Hamburg

Barbara Kisseler Preis für das Lichthof Theater

Theaterleiter Matthias Schulze-Kraft zur Situation des Lichthof Theaters und der Freien Szene nach der Vergabe der Fördermittel

Theaterleiter Matthias Schulze-Kraft zur Situation des Lichthof Theaters und der Freien Szene nach der Vergabe der Fördermittel

Foto: Marcelo Hernandez

Die Auszeichnung, die an die 2016 verstorbene Kultursenatorin erinnert, ist mit 50.000 Euro dotiert.

Hamburg.  „Als ich heute Morgen von dem Preis erfahren habe, sind mir schon ein paar Steine vom Herzen gefallen“, sagt Matthias Schulze-Kraft. Der Intendant des Lichthof Theaters und sein Team dürfen sich über 50.000 Euro freuen. So hoch ist der Barbara Kisseler Theaterpreis dotiert, der jährlich von der Hermann Reemtsma Stiftung in Erinnerung an die 2016 verstorbene Kultursenatorin vergeben wird. „Wir freuen uns total. Diese Auszeichnung ist eine große Ehre. Wir werden damit erst einmal kleine Löcher in unserem Etat stopfen und dann nach der Sommerpause mit dem Team überlegen, was wir mit dem Geld anfangen. Wir sind es gewohnt, aus wenig Geld viel zu machen“, so der künstlerische Leiter der Bühne, die in Bahrenfeld ihre Spielstätte hat.

Ausgewählt wurde das Lichthof Theater durch einen jährlich wechselnden anonymen Juroren oder eine Jurorin, der/die sich während einer Spielzeit die Produktionen der verschiedenen Theater in der Hansestadt anschaut. In der Begründung heißt es: „Das Team des Lichthof Theaters hat auch in diesem Jahr Denk- und Entwicklungsraum für thematisch und formal außergewöhnliche Projekte geschaffen. In den herausragenden Produktionen ‚Söhne‘, ‚Schwester Richmute‘ und ‚Staging Democracy‘ zeigt sich ein wahrhaft künstlerischer Geist, der sich nur entfalten kann, wo Vertrauen herrscht. So entsteht Neues und nur so entsteht Kunst.“

Das Bürgertheater ist ein Erfolgsmodell

Schulze-Kraft ist sehr glücklich darüber, dass das Projekt „Staging Democracy“ ausdrücklich erwähnt wird. Dahinter verbirgt sich ein sogenanntes „Bürgertheater“, das im Lichthof in dieser Spielzeit unter Mitwirkung normaler Bürger ohne Theatererfahrung entwickelt und Mitte Juni präsentiert wurde. „Mit dieser Bürgerbühne wollen wir weitermachen. Doch dafür brauchen wir mehr Raum und mehr Geld“, so Schulze-Kraft. Seit einiger Zeit sucht das Lichthof nach größeren Räumen. Doch diese Suche gestaltet sich schwierig.

Gegründet wurde die „theaterwerkstatt Lichthof“ im Jahr 1994 von einer Gruppe engagierter Theaterliebhaber. Sehr schnell wurde der Standort in der Alten Dosenfabrik an der Stresemann­straße zu klein und die Bühne zog in größere Räumlichkeiten an der Mendelssohnstraße um. Bis zu 120 Zuschauer finden heute in dem flexiblen Theaterraum Platz. In der Vergangenheit ist das Lichthof Theater immer wieder mit Preisen für seine innovative Arbeit ausgezeichnet worden. 2008 erhielt es den Pegasus-Preis als bestes Privattheater, insgesamt fünfmal gewannen Produktionen den Rolf-Mares-Preis. Zuletzt gab es die Auszeichnung 2016 für Clara Weydes herausragende Inszenierung von B. Travens „Totenschiff“. Bis zu 14 Premieren pro Spielzeit und eine Reihe von Gastspielen bietet das Lichthof Theater seinem Publikum. Ein gemeinnütziger Verein betreibt die Räumlichkeiten, die Lichthof Stiftung unterstützt die künstlerische Arbeit.

Kein Etat für Eigenproduktionen

Ein ausreichender Etat ist für die engagierte Bühne schon länger ein Problem. „Unsere Förderung durch die Stadt ist von 170.000 auf 240.000 Euro erhöht worden. Nur deshalb können wir den Betrieb überhaupt aufrechterhalten“, sagt Schulze-Kraft. Jahrelang ist die Lichthof Stiftung mit jährlich 60.000 Euro eingesprungen, um Gehälter und Miete mitzufinanzieren. „Was uns immer noch fehlt, ist ein Etat, mit denen wir Eigenproduktionen realisieren können.“ Das Geld aus dem Kisseler-Preis wird da helfen.

Schulze-Kraft macht deutlich, dass sein Theater in der Stadt eine andere Funktion hat als die meisten Privattheater: „Wir zeigen Programme, die gesellschaftlich relevant sind, oft experimentellen Charakter haben und die den Theater-Nachwuchs fördern. Wir sind die wichtigste Spielstätte einer vielfältigen und wachsenden freien Szene, die jedoch heillos unterfinanziert ist.“

Brosda lobt Entscheidung für Lichthof Theater

Zu Beginn der neuen Spielzeit werden sich Schulze-Kraft und die Lichthof-Geschäftsführerin Sarah Theilacker mit Kultursenator Carsten Brosda treffen, um die Situation der Bühne zu besprechen. Brosda kommentiert den Gewinn des Kisseler-Preises so: „Ich freue mich sehr über die gute Entscheidung, und ich bin mir sicher, dass das auch Barbara Kisseler sehr gefallen hätte. Das Lichthof Theater nimmt sich aktueller Themen aus Gesellschaft und Politik mit großem Engagement, Kompetenz und Mut an.“

Auch Stifterin Henrike Reemtsma äußert sich wohlwollend über die Juroren-Entscheidung: „Wir freuen uns über die Auszeichnung dieses unkonventionellen, herausfordernden Privattheaters. Der Barbara Kisseler Theaterpreis entwickelt sich zu einem wichtigen Preis jenseits eingeübter Förderpraxis. Wir hoffen und glauben, dass dies ganz im Sinne der verehrten Namensträgerin geschieht.“