"Phantom der Oper"

Verwirrung um Musical: Mehr!Theater wehrt sich

Ann Jennings (v.l.n.r.), Axel Olzinger, Deborah Sasson und Jochen Sautter bei einem Gastspiel der Neuinszenierung des Musicals "Das Phantom der Oper" im Februar 2017 in München

Ann Jennings (v.l.n.r.), Axel Olzinger, Deborah Sasson und Jochen Sautter bei einem Gastspiel der Neuinszenierung des Musicals "Das Phantom der Oper" im Februar 2017 in München

Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

Schon Wochen vor der Aufführung von „Phantom der Oper“ in Hamburg ist die Empörung groß. Musical-Fans fürchten Täuschung.

Hamburg. „Auf die Plakate sollte man einen Fakehinweis kleben“. „Nur eine billige Imitation“. „Eine bodenlose Frechheit“. „Man kann nur hoffen, dass möglichst viele zu Hause bleiben“. Bereits sieben Wochen vor der Aufführung des Musicals „Phantom der Oper“ am 1. Februar im Hamburger Mehr! Theater schlagen die Wogen hoch. Auf Facebook hagelt es schon jetzt herbe Kritik für die Inszenierung, die auf dem Romanbestseller von Gaston Leroux basiert.

Grund für die Empörung: Bei dem Musical, das derzeit durch Europa tourt und das auch im Hamburger Abendblatt angekündigt worden ist, handelt es sich um eine Version des Autoren-Teams Deborah Sasson und Jochen Sautter und nicht um das Original von Sir Andrew Lloyd Webber und Richard Stilgoe. Doch Musical-Fans befürchten, dass viele Käufer davon ausgehen, auf der Bühne erwarte sie die Originalfassung – sie wittern Betrug.

Mehr!Theater hat bereits böse E-Mail erhalten

Durch Wörter wie „das Original“ könnte bei normalen Verbrauchern der Eindruck entstehen, es handele sich um die bekannte Produktion, schreibt ein Mitglied der Facebook-Gruppe „Forum für enttäuschte Besucher der sogenannten ‘Les Misérables’ Tour“ (fast 800 Mitglieder) – diese hatte sich Anfang Januar gegründet, nachdem sich viele Zuschauer des Musicals „Les Misérables“ von dem Kieler Veranstalter Highlight Concerts getäuscht gefühlt hatten. Auch hier hatten zahlreiche Besucher die Original-Version anstatt einer Neuinszenierung erwartet. Einige verärgerte Besucher zogen sogar vor Gericht – eine Klage auf Rückerstattung der Ticketpreise vor dem Amtsgericht Kiel war bereits erfolgreich.

Nun richtet sich ihr Ärger gegen „Das Phantom der Oper“ mit der Sängerin und Echo-Klassik-Preisträgerin Deborah Sasson. Auch das Mehr!Theater hat bereits eine böse E-Mail erhalten. „Nach dem äußerst unerfreulichen Erlebnis mit dem betrügerischen Musical ‘Les Misérables’ Anfang dieses Jahres bieten Sie erneut einen Betrug aus dem Hause desselben Veranstalters ein Dach überm Kopf: das ‘Phantom der Oper’ mit dem ‘Weltstar’ Deborah Sasson ist wieder nur eine billige Imitation, welche auf der Welle des Erfolgs des Originals Geld von nichtsahnenden Käufern abgreifen will“, heißt es in der Nachricht.

Theater weist deutlich auf die Neuinszenierung hin

Doch das Mehr!Theater wehrt sich gegen die Kritik. Zum einen stimmt es nicht, dass Highlight Concerts wie bei "Les Misérables" der Veranstalter vom „Phantom der Oper“ ist. Highlight Concerts aus Kiel präsentiert die Inszenierung zwar in diversen anderen Städten, jedoch nicht in Hamburg. Hier sind Neumann-Wolff Media und Vertrieb UG Veranstalter, der seinen Sitz offenbar auf Sylt hat. Von der Zusammenarbeit mit Highlight Concerts habe man gelernt, sagt Thomas Mehlbeer, Sprecher des Mehr!Theaters, dem Abendblatt.

„Sobald solche Produktionen bei uns reinkommen, gehen wir da sehr offensiv mit um“, so Mehlbeer. „Wir sagen: Achtung, es ist eine Neuinszenierung. Es ist die gleiche Geschichte, aber andere Musik und andere Texte." Das macht das Mehr! Theater auch auf seiner Homepage deutlich, auf der es „Das Phantom der Oper“ anpreist: Über der Musicalbeschreibung steht in großen roten Buchstaben: "Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich um eine Neuinszenierung und nicht die Andrew Lloyd Webber Produktion handelt. Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an den Veranstalter.“ Ein Hinweis, der unübersehbar ist.

Jedoch hat die Spielstätte keinen Einfluss darauf, wie der Veranstalter für die Inszenierung wirbt. „Wir haben kein Mitspracherecht, wir sind lediglich das Mietshaus“, räumt der Sprecher des Mehr! Theaters ein. „Wir weisen ganz offensiv darauf hin, damit wir keine Kunden in die Irre führen.“