Finanzen

So sparen Sie 600 Euro beim Wechsel des Gasanbieters

Eine Frau im Heizungskeller (Symbol)

Eine Frau im Heizungskeller (Symbol)

Foto: imago stock&people

Preise sind niedrig wie lange nicht, doch sie könnten bald steigen. Was Verbraucher zu einem neuen Vertrag wissen sollten.

Hamburg.  Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad sind Gedanken an die Heizung eher ungewöhnlich. Doch für Verbraucher, die mit Gas heizen, lohnt es durchaus, jetzt einen Anbieterwechsel zu prüfen. Denn trotz des Hochsommerwetters steigen derzeit die Gas­preise. Erst ein Drittel der Haushalte hat bisher seinen Gasversorger gewechselt. Was ist bei einem Wechsel zu beachten? Wie hoch ist die Ersparnis? Wie wird sich der Gaspreis entwickeln? Das Hamburger Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet die wichtigsten Fragen.


Wie schnell kann ich meinen alten
Vertrag kündigen?

Wer noch in der Grundversorgung steckt, kann jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Neuere Verträge laufen meist zwölf Monate und verlängern sich ohne Kündigung erneut um diesen Zeitraum. Die Kündigungsfrist liegt häufig bei sechs Wochen. Es gibt aber auch Tarife, die sich nach der erstmaligen Laufzeit ohne Kündigung nur jeweils um einen Monat verlängern. Dann ist man sehr flexibel, kann aber nicht eine so hohe Einsparung erreichen.


Was spricht für einen Wechsel und
wie viel Geld kann ich sparen?

Seit dem Jahr 2012 ist der Gaspreis stetig gesunken. Die durchschnittliche Monatsrechnung für den Gasverbrauch in einem Einfamilienhaus reduzierte sich seit 2012 um 16 Prozent auf rund 95 Euro. Wer lange nicht gewechselt hat, steckt wahrscheinlich noch in einem teureren Tarif. Bei einem Wechsel aus dem Grundtarif von E.on kann ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) Erdgas rund 600 Euro im ersten Jahr sparen. „Der Wechsel des Gasanbieters war selten so lukrativ wie heute“, sagt Oliver Bohr, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal Check24. Mit Blick auf den Winter erwarten Experten aber eher weiter steigende Gaspreise. Es ist also besser, sich jetzt neu zu binden als erst in einigen Monaten. „Die Gefahr, dass der Gaspreis weiter steigt ist wesentlich höher als die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise wieder fallen“, sagt Jan Edelmann, Rohstoffexperte der HSH Nordbank.


Wie finde ich einen neuen Anbieter?

„Der Wechsel des Gasanbieters geht einfach und dauert nur wenige Minuten“, sagt Ines Rutschmann vom Verbraucherportal Finanztip. Dabei helfen Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox. Diese Daten werden für einen Wechsel benötigt: Name, Anschrift, Gasverbrauch und Zählernummer sowie der gewünschte Lieferstart. „Der neue Versorger kündigt für Sie Ihren alten Vertrag. Es gibt kein Risiko, dass Ihnen das Gas abgestellt wird oder dass Sie gleichzeitig beim alten und neuen Anbieter einen Vertrag haben“, sagt Energieexpertin Rutschmann. Wenn alles mit dem bisherigen Lieferanten geregelt ist, schickt der neue Anbieter eine Vertragsbestätigung zu.


Was muss ich bei einem Wechsel
beachten?

Die hohe Ersparnis ergibt sich in der Regel durch die Bonuszahlungen nur im ersten Jahr. Es gibt verschiedene Boni. Einen Direkt- oder Sofortbonus verrechnen die Versorger meist mit den fälligen Abschlagszahlungen pro Monat. „Die Zahlung des Neukundenbonus schieben die Anbieter dagegen meist bis zum Ende der Laufzeit auf“, sagt Rutschmann. Endet der Vertrag vor Ablauf von zwölf Monaten, verlieren die Kunden ihren Anspruch auf den Neukundenbonus. Bei Bonustarifen empfiehlt sich ein regelmäßiger Wechsel. Auch sollte stets geprüft werden, ob der Tarif mit der höchsten Einsparung wirklich zu den persönlichen Bedürfnissen passt. Im Internet lässt sich leicht recherchieren, ob es zu den meist unbekannten Anbietern viele Beschwerden von Kunden gibt. Für die übliche Vertragslaufzeit von zwölf Monaten sollte es auch vom Anbieter eine Preisgarantie geben. Manche Versorger wie Goldgas, Schweizstrom und Vattenfall geben nur eine Nettopreisgarantie. Erhöhen sich nach Vertragsabschluss Steuern oder Abgaben, so ist das von der Preisgarantie nicht abgedeckt und der Kunde muss den Mehrpreis zahlen.


