Helmut Schmidt

Internationale Medien: "Einer der besten Staatschefs"

Polizisten salutieren vor Schmidt. Schweigeminute im Rathaus. Video-Interview mit Fegebank. Nachrichten und Reaktionen im Live-Blog.

Hamburg. Der Hamburger Flughafen in Fuhlsbüttel soll in Helmut Schmidt Airport umbenannt werden. Es ist der Tag nach dem Tod von Helmut Schmidt. Die Hamburgerinnen und Hamburger tauschen sich aus über ihre Sicht auf den früheren Bundeskanzler (1974 bis 1982) und ihre Erinnerungen an den großen Staatsmann, ihren Mitbürger. Die Sondersendungen bei ARD und ZDF riefen großes Zuschauerinteresse hervor. Internationale Medien berichten über die Bedeutung Schmidts für Deutschland und seinen Einfluss auf die Weltpolitik. In Hamburg laufen die Vorbereitungen auf die Trauerfeier. Möglicherweise wird sie nicht im Michel stattfinden. Das Hamburger Abendblatt hält Sie mit den wichtigsten Meldungen, Reaktionen und Hintergründen im Live-Blog auf dem Laufenden.

1112 Menschen ehren Helmut Schmidt im Kondolenzbuch

Einige warteten mehrere Stunden in der Schlange vor dem Hamburger Rathaus, um sich in das Kondolenzbuch in Gedenken an Helmut Schmidt einzutragen. Am Ende hatte das Rathaus sogar noch länger geöffnet. Den ganzen Tag über erwiesen Trauernde Helmut Schmidt im Rathaus ihren Respekt. Eigentlich sollten sich nur bis 19 Uhr Menschen eintragen können, um 19.15 Uhr durfte sich dann zumindest niemand mehr anstellen.

Diejenigen aber, die auf dem Rathausmarkt bereits geduldig gewartet hatten, wurden auch noch in die Rathausdiele hineingelassen. Erst um circa 20.30 Uhr, nachdem der letzte seiner Trauer in der Kondolenzliste Ausdruck verliehen hatte, schlossen Mitarbeiter die großen Eingangstüren. So haben sich insgesamt 1112 Menschen einen Tag nach dem Ableben des Sozialdemokraten in das Kondolenzbuch eingetragen.

Viele hatten ihre teils ausführlichen Beleidsbekundungen bereits zu Hause vorbereitet und sie dann im Rathaus abgeschrieben. Noch bis zum offiziellen Staatsakt soll das Kondolenzbuch ausliegen, einen konkreten Termin gibt es noch nicht. Die Rathausdiele ist nun täglich von 7 bis 19 Uhr für Trauernde geöffnet.

Soll der Hamburger Flughafen nach Helmut Schmidt benannt werden?

"Mr. Schmidt": So reagieren internationale Medien

Helmut Schmidt spielte während und nach seiner Kanzleramtszeit auch international eine überaus bedeutende Rolle. So erinnern dieser Tage viele Medien im Ausland an den großen Hamburger, allen voran die New York Times.

Sie würdigt "Mr. Schmidt" als einen Politiker "mit einem brillanten Führungsstil." Weiter schreibt die Tageszeitung: "Er war gutaussehend, mit markantem Kinn und intensiv grauen Augen, geistreich und hatte sich in höchstem Maße unter Kontrolle. In der Öffentlichkeit kannte man ihn als unwiderstehlichen Redner und streitsüchtigen Debattierer." In ihrer Online-Ausgabe widmet die Tageszeitung Schmidt gleich mehrere Artikel einschließlich einer Zeitleiste seiner wichtigsten politischen Stationen und äußert sich darin auch kritisch zu Schmidts politischen Entscheidungen während seiner Amtszeit.

Der US-Sender CNN blieb hingegen nachrichtlich und zitierte zahlreiche politische Stimmen zu Schmidts Ableben, darunter den Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und EZB-Präsidenten Mario Draghi.

Die britische Tageszeitung "The Guardian" würdigt den Altkanzler als einen "der besten Staatsoberhäupter aller Zeiten, der stets eine globale Vision hatte." Schmidt solle als "westdeutschlands globaler Kanzler" in Erinnerung bleiben.

