Hamburg

Nach G20: Linksextremisten mischen beim Schanzenfest mit

Gefeiert wird unter dem Motto „Freiheit für alle G20-Gefangenen“. Auch die Gruppierung "Roter Aufbau Hamburg" betreibt einen Stand.

Hamburg.  Für Furore sorgte das erste Schanzenfest nach den massiven G20-Krawallen am heutigen Sonnabend bereits im Vorfeld: Vergangene Woche erst hatte die CDU gefordert, das unangemeldete Stadtteilfest zu unterbinden. Jedoch ohne Erfolg. Seit zehn Uhr wird im Schanzenviertel unter dem Motto „Freiheit für alle G20-Gefangenen“ gefeiert. Und das ganz entspannt.

Im Mittelpunkt steht dieses Mal jedoch nicht das Schulterblatt, an dem auch die Rote Flora steht. Los geht es mit den Flohmarktständen erst an der Susannenstraße. Zentrum der Veranstaltung ist die Schanzenstraße.

"Roter Aufbau Hamburg" hat auch einen Stand

Nach Polizeiangaben verläuft das Fest, das seit 1988 jährlich eine feste Größe in der links-alternativen Szene Hamburgs ist, bisher friedlich. Besucher flanieren seit dem Morgen durch die Straßen und stöbern an den zahlreichen Flohmarktständen. Auffällig: Auch einige Profihändler sind am Straßenrand anzutreffen.

Und auch die Bundestagswahl 2017 spielt beim Schanzenfest eine Rolle. Zumindest einen Partei hat einen Infostand – inklusive Bierkiste – aufgebaut, um noch mal um Wählerstimmen zu werben: Die Partei.

Und auch politische Organisationen haben ihre Stände aufgebaut – unter anderem die vom Verfassungsschutz als "gewaltorientierte Linksextremisten" eingestufte Organisation Roter Aufbau Hamburg (RAH). Sie betreibt an der Bartelsstraße einen Infostand. Unmittelbar vor dem G20-Gipfel hatte die Polizei die Wohnungen von zwei führenden Köpfen des RAH durchsucht. Dabei wurden Computer, schriftliche Unterlagen, verbotene Pyrotechnik, Präzisionsschleudern, Stahlkugeln und zwei Schlagstöcke beschlagnahmt. Auch die "Revolutionäre Jugend" ist auf dem Schanzenfest vertreten.

Polizei rechnet mit friedlichem Verlauf

Während manche Anwohner fürchten, es könnte am Abend erneut Ausschreitungen in dem Viertel geben, sieht die Polizei der Veranstaltung gelassen entgegen. „Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass während des Schanzenfestes die Konfrontation gesucht wird“, sagte ein Polizeisprecher dem Abendblatt Anfang der Woche.

Die Rote Flora – ein "Monster" mit vielen Gesichtern

„Nachbarschaftlich, solidarisch, unkommerziell und unangemeldet“: So lautet die unverändert kämpferische Losung des diesjährigen Schanzenfestes, das auch auf der Internetplattform Indymedia unter dem Motto „Whose streets? Our streets!“ angepriesen wurde. Mit der Aufforderung „Holen wir uns die Straßen nun gemeinsam komplett zurück, und feiern, flohmarkten und informieren wir uns – wie gewohnt auf unseren Straßen unangemeldet“ wurde zu einer Aktion auf mehreren Straßen rund um das Schanzenviertel aufgerufen.