Kultur in Hamburg

312.000 Euro für das Hamburger Theaterschiff

Heiko Schlesselmann (hinten Mitte), Geschäftsführer des Theaterschiffs, sieht mit seinen Ensemble-Mitgliedern
Land für die Privatbühne in Sicht

Heiko Schlesselmann (hinten Mitte), Geschäftsführer des Theaterschiffs, sieht mit seinen Ensemble-Mitgliedern Land für die Privatbühne in Sicht

Foto: Klaus Bodig / HA

Die Hamburger Kultur-Institution soll laut Antrag von SPD und Grünen Geld aus dem Sanierungsfonds 2020 erhalten.

Hamburg.  Im Leben und im Bühnenleben gibt es gute und schlechte Zeiten, Hochs und Tiefs. Im Fall des Theaterschiffs lässt sich das auch an den Gezeiten festmachen: Der Weg hinab zum Wasser kann bei Ebbe recht beschwerlich sein. Folgt man dann an der Adresse Holzbrücke 2 der Steintreppe ins Nikolaifleet, ist die Brücke zu den Pontons noch wackeliger, weil steiler als sonst. „Das Schiff“ aber hat dort seinen festen Platz, seit 42 Jahren.

Das Programm

Aber wie lange noch? Das fragte sich auch Heiko Schlesselmann. Der gelernte Hotelkaufmann führt seit 2012 als Nachfolger seiner gestorbenen ­Eltern Anke und Gerd Schlesselmann in dritter Generation die Geschäfte der Hamburger Kultur-Institution. Mit ­Michael Frowin, seit zehn Jahren Künstlerischer Leiter, ist er fürs Programm verantwortlich. 1975 hatte Schiffs-Gründer Eberhard „Möbi“ Möbius das für 90.000 D-Mark umgebaute Küsten­motorschff „Rita Funck“ mit Ehefrau Christa als Kleinkunstbühne im Fleet und bis zum Jahr 2000 als Leiter im Hamburger Kulturleben fest verankert. Doch weil das in den Niederlanden als Stahlsegelschiff vom Stapel gelaufene Boot schon 105 Jahre alt ist, nagt der Zahn der Zeit am Theaterschiff.

Besondere Maßnahmen nötig

Und so entdeckten Schlesselmann und Frowin den sogenannten Sanierungsfonds 2020 als möglichen Rettungsanker. Sie bewarben sich und stießen bei den Kulturpolitikern der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen auf offene Ohren. Über deren gemeinsamen Antrag, der dem Abendblatt vorliegt (Drucksache 21/11070), wird bereits am morgigen Mittwoch in der Bürgerschaft abgestimmt.

Die Instandsetzungssumme für „Das Schiff“ soll 312.000 Euro betragen. René Gögge, kulturpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, begründet den Antrag so: „Der Erhalt dieser besonderen Spielstätte fordert auch besondere Maßnahmen, wie im Bereich der Schwimm- und Seetauglichkeit. Wir stärken hiermit erneut eine bedeutende Stätte der Hamburger Kulturszene.“ Und Isabella Vértes-Schütter, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sagt: „Wunderschön gelegen im Nikolaifleet mit seinen historischen Bürger- und Kontorhäusern, bietet ,Das Schiff‘ seinem Publikum ein facettenreiches Programm, das vom politischen Kabarett bis hin zum Kindertheater reicht. Das Theaterschiff ist ein fester Anker in der Hamburger Kulturszene und eine ganz besondere Spielstätte.“

Auslastungszahlen sind gestiegen

Zwar bekommt „Das Schiff“ (ca. 240 Vorstellungen pro Jahr) in dieser Spielzeit 55.000 Euro aus dem Privattheater-Fördertopf der Kulturbehörde. Jedoch reiche das nur, „um keine roten Zahlen zu schreiben, langt aber nicht, um Sanierungsmaßnahmen durchzuführen“, sagt Schlesselmann. Frowin ergänzt: „Es geht um die Instandhaltung des Schiffs-Trios (Theater-, Garderoben- und ­Lagerschiff) und der Pontonanlage, um den Spielbetrieb auf Dauer erhalten zu können. Im Gegensatz zu anderen Spielstätten nagt am Theaterschiff täglich das Wasser.“

Die Auslastungszahlen für das 120 Plätze zählende Unterdeck, die nach Möbius’ Ausscheiden zeitweise auf unter 30 Prozent gesunken waren, sind seit 2007 wieder gestiegen. Sie liegen zurzeit bei stabilen 64 Prozent – für eine kleine Privatbühne überlebensnotwendig. „Von Werftaufenthalt zu Werftaufenthalt wird der Sanierungsbedarf größer und teurer, teilweise ist es nur Flickschusterei, da wir nicht das Geld für eine Generalüberholung ­haben“, erklärt Heiko Schlesselmann das Grundproblem.

Bodenbelag von 1975

Dabei ist „Das Schiff“ noch immer Europas einziges hochseetaugliches Schiffstheater. Unter Kapitän „Möbi“ legte es öfter zur Kieler Woche ab; im Sommer 2015, kurz vor dem 40. Jubiläum, fuhr die aktuelle Crew zum bisher letzten Mal über die Elbe zu Gastspielen nach Stade und Buxtehude. Es ist mithin ein Kultur-Botschafter der Stadt Hamburg. Im Nikolaifleet, so schätzt Schlesselmann, werde „Das Schiff“ auch zu gut einem Drittel von Touristen besucht. Und es war Vorbild für andere Theaterschiffe, etwa in Lübeck, Bremen oder Dresden.

Schlesselmann hofft, dass die Bürgerschaft dem Antrag von Rot-Grün zustimmt. Die geplanten Maßnahmen müssten noch vom Bezirk Hamburg-Mitte geprüft werden, das Geld soll dann im Sommer 2018 für Werftaufenthalte genutzt werden. Auf dem Schiff sind manche Dinge wie der Stahl rund um das Führerhäuschen oder die Treppe innen seit 1975 nicht erneuert worden. Und auf den Pontons liegt noch der Bodenbelag von 1975, jetzt teilweise uneben und rissig.

Schiff ist wie ein alter Mann

Eberhard Möbius sieht sein Lebenswerk jetzt in einem guten Fahrwasser. „Das ist die Rettung auf die Zukunft. Mit solch einem Schiff ist es wie mit einem alten Mann: Es braucht viel Zuspruch und Pflege“, sagt der 91-Jährige und schmunzelt. Aus dem Sanierungsfonds kann dann auch eine tideunabhängige lange Gangway die bisherige Treppe ­ersetzen, um älteren und gehbehinderten Menschen den Zugang zum Schiff zu erleichtern. Auch dem Theatergänger „Möbi“, Ehrenmitglied des Schiffs-Freundeskreises, der sich auf seine alten Tage stets als „Admiral der norddeutschen Rollator-Flotte“ ankündigt.