Die BBC Europe bezeichnet Helmut Schmidt als "Meister der Realpolitik während des Kalten Krieges". Er sei stets kontrovers und pragmatisch in seinem politischen Handeln gewesen.

Der britische Telegraph beschreibt Schmidt als "klein an Gestalt und körperlich überraschend schwächlich, aber er war ein taffer Politiker, wie ein Terrier, unduldsam gegenüber Mittelmäßigkeit. Er hatte eine intellektuelle Größe und Vielseitigkeit, wie es sie nur selten gab unter zeitgenössischen deutschen Politikern. Und er wusste das."

Die französische Tageszeitung "Le Monde" hebt insbesondere Helmut Schmidts Wirken im Sinne der deutsch-französischen Freundschaft hervor. Die Zeitung gibt einen ausführlichen Rückblick auf Schmidts politisches und auch privates Leben. Demnach sei die Ausübung der Musik immer seine Flucht aus dem Auf- und Ab des politischen Lebens gewesen.

Unter dem prägnanten Titel "Helmut Schmidt ist gestorben - der Kanzler, der sich dem Terrorismus nicht beugte" lobt die spanische Tageszeitung "El País" den Staatsmann als "moralische Instanz des Landes". Er sei ein pragmatischer Vertreter der Realpolitik gewesen, der es "trotz seiner Arroganz schaffte, den visionären Willy Brandt zu ersetzen."

Die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" vermeldet Schmidts Ableben in einem kurzen Artikel, in dem sie den niederländische Ministerpräsidenten Mark Rutte zitiert: Schmidt habe demnach "schon immer ein feines Gespür für die historische Verantwortung Deutschlands im Nachkriegseuropa" gehabt. Schmidt war laut Rutte "ein Mann der Tat, der aus Überzeugung gesprochen hat. Sein Tod ist ein großer Verlust für Deutschland", sagte Rutte.

Nach der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" habe Schmidt sich bis ins hohe Alter eingemischt. "Aber kaum jemand nahm es Helmut Schmidt übel, nicht einmal die Sozialdemokraten, an deren Politik er gelegentlich auch etwas auszusetzen hatte." Kein Altkanzler habe in Deutschland so große Verehrung genossen wie "Schmidt-Schnauze", wie er seit vielen Jahren wegen seiner pointierten Sprüche genannt wurde, schreibt die Zeitung. "Zum Schluss wagte auch keiner mehr zu widersprechen, denn es war ja keiner mehr da, der so viel miterlebt hatte wie der nun 96-jährig Verstorbene."

Polizisten salutieren vor Helmut Schmidt

Es war eine bewegende Geste am Morgen, nachdem Helmut Schmidt gestorben ist: Polizeibeamte stehen vor dem Reihenhaus in Langenhorn Spalier, als der Leichenwagen vorfährt und der Sarg mit Helmut Schmidts Leichnam aus dem Haus getragen wird. Die Beamten heben still ihre Hände an die Dienstmütze - sie salutieren vor dem Altbundeskanzler. Dann fährt der Wagen mit einer Polizeieskorte davon.

Den ganzen Vormittag über hatten zahlreiche Menschen Blumen und Kerzen vor dem Klinkerhaus abgestellt. Sogar eine ganze Grundschulklasse war gekommen.

Hamburger tragen sich in Kondolenzbuch ein

Hunderte Hamburger haben sich bis zum Nachmittag in das Kondolenzbuch für Altkanzler Helmut Schmidt eingetragen. Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und Mitarbeiter des Rathauses schenkten Kaffee an die Wartenden aus, die bis zu drei Stunden Schlange standen. Auch in den nächsten Tagen bis zum Staatsakt (Datum wird noch bekannt gegeben) ist das Rathaus von 7 bis 19 Uhr für die Trauernden geöffnet. Am Wochenende besteht von 10 bis 17 Uhr die Möglichkeit, sich einzutragen.

