Interview

Hapag-Lloyd-Chef kritisiert Bürgermeister Tschentscher

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen

Foto: picture alliance/ Axel Heimken

Rolf Habben Jansen legt Geschäftserwartung offen. Über erwogene Terminalbeteiligung von Franzosen wäre er „nicht begeistert“.

Hamburg.  Kurz nachdem die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd am Freitag ihre neuen Zahlen veröffentlicht hatte, stand der Vorstandschef des Unternehmens dem Abendblatt Rede und Antwort. Er legte dar, welche Geschäftserwartungen er fürs kommende Halbjahr hat und kritisierte, dass Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) Hapags Konkurrenten CMA CGM eine Beteiligung an einem Hamburger Umschlagsterminal anbietet. Zudem unterstützt er die Forderung der Hafenwirtschaft nach einem runden Tisch.

Herr Habben Jansen, das vergangene Jahr war positiv, jetzt ist das Ergebnis wieder deutlich negativ. Steckt Hapag-Lloyd in der Krise?

Rolf Habben Jansen: Das erste Halbjahr war nicht so einfach. Die Treibstoffkosten und Charterraten sind stark gestiegen, die Frachtraten haben sich dagegen enttäuschend entwickelt. Wir haben aber immer noch ein operatives Ergebnis von knapp 90 Millionen Euro, was im Vergleich zu vielen unserer Konkurrenten immer noch gut ist. Zudem haben wir im ersten Halbjahr unsere Schulden weiter abbauen können, was ja eines unserer Hauptziele für 2018 ist. Deshalb dürfen wir nicht völlig unzufrieden sein. Zudem sehen wir, dass sich die Frachtraten zur Zeit schrittweise erholen, sodass wir leicht optimistisch ins zweite Halbjahr schauen.

Sie müssen aufgrund der Restriktionen der USA Ihr Iran-Geschäft zugunsten des USA-Geschäfts aufgeben. Wird sich das negativ niederschlagen?

Kaum. Am Ende war es eine geschäftspolitische Entscheidung, Importe in den Iran auszusetzen. Für uns ist das Iran-Geschäft ohnehin nur ein sehr kleiner Teil des Gesamtgeschäfts.

Sie haben die hohen Bunkerkosten erwähnt, die das Ergebnis gedrückt haben. Herr Kühne hat Kritik daran geübt, dass man steigende Treibstoffpreise wegen der Laufzeit der Verträge nicht unmittelbar an die Kunden weitergeben kann. Er hat mehr Flexibilität gefordert. Geht das ?

Wir haben in unseren Kundenverträgen Klauseln, die es uns erlauben, den Bunkerzuschlag anzupassen. Aber die greifen meist nur einmal pro Quartal. Wenn also im zweiten Quartal die Bunkerpreise steigen, werden die Kundenzuschläge ab Juli angepasst. Wir haben also immer eine Verzögerung von mindestens einem Quartal. Übrigens: Wenn wir uns die Ergebnisse unserer Wettbewerber anschauen, dann sieht man, dass diese die gleichen Probleme haben.

Ganz so kritisch sieht es Herr Kühne wohl auch nicht. Immerhin hat er seine Beteiligung an Hapag-Lloyd erhöht.

Das freut uns. Es ist ein Zeichen des Vertrauens, wenn unsere Aktionäre bereit sind, sich stärker zu engagieren.

Sie wollen Terminalverträge optimieren. Heißt das auch, dass sie einige Verträge lösen und bestimmte Terminals nicht mehr anlaufen wollen?

Die Terminals sind ein großer Kostenblock bei uns, wir reden von drei Milliarden Euro. Da gibt es immer Optimierungsmöglichkeiten. Und: Ja, es bedeutet auch in manchen Fällen, dass man einige Dienste über andere Häfen fahren lässt. In Asien hat man verschiedene Häfen, die man nutzen kann, ebenso in Europa, etwa Rotterdam, Antwerpen, Bremen oder Hamburg. Und wenn man nur ein bis zwei Prozent der Kosten einsparen kann, ist das bei drei Milliarden Euro Gesamtkosten richtig viel Geld.

Wird das negative Auswirkungen auf den Hamburger Hafen haben?

Im Moment erwarte ich nicht, dass weniger Volumen nach Hamburg kommen wird.

Der Bürgermeister hat kürzlich der französischen Reederei CMA CGM eine Beteiligung am Containerterminal Burchardkai in Aussicht gestellt. Wie sehen Sie das?

Wir sind davon nicht begeistert. Wir haben zwar eine Beteiligung am Containerterminal Altenwerder, sind aber aufgrund der Zugangsbeschränkungen durch die niedrige Höhe der Köhlbrandbrücke gezwungen, unsere großen Schiffe am Burchardkai abzufertigen. Für uns ist also sehr wichtig, dass die Zusammenarbeit mit der HHLA gut bleibt und dass wir auch weiter Zugriff auf den Burchardkai haben.

Der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg warnt, dass Hamburg im europäischen Wettbewerb Ladung verliert. Er fordert einen runden Tisch mit Politik, Hafenwirtschaft und Gewerkschaften. Der soll neue Ideen entwickeln, um den Hafen voranzubringen. Wie stehen Sie dazu?

Das ist gar keine schlechte Idee. Ich habe in der Vergangenheit ja selbst mehrfach angeregt, dass wir mehr miteinander reden müssen, anstatt übereinander. Am Ende haben wir doch alle das gleiche Ziel.