UKE Gesundheitsakademie

Was wirklich an die Nieren geht, erklärt der Experte

Tobias Huber erklärte den Gästen der Gesundheitsakademie, was die Nieren schädigt – und wie man Vorsorge treffen kann.

Tobias Huber erklärte den Gästen der Gesundheitsakademie, was die Nieren schädigt – und wie man Vorsorge treffen kann.

Foto: Marc Hasse / HA

Tobias Huber erklärte dem Plenum, wie es zu Schäden am Klärwerk des Körpers kommt – und was zur Vorbeugung hilft.

Hamburg. Unsere Nieren sind Multitalente: Die beiden faustgroßen, bohnenförmigen Organe reinigen rund 300 Mal am Tag unser Blut und entfernen so Gift- und Abfallstoffe; sie steuern den Wasser- und Mineralhaushalt; sie produzieren Hormone, die den Blutdruck beeinflussen und die Blutbildung im Knochenmark regulieren.

Aber wenn es ihnen nicht gut geht, leiden sie meist lange still. „Nierenerkrankungen sind selten mit Schmerzen verbunden und werden häufig erst spät erkannt“, sagte Prof. Tobias Huber an der Gesundheitsakademie des Uniklinikums Eppendorf (UKE). Bei etwa zehn Prozent der Deutschen komme es im Verlauf des Lebens zu einer Niereneinschränkung. Allerdings führe längst nicht jede Beeinträchtigung zu gesundheitlichen Problemen, sagte der Leiter der III. Medizinischen Klinik am UKE.

Nikotin und Alkohol schaden den Nieren

Schaden können den Nieren insbesondere Bluthochdruck und Diabetes, eine chronische Stoffwechselerkrankung, die zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Als weitere Risikofaktoren für Nierenschäden gelten Übergewicht und Bewegungsmangel, Autoimmunerkrankungen und Schmerzmittel wie Ibuprofen, sofern sie über mehrere Wochen hinweg in hohen Dosen eingenommen werden, wie Huber erläuterte.

Auch über Nikotin freuen sich die Nieren gar nicht. Und wie ist es mit Alkohol? Täglich maximal ein kleines Gläschen Wein für Frauen und ein „normales“ Glas Wein für Männer, „das geht gerade noch“, sagte Huber. Von größeren Mengen rate er ab.

Eine Million Filterkörperchen pro Niere

So vielfältig wie die Aufgaben der Nieren ist das Gewebe, aus dem die Organe bestehen, erklärte der Nephrologe und Internist in seinem Vortrag. Je nach Erkrankung seien unterschiedliche Gewebe betroffen, vor allem aber die Nierenfilterkörperchen. Eine Million von ihnen gibt es in jeder gesunden Niere.

Verschlechtert sich die Funktion der Nieren, kann sich das wegen ihrer vielfältigen Funktionen entsprechend unterschiedlich auswirken und zu Bluthochdruck, zu einer Überwässerung oder einer Störung des Mineralhaushalts oder zu einer inneren Vergiftung führen.

Anzeichen für Nierenschäden können schwer zu erkennen sein

Einige der möglichen Warnzeichen sind eher unspezifisch: So kann sich eine Nierenerkrankung durch körperliche Schwäche, Müdigkeit und Abgeschlagenheit bemerkbar machen – alles Symptome, die aber auch diverse andere Ursachen haben können, und sei es nur zu wenig Schlaf.

Wissen die Betroffenen jedoch, dass bei ihren Eltern oder anderen Verwandten schon Nierenerkrankungen aufgetreten sind, spreche dies eher dafür, einen Arzt aufzusuchen, sagte Huber. Insbesondere ratsam sei das, wenn sich Wassereinlagerungen in den Beinen zeigten oder der Urin stark schäume oder rot gefärbt sei. Auch Bluthochdruck könne ein Anlass sein, die Funktion der Nieren untersuchen zu lassen.

Ältere Menschen müssen mehr Acht auf ihre Nieren geben

Den Nieren hilft, wovon auch das Herz-Kreislauf-System profitiert. Nicht rauchen, regelmäßig bewegen, Übergewicht vermeiden – das sind Tobias Hubers wichtigste Empfehlungen. Sollte man auch möglichst viel trinken? Jüngere Menschen sollten einfach nur ihrem normalen Durstempfinden folgen, rät Huber. In der Regel bewirke dies schon, dass die empfohlenen zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag im Körper landen.

Mehr Aufmerksamkeit sei aber bei älteren Menschen geboten. Mit zunehmendem Alter schaffen es die Nieren nämlich immer schlechter, den Urin zu konzentrieren, also möglichst viel Wasser im Körper zu halten, wie Huber erläuterte. Ältere Menschen verlieren über den Urin mehr Wasser als jüngere Menschen. Außerdem sei das Durstempfinden bei älteren Menschen geringer. Deshalb sollten ältere Menschen besonders darauf achten, regelmäßig genügend zu trinken.

Mit der Gesundheitsakademie will das UKE den jüngsten Stand des medizinischen Wissens vermitteln. Im Anschluss an die Vorträge können sich die Besucher auf dem „Markt der Gesundheit“ über Prävention, Selbsthilfe, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation informieren. Partner der Gesundheitsakademie ist das Abendblatt.

Die UKE Gesundheitsakademie

Der nächste Vortrag findet am 7. Januar ab 18.30 Uhr statt und beschäftigt sich mit diesem Thema: „Wenn die Haut juckt – was dahinter steckt und was hilft“. Ticket pro Veranstaltung: 10 Euro (zzgl. Gebühren). Erhältlich sind Karten in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32 (Mo–Fr 9 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr), auf abendblatt.de und bei der Abendblatt-Ticket-Hotline: 040/30 30 98 98. Veranstaltungsort: UKE, Gebäude N55, Martinistr. 52, 18.30 bis 21 Uhr.