Schweigeminute im Rathaus

Die Bürgerschaftssitzung im Hamburger Rathaus begann um 15 Uhr mit einer Schweigeminute für den Ehrenbürger Helmut Schmidt. „Wir, die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft, verneigen uns vor dem Lebenswerk von Helmut Schmidt und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren“, sagte Parlamentspräsidentin Carola Veit - ehe sich im Gedenken an den SPD-Politiker alle Abgeordneten von ihren Plätzen erhoben. „Hamburg verliert einen bis ins hohe Alter engagierten Fürsprecher und überaus erfolgreichen Förderer“, sagte Veit.

Zwei Stunden Wartezeit für Hamburger Kondolenzliste

Die Wartezeit vor dem Hamburger Rathaus, um sich in die Kondolenzliste für Helmut Schmidt einzutragen, beträgt gegen 14.30 Uhr etwa zwei Stunden. Darauf weisen Besucher und Mitarbeiter im Rathaus hin.

Barack Obama würdigt Helmut Schmidt

Die US-Regierung hat den verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Schmidt als Leitfigur in einer zentralen Epoche der deutschen Geschichte gelobt. „Er war eine feste, sichere Stimme in einer Zeit der Ungewissheit“, erklärte das Weiße Haus. „Seine Arbeit half, unsere gemeinsame Vision vom Bau eines friedlichen und demokratischen Europas voranzutreiben.“ Die US-Regierung sprach Schmidts Familie, seinen Angehörigen und allen Bürgern Deutschlands ihr Beileid aus. „Ich habe einen Freund verloren und die Welt einen scharfsinnigen Anführer“, teilte der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter (1977-81) mit. Während seiner Präsidentschaft zu Schmidts Amtszeit seien sich die beiden zwar nicht in allen Fragen einig gewesen, doch sie hätten eine gemeinsame Vision von Europa geteilt.

Weitere Sondersendung im NDR

Auch einen Tag nach Helmut Schmidts Tod ändert der NDR sein Fernsehprogramm. Von 20.15 Uhr bis 20.25 Uhr beginnt das Sonderprogramm mit "NDR//Aktuell extra – Trauer um Helmut Schmidt", moderiert von Pinar Atalay. Es folgt die Doku-Fiktion "Die Nacht der großen Flut" (2005). Die fiktiven Szenen werden gespielt von Ulrich Tukur als Helmut Schmidt. In einer einstündigen Sendung danach erinnern Weggefährten an Schmidt.

Helmut Schmidt Airport Hamburg? Charmant!

Geht es jetzt ganz schnell? Die Umbenennung des Hamburger Flughafens in Helmut Schmidt Airport Hamburg scheint diskussionswürdig. Auch beim Hamburg Airport kommt der Vorstoß gut an. „Das ist durchaus eine charmante Idee“, sagte Sprecherin Stefanie Harder am Dienstag. „Jedoch kann das der Flughafen, beziehungsweise unser Geschäftsführer, nicht entscheiden.“ Das könnte nur ein Gremium der Gesellschafter. Die Anteile liegen zu 51 Prozent bei der Stadt und zu 49 Prozent bei dem privaten Investor AviAlliance.

Die Hamburger Jusos, Nachwuchsorganisation der SPD, forcieren den Vorschlag. Armita Kazemi, Juso-Landesvorsitzende, sagte, man werde sich dafür stark machen. Martin Heßelbarth, stellvertretender Juso-Landesvorsitzender aus Hamburg-Nord, sagte: „Wir fordern den Senat und die Luftfahrtbehörde auf, den ,Helmut Schmidt Airport Hamburg' zu schaffen. Mit dieser Würdigung der Verdienste Helmut Schmidts auch auf dem internationalen Parkett wäre sein Name für zukünftige Generationen untrennbar mit seiner Heimatstadt Hamburg verbunden." Der Flughafen stehe dann in einer Linie mit dem John-F.-Kennedy-Airport in New York oder Paris-Charles-de-Gaulle.

Katja Suding, Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP Hamburg, setzt sich ebenfalls dafür ein, den Flughafen nach dem verstorbenen Altkanzler zu benennen: „Ich finde die Idee sehr gut, unseren Flughafen nach Helmut Schmidt zu benennen“, sagte Suding dem Abendblatt. „Das würde auch helfen, die Bekanntheit des Flughafens zu steigern“, sagte Suding und verwies ebenfalls auf New York und Paris.

