Hamburger Reederei

Drei Gründe für den hohen Verlust von Hapag-Lloyd

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen im Hafen-Klub an den Landungsbrücken

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen im Hafen-Klub an den Landungsbrücken

Foto: Michael Rauhe

Reederei verdoppelt Minus auf 100 Millionen Euro. Der Verlust offenbart strukturelle Probleme. Chef Jansen verspricht Besserung.

Hamburg.  Nach einem starken Jahr 2017 ist Hapag-Lloyd wieder in ein tiefes Wellental gerutscht. Zwar hat der Vorstandschef von Hamburgs Traditionsreederei, Rolf Habben Jansen, erst im Mai seinen Vertrag für weitere fünf Jahre verlängert, danach hat er aber alle negativen Nebenwirkungen zu spüren bekommen, die das Schifffahrtsgeschäft derzeit mit sich bringt: Er musste Stellenstreichungen in Hamburg verkünden, eine Gewinnwarnung herausgeben, er erfuhr, dass Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) einem französischen Konkurrenzunternehmen eine Terminalbeteiligung in Hamburg andienen will und schließlich das: Hapag-Lloyd hat von Januar bis Juni massive Verluste eingefahren, wie das Unternehmen am Freitag in seinem Halbjahresbericht 2018 einräumte. Unter dem Strich lag der Fehlbetrag nach sechs Monaten bei 100,9 Millionen Euro und damit 58,2 Millionen Euro schlechter als im Vorjahreszeitraum. Damals lag das Minus bei 42, 7 Millionen Euro.

Verlust zeigt strukturelle Probleme auf

Einen Teil des Verlusts kann man damit wegdiskutieren, dass die in der Handelsschifffahrt starken Quartale erst bevorstehen. Doch ein genauerer Blick auf die Ursachen zeigt strukturelle Probleme auf: Zum ersten sind die Charterraten zuletzt hoch gewesen. Das bedeutet, dass Linienreedereien wie Hapag-Lloyd für die Anmietung von Schiffen hohe Mietgebühren entrichten mussten. Zum zweiten sind die Preise für Schiffstreibstoffe stark gestiegen. So musste Hapag-Lloyd pro Tonne Bunker etwa 64 Euro oder 23 Prozent mehr ausgeben als im ersten Halbjahr 2017.

Zum dritten hat sich die Wettbewerbssituation der Handelsschifffahrt nach den ganzen Übernahmen und Unternehmenszusammenschlüssen in den vergangenen Monaten offenbar nicht wirklich verbessert. Es gibt immer noch Überkapazitäten auf dem Markt. Ergebnis: Hapag-Lloyd hat pro transportiertem Standardcontainer etwa 40 Euro weniger verdient als vor Jahresfrist.

Da verpufft annähernd der Effekt, dass Hapag-Lloyd im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 etwa 1,6 Millionen Standardcontainer mehr transportiert hat. Dieses deutliche Plus ist übrigens fast ausschließlich auf die Übernahme der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) zurückzuführen, die erst Mitte Mai 2017 zu Hapag-Lloyd kam und deshalb erst in diesem Jahr in die Zahlen voll einfließt.

Reedereien veröffentlichen Gewinnwarnung

Habben Jansen selbst möchte die Lage von Deutschlands größter Reederei allerdings nicht so schwarzsehen, wie sie sich auf den ersten Blick darstellt. Sein Unternehmen leidet nicht mehr als andere unter der Marktsituation. Viele Konkurrenten haben ihre Halbjahresberichte noch nicht veröffentlicht, aber neben Hapag-Lloyd haben auch die japanische Nippon-Yusen-Kaisha (NYK-Lines) sowie Branchenprimus Maersk kürzlich eine Gewinnwarnung veröffentlicht.

Die Reederei Orient Overseas Container Line (OOCL) aus Hongkong hat fürs erste Halbjahr ein operatives Ergebnis von minus drei Millionen US-Dollar gemeldet. Immerhin hat Hapag-Lloyd dagegen einen operativen Gewinn (EBIT) von 107 Millionen Dollar (umgerechnet 88,7 Millionen Euro) verzeichnet.

Zudem setzt Habben Jansen darauf, dass die Transporteinnahmen jetzt endlich steigen. „Wir sehen, dass sich die Frachtraten zur Zeit schrittweise erholen, sodass wir leicht optimistisch ins zweite Halbjahr schauen“, sagt er. Bereits bei seiner Gewinnwarnung Ende Juni hatte Habben Jansen seine Prognose eingedampft. Demnach werde es für das Gesamtjahr voraussichtlich nur noch für einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 200 bis 450 Millionen Euro reichen. Im vergangenen Jahr hatte Hapag-Lloyd knapp 411 Millionen Euro verdient. Im März hatte der Rederei-Chef noch einen „deutlich steigenden“ Gewinn prognostiziert.

Habben Jansen verstärkt Sparkurs

Auch die Analysten sind von dem Ergebnis nicht schockiert. „Das Ergebnis ist erwartungsgemäß, nachdem Hapag-Lloyd mit der Gewinnwarnung vor einigen Wochen ja den Kapitalmarkt auf das herausfordernde Sektorumfeld vorbereitet hat“, sagte Christian Cohrs von Warburg Research. „Das Minus kam nicht überraschend“, sagt auch Thomas Wybierek, Schifffahrtsexperte der NordLB. Und auch an der Börse sorgte das negative Halbjahresergebnis nicht für Entsetzen: Die Aktie schloss am Freitagnachmittag nach einem starken Schlussspurt mit einem Plus von sechs Prozent bei 36,06 Euro.

Dennoch verstärkt Habben Jansen den Sparkurs. „Wir überprüfen die Wirtschaftlichkeit unserer Schiffssysteme und optimieren unsere Terminalverträge, um zusätzliche Entlastungen auf der Kostenseite zu erzielen“, kündigte der Konzernchef an. Im Klartext: Habben Jansen will zu billigeren Häfen wechseln. Ob das für Hamburg langfristig negative Folgen hat, dazu will er sich nicht äußern. „Im Moment erwarte ich nicht, dass weniger Volumen nach Hamburg kommen wird“, sagte er.

Großaktionär Klaus-Michael Kühne ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass Hapag-Lloyd bald wieder aus dem Wellental heraussegelt. Er hat seinen Anteil möglicherweise aus strategischen Gründen von 20 auf 25 Prozent und eine Aktie erhöht und hält damit faktisch eine Sperrminorität. Die übrigen Anteilseigner sind die chilenische Reederei CSAV mit 25,5 Prozent, Katar und Saudi Arabien mit zusammen 24,7 Prozent und die Stadt Hamburg mit 13,9 Prozent. Der Rest befindet sich im Streubesitz.