Abendblatt-Tipps

So können Hamburger beim Strom Hunderte Euro sparen

Jeder zehnte Hamburger Haushalt hat sich 2016 einen neuen Energieversorger gesucht. Die wichtigsten Abendblatt-Tipps.

Hamburg.  Wegen der stetig gestiegenen Strompreise wechseln immer mehr Kunden in der Hansestadt ihren Energieversorger. Im vergangenen Jahr waren es 110.000 Hamburger, die sich durch einen Wechsel zu einem anderen Anbieter eine niedrigere Stromrechnung versprochen haben – immerhin schon jeder zehnte Haushalt in der Stadt. In der Regel kann eine Familie so mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Erstmals seit 2011 handelte es sich um eine sechsstellige Zahl an Hamburgern, die sich einen neuen Anbieter gesucht haben, wie aus Zahlen von Stromnetz Hamburg hervorgeht, die dem Abendblatt vorliegen. Seit 2014 hat sich diese Zahl damit fast verdoppelt. Gegenüber 2015 beträgt der Zuwachs 46 Prozent.

Doch verglichen mit anderen Me­tropolen ist die Wechselbereitschaft in Hamburg noch nicht stark ausgeprägt. In Berlin hat sich im vergangenen Jahr bereits jeder vierte Kunde einen neuen Stromanbieter gesucht. „Noch haben viele Hamburger nicht ein einziges Mal gewechselt und sind noch im Basistarif ihres Grundversorgers Vattenfall“, sagt Michael Knobloch, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg, dem Abendblatt. Nachdem Vattenfall die Strompreise Anfang April um rund drei Prozent erhöht hat, ist das Interesse an einem Wechsel wieder gestiegen. Vattenfall hat nach eigenen Angaben noch einen Marktanteil von 70 Prozent in der Hansestadt. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Anbieterwechsel.

Wie schnell kann man wechseln?

Das hängt von der Kündigungsfrist des Stromtarifs ab. Häufig verlängern sich die Tarife nach dem ersten Bezugsjahr um weitere zwölf Monate, und die Kündigungsfrist beträgt in der Regel sechs Wochen zum Ende des Bezugszeitraums. In diesen Fällen muss der Anbieterwechsel längerfristig geplant werden. Manche Tarife wie der Grundversorgertarif können mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Bei einer Preiserhöhung gilt zudem ein Sonderkündigungsrecht von zwei Wochen.

Warum ist der Grundtarif
für Strom besonders teuer?

Dieser Strom ist besonders teuer, weil damit die Versorgung aller Kunden vor Ort garantiert wird. Diesen Service lässt sich der Energieversorger üppig bezahlen. Damit werden Haushalte beliefert, die keinen anderen Vertrag zur Stromversorgung abgeschlossen haben, und auch Kunden, die wegen einer schlechten Schufa-Bewertung keinen anderen Stromanbieter mehr finden.

Welche Ersparnis ist möglich?

Das hängt vom Verbrauch und dem bisherigen Tarif ab. Die größte Ersparnis ist aus dem Grundversorgertarif heraus möglich. Laut einer Umfrage des Verbraucherportals Finanztip haben diesen Tarif noch 31 Prozent der Stromkunden. Vor allem Haushalte mit geringem Einkommen sind weniger wechselwillig. „Dabei ist Strom eine der Stellschrauben, bei der sich am leichtesten viel sparen lässt“, erklärt Ines Rutschmann, Energie-Expertin beim Verbraucherportal Finanztip. Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden (kWh) kann im ersten Jahr bis zu 450 Euro sparen. Selbst wenn aus einem anderen Vattenfall-Tarif gewechselt wird, beträgt die Ersparnis noch bis zu 360 Euro im ersten Jahr.

Warum fällt die Ersparnis
im ersten Jahr so hoch aus?