Kann ich auch ohne Anbieterwechsel
sparen?

Das ist möglich, indem man einen anderen Tarif beim bisherigen Anbieter wählt. Aus dem Grundversorgertarif von E.on kann der Kunde in den Tarif E.on Erdgas wechseln. Statt 1299 Euro zahlt er dann nur noch 719 Euro im Jahr. Das ist immerhin eine Ersparnis um rund 45 Prozent. „Der Kunde bekommt in diesem Fall auch den Neukunden­bonus von 158 Euro, obwohl er eigentlich kein Neukunde ist“, sagt Lundquist Neubauer vom Vergleichsportal Veri­vox. Ob aber alle Boni bei einem solchen Wechsel gewährt werden, hänge immer vom Anbieter ab und sei nicht garantiert.


Wie viel lässt sich bei einem Tarifwechsel ohne Bonus sparen?

Die Vergleichsportale zeigen auch die günstigsten Tarife ohne Bonus. Auch dann ist für Hamburger eine Einsparung bei der Gasrechnung möglich. Bei einem Anbieterwechsel mit den Merkmalen 20.000 kWh Jahresverbrauch ohne Bonus, Vertragsverlängerung nach zwölf Monaten um maximal einen Monat und einer Kündigungsfrist von maximal sechs Wochen liegen diese vier Anbieter im Vergleich zum Grundtarif vorn: 4hundred (Ersparnis pro Jahr 435 Euro), Maingau (403 Euro), Montana (392 Euro) und NEW (386 Euro). Doch kann auch dabei nicht ausgeschlossen werden, dass es im Folgejahr teurer wird. Denn auch bei diesen Tarifen gilt die Preisfixierung nur für zwölf Monate.


Kann ich meinen Vermieter auf einen
günstigeren Anbieter verpflichten?

Im Gegensatz zum Strompreis können längst nicht alle Haushalte in Hamburg Einfluss auf den Gaspreis nehmen. „Der Großteil der Mieter ist darauf angewiesen, welchen Gasversorger ihr Vermieter auswählt“, sagt Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Mietervereins zu Hamburg. „Die Mieter haben darauf keinen Einfluss. Den Nachweis zu führen, dass der Vermieter bei der Auswahl gegen das Gebot der Wirtschaftlichkeit verstößt, ist kaum möglich.“ Nur Mieter, die direkt mit einem Gasversorger abrechnen, weil sie in der Wohnung eine Gastherme haben, können den Anbieter selbst wählen. „Das sind aber in Hamburg maximal zehn bis 15 Prozent“, sagt Chychla. Leichter kann man sich als Eigentümergemeinschaft auf einen günstigen Gaslieferanten einigen.


Warum steigt der Gaspreis
voraussichtlich?

Nach den Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der Durchschnittspreis pro kWh Erdgas im Mai für Privathaushalte bei 5,69 Cent. Das ist der niedrigste Stand seit 2008. Das Internetportal Gasvergleich rechnet bis Ende des Jahres mit einem Preis von bis zu 6,9 Cent je kWh. „Seit Anfang April ist der Index für Gaspreise um 46 Prozent gestiegen“, sagt Jan Edelmann von der HSH Nordbank. Es sei eher ungewöhnlich, dass der Gaspreis im Sommer so ansteige. „Die Gaslager in Europa mussten aufgefüllt werden und die Nachfrage nach Erdgas ist aufgrund der guten Konjunktur hoch“, sagt Edelmann. Je näher der Winter rücke, umso größer werde der Nachfragedruck. Nur ein Konjunktureinbruch in China oder die Eskalation des Handelskonflikts mit den USA könne dazu führen, dass die Entwicklung zu steigenden Gaspreisen durchbrochen wird.


Wie setzt sich der Gaspreis
zusammen?

Wie der Strompreis wird auch der Gaspreis von hohen Abgaben und Steuern bestimmt, die mehr als 50 Prozent des Endverbraucherpreises ausmachen. „Die regionalen Unterschiede beim Gaspreis sind insbesondere auf die regional unterschiedlichen Netzentgelte zurückzuführen“, sagt Manuela Wolter vom BDEW. Diese werden durch die Bundesnetzagentur anhand regionaler Faktoren wie der Besiedlungsdichte sowie der Investitionen in den Netzausbau und die Instandhaltung festgelegt.