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Rolf Zuckowski: Warum ich mich um meine Lieder sorge

Rolf Zuckowski ist ein deutscher Musiker, Komponist, Musikproduzent und Autor von Kinderliedern

Rolf Zuckowski ist ein deutscher Musiker, Komponist, Musikproduzent und Autor von Kinderliedern

Foto: Andreas Laible

Der Musiker und Komponist zahlreicher Kinderlieder über mögliche Folgen „gendergerechter“ Sprache.

Hamburg. Das Bemühen und die Diskussionen um eine „gendergerechte“ Sprache ziehen weite Kreise. Das Fragezeichen, ob eine „gendergerechte“ Sprache konsequent umsetzbar ist, fordert auch mich ­heraus, nicht zuletzt als Autor von Kinderliedern. So habe ich mich seit Längerem mit der Möglichkeit einer „gendergerechten“ Überarbeitung meiner Lieder ­beschäftigt und bin dabei auf unüberwindbare Hindernisse gestoßen. Es will mir einfach nicht gelingen, die Singbarkeit bei einer solchen Umarbeitung zu gewährleisten. Was soll nun geschehen? Werden die Lieder bald als „nicht mehr zeitgemäß“ ins Abseits gedrängt, oder gar auf einen „Gender-Index“ gesetzt?

Ein Beispiel ist mein beliebtes ­Geburtstagslied „Wie schön, dass du ­geboren bist“. Da heißt es im Originaltext: „Heut ist dein Geburtstag, darum feiern wir, alle deine Freunde freuen sich mit dir.“ „Gendergerecht“ müsste es wohl heißen: „… alle deine Freundinnen und Freunde freuen sich mit dir.“

Stolpersteine durch Genderdebatte

Der Schrägstrich oder die Sternchenschreibweise (Freund/Innen oder Freund*Innen) kommen mangels Sprech- und Singbarkeit als „gender­gerechte“ Version sicher nicht infrage. Aber auch die Doppelnennung „Freundinnen und Freunde“ brächte einen unüberwindlichen Stolperstein in das Lied.

Ein weiteres, durchaus brisantes, Beispiel ist mein bei Schulfesten sehr beliebtes Lied „Unsre Schule hat keine Segel“. Da heißt es gleich in der ersten Strophe: „Schüler, Lehrer, Elternrat, heute gibt es kein Dikat …“

Vielleicht wäre „Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen, Lehrer, Elternrat …“ „gendergerechter“. Aber was ist dann mit der Singbarkeit und dem Spaß an diesem Lied? An dieser Stelle wird die Sache durchaus ernst: In Reden und Ansprachen werden immer öfter ganz bewusst nur noch die „Schülerinnen und Schüler“ angesprochen, ebenso in allen möglichen schulischen Druck­sachen und Lehrwerken. Wenn sich ­dadurch die Mädchen zunehmend nicht mehr angesprochen fühlen, wenn von „Schülern“ gesprochen wird, kann ich mein Lied wohl bald ins Gender-Museum bringen. Der Gedanke daran stimmt mich recht traurig.

Kinder-Europa-Hymne wäre hinfällig

Nicht weniger traurig wäre es bei meiner Kinder-Europa-Hymne, die in den letzten 20 Jahren viele grenzüberschreitende Begegnungen geprägt und Europa-Bewusstsein in die Kinderwelt gebracht hat. Da heißt es: „Kleine Europäer rücken immer näher, immer näher aufeinander zu, wie ich und du.“

Die Variante „Kleine Europäerinnen und Europäer rücken immer ­näher …“ würde dem Lied musikalisch wohl das Genick brechen. Schade um den europäischen Gedanken aus Kindersicht. Haben die Polinnen und Polen, die Tschechinnen und Tschechen, die Italienerinnen und Italiener, die Griechinnen und Griechen, die Holländerinnen und Holländer, die Däninnen und Dänen, Schwedinnen und Schweden, Norwegerinnen und Norweger und viele andere Nationen wohl ähnliche Probleme?

Die Franzosen jedenfalls nun nicht mehr, denn der französische Staatspräsident Macron hat, angestoßen von der Académie française, am 29. November in Ämtern und Behörden die „erzwungene geschlechtergerechte“ Sprache verboten. Er meinte dazu: „Verständlichkeit und Klarheit der Sprache müssen zukünftig Vorrang haben.“ Ich finde das ganz schön spannend.

Verbote bringen uns nicht weiter

Leider gibt es in Deutschland keine vergleichbare Einrichtung mit der Kompetenz und Autorität der Académie française. Ein adäquates Gremium könnte sicher dazu beitragen, den Sprachfrieden in unserem Land zu fördern. Verbote werden uns kaum weiterbringen, es müsste eher um gut bedachte Übereinkünfte gehen.

Man sollte es meines Erachtens am besten dem ­Zuständigkeitsbereich des (ja auch für unsere Nationalhymne und die Nationalflagge zuständigen) Bundespräsidenten zuordnen – in enger Abstimmung mit Österreich und der Schweiz. Unter einem neuen Sprachfrieden hätten meine Lieder dann vielleicht ja auch wieder eine bessere Zukunftsperspektive und es könnten neue Lieder entstehen, die mit wachem Verstand für das gesellschaftliche Miteinander, auch der Geschlechter, aber unverkrampft und aus frischem Herzen geschrieben werden.