Gesundheitsakademie UKE

Experte erklärt, wie unsere Knochen länger stabil bleiben

UKE Gesundheitsakademie mit Prof. Michael Amling

UKE Gesundheitsakademie mit Prof. Michael Amling

Foto: Andreas Laible

UKE-Professor Michael Amling empfiehlt unter anderem ausreichende Versorgung mit Vitamin D. Seine Tipps.

Hamburg.  Es ist ein erstaunliches Erneuerungsprogramm: Etwa alle sechs Jahre regeneriert sich unser Skelett. Im Idealfall könnte deshalb ein 70-Jähriger genauso starke Knochen haben wie ein 20-Jähriger. Permanent bauen sogenannte Osteoklasten an Tausenden Stellen alten Knochen ab, während Osteoblasten neuen Knochen aufbauen. In den neuen Knochen wird Kalzium eingelagert – vorausgesetzt, es wurde im Darm genügend Kalzium aufgenommen, weil genügend Vitamin D dies möglich gemacht hatte.

Vielen Menschen fehle es jedoch an Vitamin D, sagte der Knochenexperte Prof. Michael Amling an der Gesundheitsakademie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Der Direktor des Instituts für Osteologie und Biomechanik geht davon aus, dass auch ein Großteil der Hamburger unzureichend mit Vitamin D versorgt ist. Dabei verwies Amling unter anderem auf Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin.

Aus der aktuellen Einschätzung des RKI ergibt sich allerdings ein weniger dramatisches Bild. Nach jüngsten Erkenntnissen wiesen 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen Vitamin-D-Mangel auf, erklärte das RKI auf Abendblatt-Nachfrage, wobei es als Mangel eine Vitamin-D-Konzentration von unter 30 Nanomol pro Liter Blutserum bezeichnet. Weitere 41 Prozent der Erwachsenen wiesen Werte zwischen 30 und 50 Nanomol auf und seien deshalb „suboptimal“ mit Vitamin D versorgt.

Unzureichende Vitamin-D-Versorgung in den Wintermonaten

Wer im Sommer oft in der Sonne ist, kann in dieser Zeit eher davon ausgehen, dass seine Haut ausreichend Vitamin D produziert. Im Winter jedoch ist die hautwirksame UV-Strahlung nur noch verschwindend gering, deshalb produziert unsere Haut dann kaum Vitamin D. Und allein durch Vitamin-D-reiche Lebensmittel wie Fettfisch und Eier lasse sich der Bedarf nicht decken, es sei denn, man vertilge täglich etwa 400 Gramm Hering, erklärte UKE-Arzt Michael Amling.

Ob man zur Deckung des Bedarfs kontinuierlich Vitamin-D-Tabletten einnehmen sollte, ist jedoch umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für alle gesunden Bundesbürger ab dem zwölften Lebensmonat, pro Tag mindestens 800 internationale Einheiten (IE) Vitamin D etwa in Tablettenform einzunehmen, sofern keine häufige Sonnenbestrahlung gegeben ist. Die gewünschte Versorgung sollte laut DGE bei mindestens 50 Nanomol liegen.

Wie Michael Amling erläuterte, führen niedrige Vitamin-D-Werte nicht zwangsläufig zu Knochenproblemen. „ Wir haben Knochen im Überfluss und können viel Knochenmasse verlieren, ohne dass Knochen brechen“, sagte der Orthopäde. Gleichwohl plädiert auch er dafür, pro Tag mindestens 800 IE Vitamin D einzunehmen. Ausgenommen davon seien Menschen mit einem hohen Kalziumspiegel im Blut oder mit einer Sarkoidose, einer seltenen entzündlichen Erkrankung. Eine Vitamin-D-Messung etwa beim Hausarzt bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen allerdings nicht. Auch für Vitamin-D-Präparate müssen die Versicherten selbst aufkommen.

"Vier von fünf Knochenbrüchen sind überflüssig."

Fehlt es an Vitamin D oder an Magensäure, die das Kalzium aus der Nahrung erst „aufschließen“ muss, sinkt der Kalziumspiegel kurzzeitig. Darauf reagiert der Körper so: Die Knochen geben Kalzium frei, damit das Herz und die Muskeln keinen Mangel erleiden, wie Amling erläuterte. Für unser Skelett könne dies zur Folge haben, dass die Festigkeit der Knochen nachlasse.

„ Wahrscheinlich bauen die meisten mehr Menschen kontinuierlich etwas mehr Knochensubstanz ab, als sie aufbauen“, sagte Amling. Mit dem Knochenschwund, der Osteoporose, steige die Gefahr, dass der Knochen schon bei gewöhnlichen Belastungen breche. Hauptsächlich trifft es ältere Menschen, denn es kann einige Jahrzehnte dauern, bis sich ein Mangel bei der Kalziumaufnahme entsprechend äußert. Vor allem betroffen sind dann Wirbelkörper, Oberschenkel-, Ober- und Unterarmknochen. Immerhin: „Osteoporose lässt sich bestens therapieren“, sagte Amling. Besser wäre es jedoch, wenn es gar nicht so weit käme: „Vier von fünf Knochenbrüchen sind überflüssig.“

Maßnahmen bei Vitamin-D-Mangel und Kalziumdefizit

Die erste Maßnahme bei einer Osteoporose-Therapie sei in der Regel, durch die Gabe von Vitamin D den Kalziumstoffwechsel zu stabilisieren. Habe ein gestörter Kalziumstoffwechsel mit einem Mangel an Magensäure zu tun, lasse sich dies medikamentös behandeln, sagte Amling. Mit Medikamenten sei es außerdem möglich, den Knochenabbau zu hemmen und den Knochenaufbau zu stimulieren. Apropos: Wer viel Zeit auf dem Sofa verbringe, dem nütze auch genügend Vitamin D nur bedingt, sagte Amling. „Knochen bleiben nur stabil, wenn sie regelmäßig belastet werden. Wer seinem Skelett etwas Gutes tun will, bewegt sich viel oder treibt Sport.“

Mit der Gesundheitsakademie will das UKE den jüngsten Stand des medizinischen Wissens vermitteln. Im Anschluss an die Vorträge können sich die Besucher auf dem „Markt der Gesundheit“ über Prävention, Selbsthilfe, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation informieren. Partner der Gesundheitsakademie ist das Abendblatt.

Der nächste Vortrag findet am 10. Dezember ab 18.30 Uhr statt und beschäftigt sich mit diesem Thema: „Das geht an die Nieren – Risiken früh erkennen, Erkrankungen vermeiden“. Ticket pro Veranstaltung: 10 Euro (zzgl. Gebühren). Erhältlich sind Karten in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32 (Mo–Fr 9 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr), unter www.abendblatt.de/leserevents und an der Abendblatt-Ticket-Hotline: 040/303098 98. Veranstaltungsort: UKE, Gebäude N55, Martinistr. 52, 18.30 bis 21 Uhr.