Verkehr

Sicherheitsbedenken: Hamburg baut den grünen Pfeil ab

Ein grüner Pfeil erlaubt das Abbiegen trotz roter Ampel

Ein grüner Pfeil erlaubt das Abbiegen trotz roter Ampel

Foto: picture alliance

Zahl der Schilder von 360 auf 168 gesunken. Die Hauptgründe sind Sicherheitsbedenken und zudem moderne Ampeln.

Hamburg.  An diesem kleinen quadratischen Schild scheiden sich die Geister. Die einen sehen in dem grünen Pfeil eine einfache und kostengünstige Methode, den Verkehrsfluss zu erhöhen. Die anderen halten seine Wirkung für überschätzt und betrachten ihn vor allem als Gefahrenquelle – denn trotz roter Ampel rechts abbiegen zu dürfen, setzt bei den Verkehrsteilnehmern etwas Mitdenken und Verantwortungsbewusstsein voraus. Die Regel, dass man an einer roten Ampel auch dann anhalten und den querenden Verkehr beachten muss, wenn es dort einen grünen Pfeil gibt, wird oft nicht beachtet.

In Hamburg setzt sich letztere Sichtweise immer mehr durch, und der grüne Pfeil verschwindet langsam aus dem Stadtbild. Ganze 168 „Grünpfeilschilder“ an 129 Kreuzungen gibt es in der Stadt noch – das teilte der Senat auf eine Kleine Anfrage des Verkehrsexperten der Grünen, Martin Bill, mit. Demnach sind in den vergangenen Jahren fast 200 grüne Pfeile abgebaut worden. Hochkonjunktur hatte das kleine Schild Ende 2002, nachdem der damalige Senat aus CDU, Schill-Partei und FDP die flächendeckende Einführung des grünen Pfeils beschlossen hatte. Damals gab es in Hamburg 360 dieser Schilder, die 1978 in der DDR eingeführt geworden waren.

„Die Tage des Grünpfeils in Hamburg scheinen mehr und mehr gezählt zu sein“, stellt Bill fest. Aufgrund der Sicherheitsbedenken und weil das Schild den Verkehrsfluss kaum steigere, sei das auch richtig: „Wir Grüne werden den Grünpfeil nicht vermissen. Die Erfahrung zeigt, dass insbesondere die Pflicht, vor dem Abbiegen anzuhalten, missachtet wurde. Jeder Pfeil weniger bedeutet daher auch ein Mehr an Verkehrssicherheit für alle.“

Der Senat erklärt zwar, dass das Schild „zu geringeren Wartezeiten für Rechtsabbieger, einem insoweit flüssigeren Verkehr und einer damit verbundenen Reduzierung von Lärm- und Abgasemissionen beitragen“ könne. Die zunehmende verkehrsabhängige Ampelsteuerung, die Ausstattung von Ampelanlagen mit Signalgebern für Menschen mit Sehbehinderung sowie die Anlage von Radfahrstreifen erfordere es aber, den Pfeil abzumontieren. Einen Zeitplan gebe es dafür nicht.

Dass der grüne Pfeil Lärm und Abgase spürbar reduziert, glaubt Martin Bill nicht. „Bremsen, anhalten und wieder anfahren muss man ja in jedem Fall. Und die modernen Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik stoßen im Stand auch keine Abgase mehr aus.“ Im Übrigen gehe im Zweifelsfall die Sicherheit vor. Daher ist für ihn klar, dass der Abbau von Grünpfeilschildern in Hamburg weiter voranschreiten werde.

Beim Fahrradverband ADFC stößt das ebenso auf Zustimmung wie beim ADAC in Hamburg: „So leid es uns tut: Die Statistiken zeigen, dass der grüne Pfeil die Verkehrssicherheit reduziert“, sagte ADAC-Sprecher Christian Hieff. Insbesondere Fußgänger und Radfahrer seien davon betroffen. Für den Verkehrsfluss bringe das Schild ohnehin nicht viel. „Und die modernen Ampeln machen den grünen Pfeil obsolet.“

Dennis Thering, CDU-Verkehrsexperte in der Bürgerschaft, bedauert die Entwicklung hingegen: „Ich finde es schade, dass die grünen Pfeile verschwinden. Wir müssen alles dafür tun, dass der Verkehrsfluss in Hamburg erhöht wird – und die grünen Pfeile tragen dazu bei. Daher sollten wir lieber mehr anbringen statt sie abzubauen.“ Als Beleg führt er einen Pfeil in der Nähe des AK Barmbek an, der kürzlich abmontiert wurde: „Dort staut sich der Verkehr jetzt zurück.“

Allerdings war das kleine Schild schon zu CDU-Regierungszeiten (2001 bis 2011) zum Auslaufmodell geworden: Von einstmals 360 war die Zahl laut Senat schon 2004 auf unter 300 gesunken, und 2009 gab es noch 202. Dieser Trend setzt sich nun fort.