Hamburg

Der Masterplan für das Olympiagelände ist fertig

Das Herzstück der möglichen Spiele: Das Olympiastadion auf dem Kleinen Grasbrook

Das Herzstück der möglichen Spiele: Das Olympiastadion auf dem Kleinen Grasbrook

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Nachdem Stadien, Hallen und olympisches Dorf auf Kleinem Grasbrook verteilt sind, entwickeln Planer jetzt Varianten der Nachnutzung.

Hamburg. Die Planungen für das zentrale Hamburger Olympiagelände auf dem Kleinen Grasbrook nehmen Gestalt an. Nach dem Bürgergespräch am vergangenen Dienstagabend in der MagnusHall an der Amsinckstraße zeichnet sich die Verteilung der drei großen Sportstätten auf der rund 130 Hektar großen Elbinsel ab. Die wichtigste Entscheidung dabei: Die Schwimmhalle mit ihren 12.500 Zuschauerplätzen, die in den bisherigen Entwürfen des internationalen Konsortiums an vier unterschiedlichen Standorten vorgesehen war, soll jetzt am Prager Ufer auf dem nördlichen Teil des Kleinen Grasbrooks errichtet werden. Dort ist auch im Umfeld ausreichend Raum vorhanden, der zum Beispiel an der Spitze der Landzunge am Baakenhafen fehlt.

Olympiahalle (15.000 Sitzplätze für Turnen und Basketball), Olympiastadion (70.000 Plätze für Leichtathletik, Eröffnungs- und Schlussfeier) und das olympische Dorf für bis zu 18.000 Bewohner (Athleten, Trainer, Betreuer, Funktionäre) bleiben an ihren vorgesehenen Orten. Das Medienzentrum könnte auf der anderen Seite des Hansahafens als eine Art Schallschutzmauer für den dahinter liegenden Schienenverkehr dienen. Die endgültige Fassung des Masterplans soll am 23. Juni im Cruise Center HafenCity (Großer Grasbrook 19) präsentiert werden. Danach geht es in die Details, mögliche Varianten der Nachnutzung und die Kostenrechnung.

Christoph Krupp, Staatsrat der Senatskanzlei und Olympiakoordinator, stellte erste Zahlen für den September in Aussicht. Für ein Großprojekt, das – wenn überhaupt – erst in neun Jahren realisiert sein würde, sei allerdings nur eine grobe Kalkulation zu erwarten. Abweichungen bis zu 40 Prozent wären in diesem frühen Planungsstadium denkbar, heißt es im Senat. Seriös könne deshalb allein ein Kostenkorridor benannt werden. Wesentlicher Teil der Kalkulation bleibt die Nachnutzung.

Kosten der Olympiakampagne werden auf 50 Millionen Euro geschätzt

Die HafenCity gilt dafür als Blaupause. Die Erschließung des Geländes kostete Hamburg rund 1,2 Milliarden Euro, der spätere Verkauf der Grundstücke führte diese Investition in die Stadtkasse zurück. Ähnlich soll es mit dem Kleinen Grasbrook laufen, auf dem nach möglichen Olympischen Spielen ein neuer Stadtteil mit 3000 bis 4000 Wohnungen entstünde.

Bisher hat die Olympiabewerbung Hamburg 310.000 Euro gekostet. Nach dem nationalen Zuschlag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 21. März sind seit Anfang April von der Stadt Aufträge von rund fünf Millionen Euro erteilt worden, die am Ende die Bewerbungsgesellschaft (Stammkapital: 25.000 Euro) zu zahlen hat. Diese sollte ursprünglich am 11. Mai gegründet werden, nun wird nach diversen Verhandlungen unter den sechs Partnern der 18. Juni angestrebt. Gesellschafter sind der DOSB (51 Prozent), Hamburg (26), der Bund (18), Segelstandort Kiel, Schleswig-Holstein (je 2) und die Handelskammer.

Die Kosten der Olympiakampagne bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Juli/August 2017 über den Ausrichter der Sommerspiele und Paralympics im Jahre 2024 werden derzeit auf 50 Millionen Euro geschätzt. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat für Hamburgs Kandidatur 30 Millionen Euro bewilligt, die Wirtschaft hatte 25 Millionen Euro zugesagt, bis heute aber keinen Cent geliefert. Hamburg ging nach den bisherigen Planungen davon aus, sich mit bis zu 15 Millionen Euro an den Ausgaben zu beteiligen.

Architekt Nikolaus Goetze vom Büro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) an der Elbchaussee sieht abseits der Kosten-Nutzen-Rechnung schon allein in der Olympiabewerbung einen Gewinn für den Zukunftsstandort Deutschland. „Die Kampagne ist unsere Chance, weltweit zu demonstrieren, wie man nachhaltig und ressourcenschonend bauen kann“, sagt Goetze. Wie beim Atomausstieg, der Umweltpolitik und -technik oder dem Recycling könnten hier von Deutschland aus neue Standards gesetzt werden.

Es sei das erste Mal, sagt Goetze, dass bei der Planung von Sportstätten deren Nachnutzung unter ökonomischen, ökologischen und Aspekten der Stadtentwicklung im Vordergrund stehe: „Wir können Olympia auf neue Weise definieren, nicht wie in der Vergangenheit als verschwenderisch, sondern als Zukunftsprojekt für die Ausrichterstadt und deren Bevölkerung.“ Dass der Senat die Menschen in der Stadt von Beginn an in die Planungen einbezogen habe und sie bei Bürgerwerkstätten regelmäßig über den Fortgang informiere, sei eine weitere Benchmark dieser Bewerbung. Nach der erfolgten Anordnung der Sportstätten auf dem Kleinen Grasbrook entwickeln die Planer für jede Arena derzeit mehrere Varianten der Nachnutzung, sportliche, gewerbliche oder zur Freizeitgestaltung. Sie werden Mitte Juli vorgestellt. Bau­materialen, die später nicht mehr gebraucht werden, würden in den Recyclingkreislauf übergeführt, was Kosten sparen hilft, sagt Goetze. Für das Olympiastadion, das von 70.000 auf 20.000 Plätze zurückgebaut werden soll, hieße das: viel Stahl, wenig Beton.