Gift

Hamburger entwickeln ein Messgerät, das Leben retten kann

Matthias Schmittmann (l.), Johannes Weber und ihr XPID.
Eines der Messgeräte haben die Gründer schon verkauft

Matthias Schmittmann (l.), Johannes Weber und ihr XPID. Eines der Messgeräte haben die Gründer schon verkauft

Foto: Klaus Bodig / HA

Zwei Hamburger Ingenieure erfinden ein System, das Hunderte giftige Stoffe gleichzeitig aufspüren kann. Firma ist schon preisgekrönt.

Hamburg.  Auf den ersten Blick wirkt das Gerät eher unscheinbar. Es ist etwa handgroß, rechteckig, hat eine grau-schwarze Farbe, ein Display auf der Vorderseite und einen kleinen Sensor an der Seite. Doch das Innere des Geräts ist vollgestopft mit Analysetechnik. Es trägt den Namen X-PID und ist ein mobiles Messgerät zur Bestimmung von giftigen Gasen. Das Hamburger Start-up Bentekk hat es Anfang dieses Jahres auf den Markt gebracht hat.

Hinter Produkt und Firma stehen zwei Absolventen der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH). Matthias Schmittmann und Johannes Weber, beide 27 Jahre alt, haben mit ihrer Geschäftsidee bereits den Innotech-Preis für innovative Technik und kürzlich auch den Hamburger Businessplan-Wettbewerb Gründergeist gewonnen.

„Der X-PID ermöglicht schnelle und selektive Messungen von leichtflüchtigen organischen Verbindungen wie Benzol“, sagt der Chemieingenieur Schmittmann. Benzol ist bereits in niedriger Konzentration krebserregend. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin starben im vorvergangenen Jahr in Deutschland insgesamt 74 Menschen an den Folgen einer berufsbedingten Erkrankung durch Benzol. Es waren nur die Fälle, in denen Benzol eindeutig als Auslöser der tödlichen Krankheit nachgewiesen werden konnte. Der Stoff wird etwa bei der Herstellung von Industriechemikalien verwendet und ist auch in Benzin enthalten.

Das Messgerät von Bentekk kann giftige Gasgemische analysieren und erkennt innerhalb von 30 bis 60 Sekunden bis zu 200 verschiedene Stoffe. „Der X-PID kann anders als viele andere Messgeräte mehrere Stoffe gleichzeitig erfassen und die Konzentrationswerte präzise bestimmen“, sagt Schmittmann. Ist einer der gemessenen Werte zu hoch, schlägt das Gerät Alarm.

Gesundheitsgefährdende Stoffe werden vor allem in der chemischen Industrie, etwa bei der Produktion von Farben, Lacken und Kunststoffen eingesetzt. „Arbeitskräfte können durch die schnelle und präzise Messung vor giftigen Gasen gewarnt werden“, sagt Wirtschaftsingenieur Weber. Auch in Ölraffinerien und auf Ölplattformen könne der X-PID hilfreich sein. Zwar sind dort schadstoffmessende Detektoren bereits üblich, doch seien diese oft nicht in der Lage, die Konzentration von krebserregenden Stoffen schnell zu bestimmen. „Häufig gibt es erst nach einer Laboruntersuchung Ergebnisse“, sagt Weber.

Einsatzmöglichkeiten sehen die Gründer auch im Umweltschutz, etwa um die Giftbelastung von Böden und Gewässern aufzudecken. Und auch Feuerwehr und Polizei könnten profitieren. „Anhand der Analyse können Einsatzkräfte Gefahrstoffe nach einem Unfall schneller einschätzen und gefährliche Chemikalien erkennen“, sagt Schmittmann.

Als die Gründer ihr Gerät entwickelten, konnten sie auf Forschungsergebnisse des Instituts für Messtechnik der TUHH zurückgreifen. Ein spezielles Detail des Systems haben der gebürtige Hesse Weber und sein Geschäftspartner Schmittmann, der aus Lüneburg stammt, bereits zum Patent angemeldet. Beide lernten sich während ihres Studiums an der TUHH und dem dazugehörigen Northern Institute of Technology Management (NIT) kennen. Am NIT belegten sie neben ihren Ingenieurstudiengängen noch einen Ausbildungsgang für angehende Unternehmensgründer. Dabei entwickelten sie einen Businessplan und gründeten ihr Unternehmen Bentekk Ende 2014 noch während des Studiums.

Damals bekamen die Jungunternehmer nicht viel anderes als den Uni-Campus in Heimfeld zu Gesicht. Sie wohnten in dem gleichen Gebäude, in dem sie auch forschten. „Zur Arbeit hatten wir es nicht weit, wir mussten bloß die Treppe hinuntergehen“, sagt Weber und lacht. Noch heute ist der Firmensitz in dem Uni-Gebäude an der Kasernenstraße.

Die erste Kleinserie ihres um die 15.000 Euro teuren X-PIDs haben die Ingenieure in ihrer Harburger Werkstatt bereits produziert. Ein Messgerät haben sie im ersten Monat verkauft, weitere sind testweise vermietet, sagt Weber. Mit Unterstützung von Risikokapital sollen sich bald weitere Kunden finden. Einen Investor haben die Bentekk-Geschäftsführer von ihrem Geschäftsmodell überzeugen können. „Unser Ziel für dieses Jahr ist es, zehn bis 20 Geräte zu verkaufen“, sagt Weber. Im nächsten Jahr wollen die Jungunternehmer dann international durchstarten.