Hamburg

"Bäm! Krass! Senf!" Diese Werbung für die U 5 hat Folgen

Für manche erfrischend,
für andere gaga: Zu den
Plakaten für die U-5-Bürgerbeteiligung haben viele
ihren Senf dazugegeben.

Für manche erfrischend, für andere gaga: Zu den Plakaten für die U-5-Bürgerbeteiligung haben viele ihren Senf dazugegeben.

Foto: Hochbahn

Plakatkampagne und Infoveranstaltungen kosten zusammen mehr als 336.000 Euro. Kritik kommt von CDU und Bund der Steuerzahler.

Hamburg.  „Bäm Bäm Bäm U 5“ oder „Krass Krass Krass U-Bahn für alle“. Mit diesen und anderen markigen Sprüchen wirbt die Hochbahn auf rund 600 Plakaten in Haltestellen und Zügen für die neue U-Bahnlinie 5. Dazu passt auch das Plakatmotiv mit der Sprechblase „Senf Senf Senf U 5“. Die Hamburger sollen ihren „Senf dazugeben“, mitreden bei dem Großprojekt und werden auf das Informationsportal schneller-durch-hamburg.de aufmerksam gemacht.

Das Milliardenprojekt U 5 soll 2021 mit dem ersten Spatenstich auf dem Abschnitt zwischen Bramfeld und der City Nord starten. Die Plakatkampagne, dafür zeichnet die Hamburger Kreativagentur Philipp und Keuntje verantwortlich, lässt sich das Verkehrsunternehmen 136.664,05 Euro kosten. Das geht hervor aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des CDU-Vizefraktionschefs Dennis Thering: „Die Hochbahn sollte sich weniger auf öffentlichkeitswirksame Werbekampagnen, die einen sechsstelligen Betrag kosten, konzentrieren."

Schneller Baubegin gefordert

Stattdessen sollte alle Kraft in einen schnellen Baubeginn und einen verlässlichen Zeitplan gesteckt werden“, sagte Thering. Der Vorsitzende des Bundes der Steuerzahler Hamburg, Lorenz Palte, kritisierte: „Es ist richtig, dass Hamburg in den Ausbau des ÖPNV investiert. Dass jedoch eine sechsstellige Summe für eine oberflächliche Plakataktion ausgegeben wird, geht gar nicht.“ Städtische Plakate sollten Inhalte transportieren, nicht aber ‚Bäm!‘ und ‚Krass!‘, so Palte weiter.

Die Strategie der Hochbahn erklärt Sprecher Christoph Kreienbaum so: „Eine umfassende Bürgerbeteiligung kostet Geld. Sie ist für den Erfolg dieses Projektes aber ohne Alternative.“ Dem Sprecher des Verkehrsunternehmens ist wichtig: „Bei dem U-5-Projekt geht es um ein neues Verkehrsmittel für ganz Hamburg. Damit es erfolgreich wird, wollen wir möglichst alle Hamburger bei diesem Projekt mitnehmen und beteiligen. Deshalb zielt die Kampagne auf die Bürgerbeteiligung, nicht auf eine reine Projektdarstellung.“

Mit der Kampagne werde insbesondere auf die Beteiligungsplattform www.schneller-durch-hamburg.de hingewiesen. Schon in der ersten Woche zählte der Internetauftritt laut Kreienbaum rund 20.000 Besucher, und es wurden 300 Fragen gestellt, die aktuell beantwortet werden.

Große Resonanz erwartet

Die Hochbahn belässt es aber nicht allein bei der Plakatkampagne. Zunächst sind acht Infoveranstaltungen für die Bürger vorgesehen. Dafür sind 25.000 Euro pro Event eingeplant, insgesamt also 200.000 Euro.

Das Verkehrsunternehmen rechnet mit einer großen Resonanz: „Wir gehen davon aus, dass wir insgesamt mindestens 10.000 Teilnehmer haben werden“, sagte Kreienbaum. Der Hochbahn-Sprecher erklärte: „Ein solch komplexes Projekt muss anfassbar werden, Experten müssen erläutern, Bürger Fragen stellen und Anregungen geben können.“ Die ersten acht Veranstaltungen an vier Orten seien in Form einer Projektmesse geplant.

An verschiedenen Punkten können sich die Bürger über den Stand des Projektes und die Auswirkungen auf die Mobilität von morgen informieren. Dazu werden moderne Technologien wie ein Stadtmodell in 3D eingesetzt. Los geht es unter dem Motto „Die U 5 kommt in Ihren Stadtteil“ am 8. Februar von 13 bis 18 Uhr im Hauptgebäude des UKE (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf). Auch hier gibt es Kritik an den Kosten: „Die 200.000 Euro für die acht Auftaktveranstaltungen klingen eher nach Lasershows und Luxuskulis für die Teilnehmer als nach sachlichen Präsentationen“, sagte Lorenz Palte.

Wichtiges Verkehrsinfrastrukturprojekt

Als „Jahrhundertbauwerk“ bezeichnete Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) vor Kurzem die geplante U 5. Anlass war die Vorstellung der Machbarkeitsuntersuchung für den Abschnitt „U-5-Mitte“, der von der City Nord über die Innenstadt bis nach Stellingen verlaufen soll. Bis zu 17 Haltestellen wird die rund 17 Kilometer lange Strecke haben. Allerdings ist zu den Kosten noch nichts bekannt.

CDU-Verkehrsexperte Thering fordert: „SPD und Grüne müssen bis zur nächsten Bürgerschaftswahl Klarheit über den finalen Streckenverlauf und die Gesamtkosten dieses Milliardenprojekts schaffen.“ Einig mit dem Senat ist sich Thering, wenn es um die Bedeutung geht: „Die U 5 ist eines der wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte in Hamburg, das wir als CDU aus voller Überzeugung unterstützen.“