Hamburg

"Les Misérables": Musical-Besucher fühlen sich getäuscht

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Sandra Schröpfer
Das Mehr! Theater am Hamburger Großmarkt

Das Mehr! Theater am Hamburger Großmarkt

Foto: imago/imagebroker

Mittwoch war das durch Deutschland tourende Musical im Mehr! Theater zu sehen. Doch viele Besucher haben sich gewundert. Und geärgert.

Hamburg/Frankfurt. Viele Besucher des Mehr! Theater am Großmarkt haben sich am gestrigen Mittwochabend auf die Inszenierung des weltbekannten Musicals "Les Misérables" gefreut. Was sie zu sehen bekommen haben, ist jedoch nicht der Musicalerfolg vom Londoner Westend mit der Musik von Claude-Michel Schönberg. Stattdessen handelt es sich um die Neuinszenierung "Les Misérables - Barricade" des Kieler Konzertveranstalters Highlight Concerts.

Mit der namensgleichen Bezeichnung des Musicals, das seit wenigen Tagen durch Deutschland tourt, sorgt der Konzertveranstalter derzeit für Ärger. Zahlreiche Besucher des Musicals aus anderen deutschen Städten haben sich bereits bei den Aufführungsstätten oder den Ticketanbietern beschwert. Und auch auf Facebook machen viele Besucher ihrem Ärger Luft, unter anderem im "Forum für enttäuschte Besucher der sogenannten "Les Misérables"-Tour".

Hier geht es zur Facebook-Gruppe der enttäuschten Besucher.

Viele Hamburger verließen Musical in der Pause

Nach der Aufführung in Hamburg am gestrigen Mittwochabend gab es ebenfalls direkt scharfe Kritik. Eine Leserin berichtet, dass sie "das Theater in der Pause mit vielen anderen verlassen" habe. "Auch wir sind getäuscht worden – und das war kein Musical, gegebenenfalls eine kleine Revue", sagt sie.

Ihre Kritik: Die Geschichte beginne mittendrin, die Musik sei einheitlich ohne große Emotionen und für Musical Fans von "Les Miserables" eine "unendliche Enttäuschung". Die verärgerte Hamburger Besucherin hofft, dass möglichst viele Musical-Fans vorher gewarnt werden.

Besucher fühlen sich getäuscht

Auch Sebastian Knoll* zählt zu den verärgerten Besuchern. Der 32-Jährige hatte sich mit seiner Familie auf den Besuch des weltbekannten Musicals "Les Misérables" in der Jahrhunderthalle in Frankfurt gefreut. Der Musicalfan hat das Originalstück, das auf dem Roman "Die Elenden" von Victor Hugo basiert, bereits fünf Mal gesehen. Doch er fühlt sich getäuscht. "Mir und zahlreichen Käufern der Eintrittskarten wurde durch die Vermarktungsstrategie suggeriert, dass es sich um das Musical 'Les Misérables' handeln würde, welches Vorlage für den gleichnamigen Hollywoodfilm war", so der Frankfurter. "Tatsächlich wird jedoch ein gänzlich anderes Musical aufgeführt, das Musical 'Barricade' von Esther Hilsberg."

60,75 Euro bezahlte er für die Aufführung. Auf seinem Ticket, das er bereits im vergangenen Sommer erwarb, ist der Zusatztitel "Barricade" jedoch nicht abgedruckt. "Hätte ich gewusst, dass es sich um die Produktion 'Barricade' handelt, hätte ich gar keinen Anreiz gehabt, so viel Geld auszugeben."

Mehr! Theater sind Beschwerden bekannt

Dem Mehr! Theater am Großmarkt waren die Beschwerden enttäuschter Besucher schon vor der Aufführung am Mittwochabend bekannt. "Wir haben leider nichts damit zu tun, das ist Sache des Veranstalters", sagt Sprecher Thomas Mehlbeer. Demnach habe man bereits im vergangenen Jahr einen Mietvertrag mit Highlight Concerts abgeschlossen, der erfüllt werden müsse. "Wir sind mit dem Veranstalter im Austausch."

Auf Nachfrage beim Kieler Konzertveranstalter Highlight Concerts war für das Abendblatt zunächst niemand erreichbar. Einer enttäuschten Besucherin der Vorstellung in Bochum antwortete Geschäftsführer Ulrich Gerhartz allerdings per Mail. Darin entschuldigt er sich, dass ihr das Musical nicht gefallen habe. "Wir haben 'Les Misérables' von der Kammeroper Köln eingekauft, so viel ist sicher. Für die Qualität sind wir als Einkäufer nicht verantwortlich, da haben wir keinen Einfluss." Die Kammeroper Köln wirbt für die Produktion jedoch nur mit dem Titel "Barricade". Von "Les Misérables" ist nicht die Rede.

* Name geändert

( HA )

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