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Abendblatt-Test: Die höchsten Zinsen sichern

Mit Sparschwein hoch über den Dächern St. Paulis: die Deposit-Solutions-Geschäftsführer Tim Sievers (l.) und Christian Tiessen, die Zinspilot betreiben

Mit Sparschwein hoch über den Dächern St. Paulis: die Deposit-Solutions-Geschäftsführer Tim Sievers (l.) und Christian Tiessen, die Zinspilot betreiben

Foto: Andreas Laible / HA

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Heute: das Anlageportal Zinspilot.

Hamburg.  Es ist zwar nicht so anschaulich wie ein Sparbuch, aber in diese Richtung geht es. Bei der Hamburger Internetplattform Zinspilot kann man aus knapp 70 Tages- und Festgeldangeboten von Banken aus neun Ländern, darunter auch Deutschland, wählen – ohne immer wieder ein neues Konto eröffnen zu müssen. Es ist eine Art Supermarkt für Sparer im Internet.

Das Besondere der Zinsofferten: Die Konditionen liegen meist deutlich über den Durchschnittswerten der deutschen Banken. Bei ihnen wird Festgeld im Schnitt nur noch mit 0,04 Prozent verzinst. Für ein zweijähriges Festgeld gibt es durchschnittlich 0,23 Prozent. Bei Zinspilot erhält der Sparer für ein Tagesgeld bis zu 0,80 Prozent und für ein zweijähriges Festgeld bis zu 1,28 Prozent Zinsen. Eine Mindestanlage gibt es in der Regel nicht.

Tages- und Festgeldanlage vereinfacht

„Wir haben die Tages- und Festgeldanlage für die Privatkunden vereinfacht“, sagt Tim Sievers, Geschäftsführer und Gründer der Hamburger Firma Deposit Solutions, die die Plattform Zinspilot betreibt. „Mit nur einem Konto können die Sparer mit unserer Technologie die Angebote vieler Banken nutzen, ohne sich immer wieder neu anzumelden und identifizieren zu müssen.“ Inzwischen haben das bereits 90.000 Kunden getan und rund vier Milliarden Euro über Zinspilot angelegt.

Sievers jüngstes Produkt kommt aus Hamburg. Die HSH Nordbank, die sich noch 2013 von ihren Privatkunden getrennt hatte, nimmt jetzt wieder gern das Geld dieser Anleger. Neben verschiedenen Festgeldanlagen mit Zinsen bis zu 0,95 Prozent für ein Jahr Anlagezeitraum bietet die Bank jetzt auch Tagesgeld über Zinspilot an. Der Zinssatz von 0,80 Prozent gehört mit zu den höchsten Konditionen in diesem Segment. Die vor dem Verkauf stehende HSH Nordbank, die zu über 80 Prozent den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört und durch die Finanzkrise in Schieflage geriet, mag zwar nicht jeden Sparer überzeugen, aber selbst die Stiftung Warentest hält die Anlage für unbedenklich.

Vermittler kommt mit Geld nicht in Kontakt

„Auch nach einem Verkauf an private Finanzinvestoren ist Erspartes noch für zwei Jahre in unbegrenzter Höhe über die Sparkassenfinanzgruppe abgesichert“, sagt Ariane Lauenburg, Anlageexpertin der Stiftung Warentest. Grundsätzlich sind alle Anlagen bei Zinspilot bis 100.000 Euro pro Anleger abgesichert. Mehr Geld kann pro Bank auch nicht angelegt werden. Die Einlagensicherung in der EU ist zwar einheitlich geregelt, nur müssen dafür die jeweiligen nationalen Sicherungssysteme einstehen.

Wer die Festgeld- und Tagesgeld­angebote von Zinspilot nutzen möchte, muss sich auf der Seite des Vermittlungsportals anmelden. Damit verbunden ist ein Kontoeröffnungsantrag bei der Hamburger Sutor Bank (siehe Test). Sie fungiert als eine Art Depotbank und Treuhänder. Das Kreditinstitut leitet das Geld der Kunden an die vom Kunden ausgewählte Bank weiter. Der Kunde bestimmt ein Referenzkonto, zum Beispiel sein Girokonto, auf dem das Geld nach der Fälligkeit zusammen mit den Zinsen auch wieder landet. Das Vermittlungsportal kommt mit dem Geld der Anleger nicht in Kontakt. Ob Tages- oder Festgeld: Die Gelder werden stets nur zum 1. und zum 15. eines Monats an die Anlagebanken überwiesen.

Sutor Bank erstellt auch Steuerbescheinigung

Die Sutor Bank erstellt auch eine Steuerbescheinigung über die Zinserträge und führt die Abgeltungsteuer ab, wenn der Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist. Einige Länder wie Rumänien behalten von den Zinsen eine Quellensteuer ein. Das kann man aber durch eine „Ansässigkeitsbescheinigung“ verhindern.

Die Idee zu dem Portal kam Sievers, als er attraktive Fest- und Tagesgelder nutzen wollte. „Doch jedes Mal war ein Kontowechsel mit viel Dokumentenarbeit nötig“, so der promovierte Volkswirt. Gleichzeitig stellte er fest: „Es gab Banken, die Einlagen benötigten, aber keinen Zugang zu Kunden hatten. Andererseits gab es Banken, die mit Spargeldern ihrer Kunden überschüttet wurden, obwohl sie sie nicht benötigen.“

Andere Institute nutzen die Plattform

Deshalb bietet er sein Produkt auch Banken an, die selbst keine attraktiven Zinsen zahlen, aber ihren Kunden Alternativen bieten wollen – wie der Deutschen Bank. Sie hat jetzt einen Zinsmarkt eröffnet, mit dem für die Kunden Anlagen bei anderen Instituten möglich sind. „Auch einige Genossenschaftsbanken nutzen unsere Plattform bereits, ebenso das Vergleichsportal Check24“, sagt Sievers. Zinspilot bekommt für die vermittelten Kundengelder Provisionen von den Banken.

Inzwischen hat Zinspilot den Konkurrenten Savedo aus Berlin übernommen. Auch diese Plattform vermittelt Tages- und Festgeldangebote. „Wir arbeiten daran, dass in diesem Jahr die Angebote beider Portale für Kunden von Zinspilot und Savedo verfügbar sind, ohne dass sie sich zusätzlich bei dem anderen Portal noch anmelden müssen“, sagt Christian Tiessen, Geschäftsführer bei Deposit Solutions. Er hatte Savedo gegründet. Dann sind für die Kunden von Zinspilot die Angebote von weiteren 13 Banken aus zehn Ländern verfügbar. „Savedo bleibt bestehen und wird für die internationale Expansion genutzt“, sagt Tiessen. Der Markt für Spar- und Termingelder in Europa wird auf zehn Billionen Euro geschätzt.

Der Abendblatt-Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie