Reise in China

Scholz bezeichnet Hamburger Mietpreise als "großen Vorteil"

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz auf der China-Reise in Shanghai

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz auf der China-Reise in Shanghai

Foto: Oliver Schirg / HA

Olaf Scholz zieht Bilanz aus seiner Reise in China. Reedereien senden positive Signale und wollen Investments in Hamburg ausbauen.

Peking.  Die Nachricht vom Tod Helmut Schmidts war wohl der emotionalste Moment während der China-Reise, die Bürgermeister Olaf Scholz in dieser Woche nach Peking und Shanghai führte. Es sei „etwas sehr Bedrückendes, von seinem Tod zu erfahren“, sagte der sichtlich erschüttert wirkende Senatschef.

Ansonsten blieb bei dem eng getakteten Programm kaum Zeit zum Luftholen, geschweige denn für einen Spaziergang auf Shanghais berühmter Uferpromenade „The Bund“, um die Skyline der 23-Millionen-Metropole und die Wolkenkratzer auf der am westlichen Ufer des Huangpu-Flusses gelegenen Insel Pudong zu bewundern.

Scholz zog am Freitagabend eine positive Bilanz seiner Reise. „Wir haben mit Unternehmern und Institutionen sprechen können, die für Hamburg sehr wichtig sind.“ Neu sei für ihn gewesen, dass Hamburgs Preise für Mietflächen im Vergleich zu anderen wirtschaftsstarken Metropolen als günstig angesehen würden. „Das ist ein großer Vorteil.“

Vor allem bei den Gesprächen mit den Chefs der beiden wichtigen Reedereien Cosco und China Shipping Group habe er „sehr positive Signale“ erhalten. Die Unternehmen, die derzeit über eine Fusion verhandeln, wollten ihre Aktivitäten und Investments in Hamburg ausbauen. Die sinkenden Wachstumsraten in China bezeichnete Scholz als Normalisierung. „Das ist zwar ein langsameres Wachstum, aber immer noch ein sehr beachtliches.“

Er habe offen über die Elbvertiefung gesprochen und den letzten Stand der Dinge dargestellt. „Unsere Partner sind eigentlich gut informiert, aber es war ihnen wichtig, von uns noch einmal zu hören, dass wir dabei sind, die letzten Schritte zu tun und alle institutionellen Hürden überwunden sind.“ Man könne optimistisch sein, dass das Bundesverwaltungsgericht einer weiteren Vertiefung der Elbe zustimmen werde.

In Sachen Olympia konnte Hamburg in Peking offenbar punkten. „Wir sind auf dem Radar der Chinesen“, fasste Scholz das Gespräch mit dem Präsidenten des chinesischen Olympischen Komitees, Liu Peng, zusammen. Der Funktionär zeigte sich überzeugt, dass die Deutschen in der Lage sind, einen so großen sportlichen Wettbewerb zu organisieren. China gilt im Weltsport als einflussreich. Das Land ist im IOC mit vier abstimmungsberechtigten Mitgliedern vertreten.

Auch wenn ihm die Architektur des Olympiastadions sehr beeindruckte, dürfte Scholz in der Vorstellung bestärkt worden sein, wie man Olympische Spiele nicht organisiert, sollen sie umweltschonend und nachhaltig sein. „Wir haben in unserer Planung kleinere Gebäude vorgesehen und dass es eine Nachnutzung gibt.“ Das weitläufige Olympiagelände machte angesichts der überschaubaren Zahl an Besuchern einen eher bedrückenden Eindruck. Abgesehen von einigen Prestigeobjekten steht es Zeitungsberichten zufolge nicht gut um die für viele Milliarden Euro gebauten Sportanlagen.

A320 sei gegenwärtig „unschlagbar“

Heikel war die Visite bei dem Flugzeughersteller Comac in Shanghai. Vor zehn Tagen feierte das Unternehmen den Rollout ihres Mittelstreckenflugzeugs C919, das von manchem in Hamburg als Kampfansage an den Airbus-Bestseller A320 verstanden wird. Comac-Chef Jin Zhuanglong ließ es sich nicht nehmen, Scholz persönlich das Cockpit zu erklären und die Vorteile sich sanft schließenden Gepäckablageklappen vorzuführen. Bis zu 150 Maschinen wollen die Chinesen im Jahr produzieren – allerdings erst frühestens in fünf Jahren.

Scholz bewertete die neue Konkurrenz für den Hamburger Luftfahrtstandort positiv. Mit Blick auf die Schätzungen, wonach China in den kommenden zehn Jahren einen Bedarf an rund 3000 mittelgroßen Flugzeugen hat, meinte er, dass alle Hersteller von dem Flugzeugboom etwas haben dürften. Der A320 wiederum sei gegenwärtig „unschlagbar“. Insider sehen das Engagement allerdings mit größerer Besorgnis. Der A320 macht immerhin 20 Prozent des Airbus-Umsatzes in China aus.

Natürlich spielt das Thema Menschenrechte eine Rolle, wenn deutsche Politiker in China unterwegs sind. Scholz trat betont leise auf, verwies in seiner Bilanz aber auf die unterschiedlichen Vorstellungen bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Er sei aber zuversichtlich. „Wenn sehr viele gut gebildete Bürger in einem Land aktiv sind, dann wollen sie mitentscheiden. Das wird überall auf der Welt gleich sein.“