Hamburg

AfD-Chef Kruse legt Posten in Bundespartei nieder

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Peter Ulrich Meyer
Jörn Kruse, Landesvorsitzender der AfD

Jörn Kruse, Landesvorsitzender der AfD

Foto: dpa

Offen ist dagegen, ob Kruse weiterhin AfD-Landesvorsitzender bleiben will und kann. Entscheidung noch in dieser Woche.

Hamburg. Das sieht nach einem Rückzug auf Raten aus: Jörn Kruse, Landesvorsitzender der AfD und deren Bürgerschaftsfraktionschef, hat seine Mitarbeit in der Programmkommission der Bundespartei aufgekündigt. Das hat der emeritierte Wirtschaftswissenschaftler seinen Parteifreunden am gestrigen Dienstag in einer E-Mail mitgeteilt, die dem Abendblatt vorliegt.

Kruse zählt zu den engen Weggefährten des auf dem Essener Parteitag am Wochenende gestürzten Parteigründers Bernd Lucke. Entsprechend hart geht Kruse mit der AfD und ihrer neuen Bundesvorsitzenden Frauke Petry ins Gericht. Schon am Sonntag hatte der Wissenschaftler von einem „deutlichen Rechtsruck“ in der Folge des Parteitags gesprochen.

„Selbstverständlich kann ich für eine solche rechte Partei nicht arbeiten, und ich kann auch meinen Namen dafür nicht hergeben“, schreibt Kruse jetzt in der E-Mail. Die Ereignisse in Essen bewertet er so: „So viel rechte Intoleranz, Aggressivität und schlicht miserables Benehmen hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich habe auch keine Hoffnung, dass sich das ändert.“

Das klingt beinahe nach einem bevorstehenden Austritt Kruses aus der Partei, deren Spitzenkandidat er noch bei der Bürgerschaftswahl am 15. Fe­bruar war. „Ich trete nicht aus, weil mir die Fraktion am Herzen liegt“, hatte der AfD-Landeschef dem Abendblatt noch am Sonntag gesagt. In einem Interview mit der Tageszeitung „taz“ wiederholte Kruse jetzt, dass er in der Partei bleiben wolle. „Sie würde eher destabilisiert werden, wenn ich oder weitere Mitstreiter aus der AfD austreten, und deshalb bleiben wir in der Partei“, sagte der frühere Hochschullehrer.

Offen ist dagegen, ob Kruse weiterhin AfD-Landesvorsitzender bleiben will und kann. Das Abendblatt hatte bereits berichtet, dass es Bestrebungen im Lager der Kruse-Gegner gebe, einen „starken Gegenkandidaten“ zu suchen. Gegenüber der „taz“ betonte Kruse jetzt, dass er sich persönliche Konsequenzen vorbehalte. Eine Entscheidung über die Frage des Parteivorsitzes wolle er in dieser Woche treffen.

Kruse zählt zum liberal-konservativen Lager in der AfD. Einer seiner Gegenspieler ist der frühere Innensenator und Ex-Schillianer Dirk Nockemann, der dem nationalkonservativen Flügel angehört.

( pum )

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