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Abendblatt-Test: Veganes Chili von Frosta

Produktmanagerin Maren Ude, die Erfinderin des Chili con Quinoa, und Frosta-Vorstandsmitglöied Hinnerk Ehlers im Hamburger Büro des Unternehmens

Produktmanagerin Maren Ude, die Erfinderin des Chili con Quinoa, und Frosta-Vorstandsmitglöied Hinnerk Ehlers im Hamburger Büro des Unternehmens

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Firmen der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Tiefkühlgericht mit Quinoa statt Hackfleisch.

Hamburg.  Mit Superlativen ist es so eine Sache: Welches ist die nachhaltigste Marke in Deutschland? Messen lässt sich das zwar nicht, aber nach Ansicht von Fachleuten ist es der Tiefkühlkosthersteller Frosta. Als vor Kurzem der Deutsche Nachhaltigkeitspreis zum zehnten Mal vergeben wurde, zeichnete das Publikum einen der bisherigen Preisträger mit einem Sonderpreis aus – für den Nachhaltigsten der Nachhaltigen.

Er ging an die Frosta AG. Deren Hauptaktionär ist die Hamburger Familie Ahlers, der Vorstand lenkt die Geschicke des Konzerns und der Marke ganz wesentlich von einem Büro im Gewerbehof an der Mendelssohnstraße in Bahrenfeld aus. Und dort entstand auch die Idee für ein Produkt, das seit einem Dreivierteljahr auf dem Markt ist: Chili con Quinoa. Dazu später mehr.

Unternehmen konnte Gewinn deutlich steigern

Derzeit ist das Management ziemlich erfolgreich: Anfang Januar teilte die Frosta AG mit, dass sie 2017 nach vorläufigen Zahlen einen operativen Gewinn von etwa 34,3 Millionen Euro erzielt hat. Es ist ein Jahresergebnis, dass mehr als zehn Prozent höher ist als im Vorjahr – und deshalb von der Aktiengesellschaft umgehend mitgeteilt werden musste. „Frosta ist seit einigen Jahren eine der am stärksten wachsenden Lebensmittelmarken in Deutschland“, sagt Marketing- und Vertriebsvorstand Hinnerk Ehlers.

Zuletzt machte das mittelständische Unternehmen, das neben eigenen Markenprodukten für Endverbraucher auch Großpackungen für die Gastronomie und für Handelsketten Eigenmarkenprodukte nach deren Rezepten herstellt, mit gut 1650 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 466 Millionen Euro (2016). Die Erlöse steigen seit Jahren. Dazu trägt die Expansion in Staaten wie Tschechien, Ungarn, Rumänien und Russland bei. In Polen ist das Unternehmen schon seit den 1990er-Jahren präsent, derzeit ist Ehlers viel in Italien unterwegs. Dort hat Frosta eine Gemüsemarke gekauft.

Frosta war tief in die roten Zahlen gerutscht

Einen wichtigen Grundstein für das Wachstum hatte das Unternehmen bereits Anfang der 2000er-Jahre gelegt – und wäre darüber fast pleitegegangen. Innerhalb kurzer Zeit verbannte Frosta damals alle Konservierungs- und Farbstoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker, gehärtete Fette und modifizierte Stärken aus seinen eigenen Produkten. Ersetzt wurden sie durch höherwertige, geschmacksintensivere, aber auch teurere Zutaten.

Die Frosta-Kunden jedoch wollten 30 bis 60 Cent mehr pro Packung nicht zahlen. Und weil das Unternehmen sich auch noch von fast allen Fischprodukten, mit denen es groß geworden war, verabschiedete, weil es nicht genug Filets aus zertifiziertem Fang beschaffen konnte, brach der Umsatz um 30 Prozent ein. Frosta rutschte tief in die roten Zahlen. Es sei sein „größter Fehler“ gewesen, damals zu sehr auf die Marktforscher gehört zu haben, sagte der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Dirk Ahlers erst vor wenigen Wochen einem Wirtschaftsmagazin.

Er kehrte an die Spitze der Firma zurück und brachte sie wieder auf Kurs. Das 2003 verkündete Frosta-Reinheitsgebot allerdings hatte Bestand. Seit 2010 ist Ahlers-Sohn Felix Vorstandschef und zu den Unternehmensgrundsätzen zählen auch soziales Engagement und Transparenz.

Mehr als 100 Tiefkühlprodukte – Kräuter, Obst, Gemüse, Pfannengerichte, inzwischen auch wieder Fischstäbchen und -gerichte – gehören zum Sortiment. Auf den Verpackungen stehen nicht nur Zutatenlisten mit ausführlichen Zusatzinformationen, sondern seit einigen Jahren auch das Herkunftsland jeder Zutat. Frosta etwa importiert Quinoa aus Peru.

Getreide statt Hackfleisch – Idee aus Hamburg

Die Samen der Quinoa-Pflanze gaben einem der neuen Pfannengerichte aus dem Stammwerk in Bremerhaven den Namen, die das Unternehmen 2017 auf den Markt brachte: Chili con Quinoa. Die Idee, statt Hackfleisch wie im klassischen Chili con Carne einfach Quinoa beizumischen, wurde in Hamburg geboren. „Ich ernähre mich seit 20 Jahren vegetarisch und koche auch mit Quinoa“, sagt Produktmanagerin Maren Ude.

Ursprünglich hatte die Marketingabteilung 16 neue Rezeptideen. Nach mehreren Monaten Entwicklungsarbeit und ausführlichen Tests kamen drei auf den Markt: Couscous mit Cranberries, Süßkartoffelpfanne; das vegane Chili ist das erste auf dem deutschen Markt.

„Für ein Neuprodukt läuft es sehr gut, aber natürlich sind wird mit ihm noch nicht da, wo wir hinwollen“, sagt Vorstand Ehlers. Neue Produkte sind für das Unternehmen der wichtigste Wachstumstreiber. Und bei Pfannengerichten hat Frosta etwas zu verteidigen. „Mit fast 25 Prozent Anteil sind wir Marktführer unter den Markenherstellern in Deutschland“, sagt Ehlers.

Noch nachhaltiger soll es auch werden: Ab 2018 will das Unternehmen kein Palmöl mehr verwenden. Der Umsatz mit veganen und vegetarischen Produkten soll von 30 auf 40 Prozent steigen, ein eigener Tierwohl-Standard entwickelt werden. Die Ver­packungen sollen umweltverträglicher sein, die Plastikquote geringer. Die Hälfte der Frosta-Produkte sollen in Papier und Pappe stecken. Das hört sich preiswürdig an.

Der Abendblatt-Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie