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Abendblatt-Test: Tee aus blauen Blüten

Kai Lembke (l.) und Thorsten Stick der Hamburger Teefirma Stick & Lembke stehen im Probenzimmer. Hier entwickeln sie neue Teesorten

Kai Lembke (l.) und Thorsten Stick der Hamburger Teefirma Stick & Lembke stehen im Probenzimmer. Hier entwickeln sie neue Teesorten

Foto: Klaus Bodig / HA

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Biokräutertees von Stick & Lembke.

Hamburg. Am Anfang war die Farbe. Ein Freund hatte die Blüten der Blauen Klitorien aus Thailand mitgebracht. Und Thorsten Stick und Kai Lembke machten das, was sie immer machen: erst einmal einen Tee. „Als ich den Aufguss in der Tasse gesehen habe, dachte ich: Das schmeckt bestimmt nicht“, erinnert sich Lembke. Er ist bei der Hamburger Teefirma der Experte für Einkauf, Marketing, Qualitätsmanagement – und für den Geschmack. Aber nach dem ersten Schluck war der 51-Jährige von der leichten Note nach Zimt und Anis begeistert. Es dauerte dann noch einige Monate, bis die Rezeptur für die neue Teekreation stand. Außer den Namen gebenden blauen Blüten und dem gerade sehr beliebten Moringa, das aus dem Meerrettichbaum gewonnen wird, enthält sie acht weitere Kräuter und Gewürze. „In Bioqualität, ohne Aromen und Zusatzstoffe“, sagt Thorsten Stick.

„Die mit ohne“ – unter diesem Slogan haben Stick & Lembke inzwischen 30 unterschiedliche Teesorten auf dem Markt. Jüngste Innovation ist eine Produktreihe, die sie Superkräuter-Tees nennen. Es gibt fünf Geschmacksrichtungen, außer Blauer Blüte & Moringa sind das die Varianten Kurkuma & Ingwer, Melisse & Baldrian, Mate & Guarana und Frauenkräuter. „Wir suchen die Kombination aus Wirkung und Geschmack“, sagt Kai Lembke. Dabei greifen die Gründer auch Trends auf. So setzen sie das Nahrungsergänzungsmittel Moringa ein, dem eine entgiftende Wirkung zugeschrieben wird. Oder das entzündungshemmende Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, das die Gründer mit Ingwer, Kakaoschalen, Pfeffer und Zitronengras­ zu einem Tee mischen.

„Entwicklung macht am meisten Spaß“

„Die Entwicklung macht am meisten Spaß“, sagt Lembke. Jetzt steht er neben Kompagnon Thorsten Stick im Probenzimmer am Firmensitz auf dem Kleinen Grasbrook, das sich die Tee-macher mit dem Rohstoffhändler Dried Ingredients teilen. Der Name ist Programm, auf langen Regalen stehen Hunderte Dosen mit Teemischungen und einzelnen Zutaten. Es riecht, ja wie eigentlich? Vor allem intensiv. Nach Tee, aber auch nach Minze und Zimt, nach Zitronenschalen und Ingwer. In Gläsern stehen Teeproben: rot, orange und milchig-weiß.

„Es braucht manchmal 100 Muster, bis wir eine neue Mischung haben“, sagt der Tee-Experte. Mischen, aufgießen, verkosten. Ein Gramm mehr von der einen Zutat, ein paar weniger von einer anderen. Rund soll der Geschmack sein, harmonisch. „Und dann prüfen wir Verfügbarkeit und Rechtslage“, sagt Stick, der für Vertrieb und Finanzen zuständig ist. Etwa ein Jahr dauert es, bis ein neues Produkt Marktreife hat. Gemischt werden die Tees bei Dried Ingredients, abgefüllt und verpackt bei weiteren Partnerbetrieben.

Knapp unter der zweistelligen Millionengrenze

Vor sieben Jahren haben Stick & Lembke beschlossen, sich selbstständig zu machen. Bei einer Wanderung an der Ostseeküste, 2011 war es so weit. Die Hamburger, beide Familienväter mit langer Erfahrung im Teegeschäft, kündigten ihre Jobs in großen Unternehmen, kratzten ihr Geld zusammen und gründeten ihre eigene Teefirma. „Wir haben eine Nische bei Tee ohne Zusätze gesehen“, sagt Thorsten Stick. Los ging es mit 17 Teesorten, im Premiumbereich in handgenähten Teebeuteln oder Pyramidenbeuteln – und immer ohne Aromen und Zusätze.

„Der Anfang war nicht leicht“, sagt der Außenhandelskaufmann. Die Konkurrenz auf dem Teemarkt mit alteingesessenen Anbietern wie Meßmer oder Teekanne ist groß. Zugleich haben sich in den vergangenen Jahren auch innovative Teemarken wie Pukka oder Cupper im deutschen Handel etabliert. Und der Platz in den Regalen der Supermärkte ist begrenzt. „Es hat drei Jahre gedauert, bis wir uns das frühere Gehalt zahlen konnten“, sagt Kai Lembke. Inzwischen liegt der Jahresumsatz knapp unter der zweistelligen Millionengrenze, Tendenz steigend. Zum Team von Stick & Lembke gehören insgesamt elf Mitarbeiter. „Die Nische, die wir vermutet haben, hat sich als größer herausgestellt als gedacht“, sagt Thorsten Stick.

Auf der Suche nach interessanten Zutaten

Allerdings muss die kleine Firma innovativer und schneller sein als Mitwettbewerber. Die Folge: Die Chefs sind immer auf der Suche nach interessanten Zutaten. Es gibt eine Produktreihe mit ayurvedischen Tees mit Kombinationen wie Rosmarin & Fenchel oder Zimt, Kardamom & Wacholder. Auch aus Spinat, Rote Bete oder Tomaten machen die Hamburger Tee. „Wenn es die eigene Firma ist, kann man ausprobieren“, sagt Stick und lacht. Die Superkräuter-Tees verkaufen sich gut. Jetzt könnte es ein anderes Problem geben. Die blauen Blüten sind nur begrenzt verfügbar.

Der Abendblatt-Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie