Atomkraft

Das stillgelegte AKW Brunsbüttel soll abgerissen werden

Vor 40 Jahren ging der „Pannen-Meiler“ in Dithmarschen ans Netz. Umweltschützer sehen den geplanten Rückbau kritisch.

Brunsbüttel.  Das Kernkraftwerk Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) hat vor 40 Jahren den Betrieb aufgenommen und wurde wegen seiner Störanfälligkeit als „Pannen-Meiler“ bekannt. Nach 30 Jahren wurde das Kernkraftwerk 2007 runtergefahren. Derzeit bereiten die Betreiber Vattenfall und E.ON den Abriss vor. Der vollständige Rückbau dürfte 10 bis 15 Jahre dauern. Dafür haben die Betreiber 1,7 Milliarden Euro zurückgestellt.

Kritik an dem geplanten Rückbau kommt jetzt von dem Umweltschützer und Wissenschaftler Karsten Hinrichsen. Der Grund für seinen Widerstand ist die Art, wie der Rückbau geplant ist: „Und hoffentlich so nicht genehmigt wird.“

Hinrichsen befürchtet eine erhöhte radioaktive Belastung

Hinrichsen gehört zur Initiative „Brokdorf-akut“. „Der Umgang mit dem Material bereitet uns Sorgen“, erklärt er. „Wenn der Rückbau in Brunsbüttel so erfolgt, wie der Betreiber es beantragt hat, kann es zu einer höheren radioaktiven Belastung kommen als beim Normalbetrieb.“ Denn im Normalbetrieb habe das AKW Brunsbüttel die genehmigten Grenzwerte für radioaktiven Staub, für Edelgase und für Jod jedes Jahr praktisch nur zu einem tausendstel ausgeschöpft. Die Betreiber wollen strahlendes Material „freimessen“, um es als ganz normalen Müll behandeln zu können

Der Brunsbütteler Meiler habe ungefähr 300.000 Tonnen Masse. Rund 90 Prozent davon gelten als unbelastet. Das sind Gebäude, Fundamente oder Rohrleitungen, die weit genug vom Reaktor weg waren, um nicht von Radioaktivität verstrahlt zu werden.

Es wird mit bis zu 30.000 schwach radioaktiven Abfällen gerechnet

Übrig bleiben neben den Brennelementen und anderen stark kontaminierten Materialien, die dauerhaft verunreinigt und dadurch selbst strahlungsaktiv sind, noch 20.000 bis 30.000 Tonnen schwach radioaktive Abfälle. Die sollen „dekontaminiert“ werden: Das heißt, die Oberfläche wird abgeschrubbt oder abgefräst, mit Zitronensäure abgespült oder mit einem Hochdruckreiniger beziehungsweise Sandstrahlgebläse gereinigt. „Das ist Wahnsinn: Der Sand, der beim Sandstrahlen anfällt, um die Nuklide abzuraspeln, wird so seinerseits belastet und muss entsorgt werden.“

„Wir wollen diese Art des Rückbaus nicht: Die 30.000 Tonnen sollten nicht auf Deponien gebracht oder recycelt werden sondern auf dem AKW-Gelände bleiben“, fordert Hinrichsen. „Warum können diese vergleichsweise lächerlichen Mengen nicht in dem ausgekernten Maschinenhaus oder dem Reaktorgebäude bleiben?“ Schließlich gebe es auf dem Gelände schon das Zwischenlager mit den hoch radioaktiven Brennelementen.