundin gemacht. Da wäre Ihnen doch die Galle hochgekommen.“

Drei Tage im Juli: das Dossier zum G-20-Gipfel in Hamburg

Der Versuch des Jugendgerichtshelfers von Jan S., für den angehenden Kfz-Meister eine Jugendstrafe zu erreichen, misslang. Der Richter folgte dem Plädoyer der Staatsanwältin und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 20 Euro.