Torsten Hammann

Ein Kerl mit Kiez-Erfahrung auf und abseits der Bühne

Torsten Hammann, 49, spielt in seinem Stück "Komma rein hier!"einen Koberer - und ein Dutzend weiterer Rollen

Torsten Hammann, 49, spielt in seinem Stück "Komma rein hier!"einen Koberer - und ein Dutzend weiterer Rollen

Foto: Klaus Frevert

Uraufführung von Torsten Hammann Solo „Komma rein hier!“ ist am Donnerstag im Schmidtchen. Darini spielt er nicht nur Olivia Jones.

Hamburg.  Ihn zu übersehen hieße, mit verbundenen Augen über die Reeperbahn zu gehen – egal, ob nachts oder tagsüber. Es ist gleich 12 Uhr mittags, und Torsten Hammann steht vor einem Lokal mit dem Namen „Stars and Strips“. Oder steht er mittendrin? Die Kulisse gleicht einer heruntergekommenen Tabledance-Bar.

Hammann probt im Schmidtchen für sein Solostück. In „Komma rein hier!“ spielt er von diesem Donnerstag an nicht nur den Koberer Oliver, sondern noch ein Dutzend weiterer Rollen – bis hin zur Dragqueen Olivia Jones. Mit einer anderen Perücke mimt Hammann eine asiatische Stripperin. Hat ja auch was (Komisches), wenn sich ein 1,90-Meter-Mann mit breitem Kreuz und Schädel an einer Stange räkelt.

„Ich schwitz kurz ab“, sagt Hammann freundlich lächelnd. Probenpause. Er greift zum Handtuch. Wie als Ex-Boxchampion „Jochen der Rochen“ in Franz Wittenbrinks „Die Ritze“. Hammann auf jene Figur in dem Liederabend des St. Pauli Theaters zu reduzieren, wäre indes unfair. Nach der Ausbildung an der Schule für Schauspiel Hamburg hat er seit 1995 auf fast allen großen Bühnen der Stadt gespielt, vom Ernst Deutsch und Thalia übers Altonaer Theater, Kammerspiele, Winterhuder Fährhaus bis hin zum Kiez.

Viel gelernt hat er vom Regisseur und Autor Thomas Matschoß

Seit gut 18 Jahren ist Hammann, auch aus „Großstadtrevier“ oder „Wilsberg“ bekannt und heute Abend in „Die Insassen“ (ZDF) zu sehen, in Schmidt und Schmidts Tivoli zu erleben. Zuletzt als „Räuber Hotzenplotz“ und in „Der kleine Störtebeker“. Er ist einer, dem der Kiez schon zuvor vertraut war: Sein Vater hatte eine Lascherei auf St. Pauli, erzählt Hammann. Er hat selbst zwei Jahre als Lascher gearbeitet. Am Gesang, damals in der Rockband Cancer Barrack, hatte er jedoch mehr Spaß.

„Ich wollte auf der Bühne auch meinen Körper mitbenutzen können“, nennt er einen Grund für seine Schauspielausbildung. Die Freude am Singen hat er sich auch im Schmidtchen bewahrt. Begleitet wird er vom Akkordeonisten Arne Gloe. Viel gelernt habe er vom Regisseur und Autor Thomas Matschoß („Der Hamburger Jedermann“, „Heiße Ecke“), der ihn einst ans Tivoli geholt hatte, sagt Hammann. „Er prägte auch mein Schreiben.“ Wie viel von Hammann in seinem neuen Solo streckt? Viel. „Weil ich es geschrieben habe und die Hauptrolle spiele. Die Figur selbst hat dabei weniger mit mir zu tun“, stellt er klar.

Carolin Spieß drängt zum Weitermachen. Die Regisseurin habe das Stück weg von seiner rein männlichen Sichtweise geführt, hat Hammann erkannt. Dann kobert er wieder. Als Türsteher zeigt er sogar sein Fotoalbum – und damit auch etwas von seiner Sicht auf den Kiez und die Menschen.

„Komma rein hier!“ UA Do 17.9., 20.00, bis 24.10., Schmidtchen (U St. Pauli), Spielbudenplatz 21/22, Karten ab 21,80: T. 31 77 88 99; www.tivoli.de