Grund sind hohe Bonuszahlungen. Es kann sogar sein, dass der Preis pro Kilowattstunde beim neuen Anbieter höher ist als beim alten. Durch die hohen Boni wird das überdeckt. „Einen Neukundenbonus mitzunehmen ist nur dann ratsam, wenn ich bereit bin, jedes Jahr den Anbieter zu wechseln. Denn später wird es oft teuer“, warnt Rutschmann. Der Bonus fällt weg, und der Energiepreis kann weiter steigen. Wer die Kündigung vergisst, hängt ein weiteres Jahr im Tarif fest. Die hohen Boni werden meist in zwei Raten gezahlt: Der Sofortbonus wird etwa drei Monate nach Lieferbeginn überwiesen oder verrechnet. Der Neukundenbonus wird nach zwölf Belieferungsmonaten gutgeschrieben.

Mir sind die hohen Boni suspekt. Kann ich dennoch sparen?

Wer bei den Vergleichsrechnern von Check 24 oder Verivox die Voreinstellungen zu Kündigungsfrist und Vertragslaufzeit verändert, bekommt andere Tarife angezeigt. Statt sechs Wochen Kündigungsfrist und zwölf Monate Vertragslaufzeit, wählt man für beide Felder: maximal einen Monat. Die dann angezeigten Tarife haben geringere Boni aber auch einen niedrigeren Preis pro Kilowattstunde. Außerdem kommt man schnell aus diesen Tarifen wieder heraus. „Sparen kann man auch, indem man in einen günstigeren Tarif beim eigenen Stromanbieter wechselt“, sagt Andrea Grimm von der Verbraucherzentrale Hamburg. So ist Easy 12 bei Vattenfall fast drei Cent pro Kilowattstunde günstiger als der Grundtarif.

Welche Kriterien bei der Tarifauswahl sind wichtig?

Der Preis sollte mindestens für zwölf Monate fix sein. Allerdings garantieren die meisten Anbieter nur jene Preisbestandteile, die nichts mit Steuern und anderen staatlichen Abgaben zu tun haben. Der Strompreis setzt sich aus sieben Teilen zusammen, auf fünf haben die Anbieter keinen Einfluss. Neben Laufzeit und Kündigungsfristen sind weitere Kriterien wichtig. „Pakettarife und Vorkasse müssen ausgeschlossen sein“, so Grimm. Wer weniger am Bonus interessiert ist, achtet auf den Preis pro Kilowattstunde und den Grundpreis, der bei den Tarifen in den Tabellen zwischen 71 Euro (Sauber Energie) und 226 Euro (Voltera) schwankt.

Welche Tarife in den Tabellen sind für Verbraucher besonders interessant?

Nicht immer ist der Tarif mit dem höchsten Abschlag der Beste. Der Tarif von E.on bringt zwar nicht die größte Ersparnis, hat aber mit 25 Cent pro Kilowattstunde einen der niedrigsten Energiepreise, während die Anbieter Strogon und Voltera knapp 28 Cent verlangen. Norm Energie hat mit 24,11 Cent den niedrigsten Energiepreis im Vergleich und erreicht eine Ersparnis von rund 240 Euro ganz ohne Bonus. Interessant ist auch der Ökostrom der Strommanufaktur, einer Marke der Stadtwerke Dresden, weil die Mindestlaufzeit nur zwei Wochen beträgt.

Muss ich den alten Stromvertrag selbst kündigen?

„Nur wenn ich nach einer Preiserhöhung von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen möchte“, sagt Grimm. Meist muss der alte Vertrag nicht gekündigt werden. Das übernimmt der neue Anbieter, bei dem man Kunde wird.

Wo gibt es Hilfe für den Wechsel des Energieanbieters?

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet eine kostenlose telefonische Beratung an. Unter der Rufnummer 24 83 22 50 ist dieser Service von Montag bis Donnerstag von 9.30 bis 16.00 Uhr und am Freitag von 9.30 bis 14.00 Uhr erreichbar. „Wir orientieren uns dabei nicht nur an den Unternehmen mit der höchsten Wechselprämie, sondern an verlässlichen und serviceorientierten Anbietern mit einem niedrigen Preis pro Kilowattstunde“, sagt Grimm. Als Beispiele nennt sie die Stadtwerke Flensburg, die Vereinigten Stadtwerke Ratzeburg und Maingau Energie.