Sabine Boeddinghaus, Co-Fraktionsvorsitzende der Linkspartei in der Bürgerschaft, sieht den Vorschlag eher skeptisch. Ihre persönliche Meinung sei, dass Schmidt eine wichtiger Bürger Hamburg und der Zeitgeschichte sei und man über eine Ehrung durchaus nachdenken könne. „Aber ein Flughafen ist dafür nicht der richtige Ort. Ich könnte mir eher eine Straße oder einen Platz vorstellen, zum Beispiel an seinem Wohnort Langenhorn“, sagte Boeddinghaus dem Abendblatt.

Gauck ordnet Staatsakt für Schmidt an

Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel schrieben in ihren Einträgen in ein Kondolenzbuch in Berlin nach Angaben des Bundespräsidialamtes: „Dank dem Staatsmann, der seinem, unserem Land mit Weitsicht, Entschlossenheit und der Leidenschaft zur Vernunft diente. Dank dem Bürger, der uns vorlebte, dass Verantwortung der Lebensatem der Demokratie ist.“ Merkel äußerte sich „in tiefer Trauer und Respekt vor einem großen Staatsmann“. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte, liegt das Kondolenzbuch bis Mittwoch nächster Woche im Kanzleramt aus. Auch im Willy-Brandt-Haus der SPD gibt es ein Kondolenzbuch zu Ehren des Sozialdemokraten. Gauck ordnete einen Staatsakt für Schmidt an. Der Termin steht noch nicht fest.

CDU-Ministerpräsident empört über Steinbachs Tweet

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat mit großem Unverständnis und Empörung auf einen Tweet der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach zum Tod von Helmut Schmidt reagiert. „Instinktlos. So etwas gehört sich nicht!“, schrieb der Regierungschef im Kurznachrichtendienst Twitter.

Hunderte warten im Nieselregen

Hunderte Hamburger warten zwei Stunden, nachdem das Kondolenzbuch in der Diele des Rathauses eröffnet wurde, schweigend im Nieselregen vor dem Gebäude. Viele tragen dunkle Kleidung, um ihrer Trauer Ausdruck zu geben. Die Stimmung ist gedrückt. „Ich habe Helmut Schmidt verehrt. Er war ein großer Politiker und Mensch“, sagt Dieter Wiese aus Hamm. Er hat ein Blumengebinde mitgebracht. Inzwischen brennen viele Kerzen vor dem Rathaus. „Große Männer sterben am 10. November“ hat jemand auf Türkisch und Deutsch geschrieben.

Kondolenzbuch: "Die Welt verliert eine Stimme der Vernunft"

Bis zum Mittag haben sich bereits zahlreiche Hamburger im Rathaus in ein Kondolenzbuch für den verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt eingetragen. Hunderte standen noch Schlange. Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Olaf Scholz ist auf China-Reise) verfassten in der Rathausdiele die ersten Einträge. „Die Freie und Hansestadt Hamburg wird ihrem Lotsen stets ein ehrendes Andenken bereiten“, schrieb Veit. Fegebank trug sich mit den Worten „Die Welt verliert eine Stimme der Vernunft, unsere Stadt einen geliebten Sohn“, in das Buch ein.

Trauerfeier nicht im Michel?

Wie die Nachrichtenagentur epd berichtet, wollte Helmut Schmidt keine Trauerfeier im Michel. Er habe Zeit seines Lebens ein distanziertes Verhältnis zur Kirche und zum christlichem Glauben gehabt, belege eine Studie des Hamburger Historikers Rainer Hering. Der heutige Direktor des Landesarchivs Schleswig-Holstein hatte die Arbeit 2012 unter dem Titel „Aber ich brauche die Gebote“ veröffentlicht. Schmidts Wunsch sei es gewesen, dass seine Trauerfeier im Rathaus stattfinden soll. Auch wünsche er bei seiner Beerdigung keine Ansprache eines Theologen. Ein „Vater Unser“ würde genügen.

Flughafen nach Helmut Schmidt benennen?

Nach dem Tod von Helmut Schmidt wollen Internet-Aktivisten eine Hamburger Straße nach ihm benennen. Problem: Es gibt bereits eine: auf dem Betriebsgelände von Airbus in Finkenwerder. Sie wurde 2011 nach dem Altkanzler benannt wegen seiner Verdienste um Airbus. Gleichzeitig gibt es bereits die Universität der Bundeswehr, die seinen Namen trägt, und ein Gymnasium. Was also liegt näher, als den Flughafen nach ihm zu benennen?

In München heißt der Airport inzwischen Franz Josef Strauß, in Köln/Bonn Konrad Adenauer. Der Hamburger Flughafen, der zu 51 Prozent im Besitz der Stadt ist, äußerte sich zum Tod von Schmidt so: „Die Nachricht vom Tod Helmut Schmidts stimmt mich, die Mitglieder des Aufsichtsrats sowie alle Mitarbeiter von Hamburg Airport sehr traurig“, sagte Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung. Als Langenhorner sei Schmidt Nachbar des Flughafens gewesen. Er war über viele Jahre Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. In einer Mitteilung hieß es: „Wie kein zweiter Hamburger hat Helmut Schmidt den Flughafen seiner Heimatstadt in den vergangenen knapp 65 Jahren geprägt. Als Leiter des Amtes für Verkehr in der Wirtschaftsbehörde stellte er bereits 1952 die politischen Weichen für die Ansiedelung der Lufthansa Technik am Hamburg Airport. Nur drei Jahre später nahm Lufthansa den Flugbetrieb in Hamburg auf. Helmut Schmidts Weitsicht und seinem Verhandlungsgeschick ist es zu verdanken, dass die Verbindung von Hamburg Airport und Lufthansa seither eine Erfolgsgeschichte ist. Früh erkannte er das Wachstumspotenzial der Luftfahrt.“


"Schamlos" – Empörung bei Twitter über Erika Steinbach

Mit einem Post über Twitter hat die streitbare CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach für Empörung gesorgt. Unter den Text „Altkanzler Helmut Schmidt ist tot. Wir haben in unserer Fraktionssitzung seiner in Respekt gedacht“, hatte sie ein Schmidt-Zitat von 1981 angehängt: „Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag.“ Der stellvertretende Vorsitzende der hessischen SPD-Landtagsfraktion, Timon Gremmels, erklärte, er erwarte, dass sich Ministerpräsident Volker Bouffier von seiner Parteifreundin Steinbach wegen „ihres pietätslosen Tweets“ distanziere. Der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hatte Steinbach am Dienstag einen Missbrauch von Schmidts Tod vorgeworfen, der „ungeheuerlich“ und „schamlos“ sei.

Sondersendung hat mehr Zuschauer als Tagesschau

Die Sondersendung zum Tode von Helmut Schmidt in der ARD (20.15 Uhr) hatte am Dienstag sogar mehr Zuschauer als die vorangegangene Tagesschau. 4,85 Millionen Menschen schalteten ein (Marktanteil 15,5 Prozent). Bei der Tagesschau waren es 4,69 Millionen. Das ZDF-Special nach der heute-Sendung hatte 4,68 Millionen Zuschauer. Die beiden Quoten-Tagessieger vor der ARD-Sondersendung waren "Die Kanzlei" (5,50 Mio.) und "In aller Freundschaft" (5,20 Mio; beide ARD).

Henry Kissinger: Einer der größten Staatsmänner"

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger hat Schmidt in einem Interview mit der ARD als "einen der größten deutschen Staatsmänner" gewürdigt. "Helmut war ein Vorbild. Die Welt wird ihn vermissen", so Kissinger. In der ARD sagte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, Schmidt sei einer der großen Deutschen des 20. Jahrhunderts gewesen. Schmidt habe an der Seite Amerikas gestanden, um den Westen gegen sowjetischen Expansionismus zu verteidigen.

Ausgefallene Titelseite der "taz"

Zum Tod von Helmut Schmidt zeigt die "taz" eine "besondere" Titelseite. Damit dürfte die alternative Tageszeitung für Diskussionen sorgen.

Flutopfer würdigen den Altkanzler

Der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Flutopfer-Stiftung, Hans-Peter Strenge, hat Helmut Schmidts Wirken bei der Sturmflut 1962 gewürdigt. „Er hat durch sein Handeln die von der Flut betroffenen Menschen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt und weltweit zu Spenden angeregt“, erklärte Strenge. Ohne Schmidt hätte es die Flutopfer-Stiftung von 1962 nicht gegeben, sagte der frühere Staatsrat in der Justizbehörde. Noch heute erhielten zwei Witwen monatliche Renten aus der Stiftung.

Kondolenzbuch im Rathaus

In Berlin und Hamburg liegen Kondolenzbücher aus. In den kommenden Tagen soll geklärt werden, wie des Altkanzlers gedacht werden soll und wo. Die Planungen für die Trauerfeierlichkeiten laufen. Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollten sich am Mittwochvormittag in ein Kondolenzbuch im Bundeskanzleramt in Berlin eintragen. Auch im Hamburger Rathaus wird ein Kondolenzbuch zu Ehren Schmidts ausliegen.

Schweigeminute in der Bürgerschaft

Die Hamburgische Bürgerschaft beginnt ihre Sitzung am Mittwoch (15 Uhr) mit einer Schweigeminute für den Ehrenbürger Helmut Schmidt. Zuvor wollen sich am Vormittag Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank in das in der Rathausdiele ausgelegte Kondolenzbuch eintragen.

Auch CNN würdigt Schmidt

Selbst mit 96 Jahren, berichtete der US-Nachrichtensender CNN, "war Helmut Schmidt noch einer der respektiertesten Publizisten in Deutschland. Die Homepage von CNN zeigte Schmidt in jüngeren Jahren und stellte ein längeres Video zur Verfügung.

Uwe Seeler über Helmut Schmidt

Fußball-Idol Uwe Seeler würdigte Helmut Schmidt als „große Persönlichkeit“: „Ich habe absolute Hochachtung vor diesem Mann, das wird man auch in Zukunft haben“, sagte Seeler. Der frühere französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing hat den Tod von Altkanzler Schmidt als einen persönlichen Verlust bezeichnet. „Er war der beste Kanzler, den Deutschland gekannt hat seit Konrad Adenauer“, schrieb der 89-Jährige am Dienstag in einer Stellungnahme für die Deutsche Presse-Agentur. „Er hat die äußere Würde seines großen Landes wiederhergestellt.“ Schmidt sei ein überzeugter Europäer gewesen, der die europäische Integration bis hin zur Schaffung des Euro vorangetrieben habe. „Dank seines Realismus' und seines Respekts für andere konnten wir gemeinsam das goldene Zeitalter zwischen Frankreich und Deutschland schaffen.“ D’Estaing bezeichnete Schmidt als „einen warmherzigen, treuen und ehrlichen Freund, mit dem ich die Ehre hatte, schwere Stunden unserer Zeit zu durchqueren und den ich respektvoll in Erinnerung behalten werde“.

Sido raucht für Helmut Schmidt

Ausgefallene Würdigung: Bei Twitter tauchte eine Mitteilung von Sido auf. Er rauche jetzt eine – für Helmut Schmidt.

"Die Deutschen wollen klare Ansagen"

Er sei vielleicht der einflussreichste deutsche Kanzler der Nachkriegsgeschichte gewesen, schrieb die "Washington Post" in ihrem Nachruf. "Die Deutschen haben eine Stimme der Vernunft verloren." In den USA war Helmut Schmidt häufig kritisch gesehen worden. Die Zeitung schrieb mit ironischem Unterton, Schmidt habe besser Englisch gesprochen als der (aus Deutschland stammende) Ex-Außenminister Henry Kissinger.

Er ließ sich nicht immer sofort vereinnahmen von den Ideen und Strategien der Amerikaner in der Konfrontation mit den Sowjets während der Siebziger und frühen Achtziger. Allerdings pflegte er eine lange Freundschaft mit Henry Kissinger. "Die Deutschen", so die "Washington Post" über seinen Einfluss in der Nach-Kanzler-Ära, "wollten von Schmidt klare Ansagen."