Bewerbung

Wie Olympische Sommerspiele Hamburg verändern sollen

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Rainer Grünberg
Auf dem Kleinen
Grasbrook soll die
„Olympic City“
entstehen

Auf dem Kleinen Grasbrook soll die „Olympic City“ entstehen

Foto: Gärtner + Christ

Das neue Viertel auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook soll das Bild des modernen Hamburgs in 15 Jahren prägen.

Hamburg. Wenn Jörn Walter, 58, Hamburgs Oberbaudirektor, von einem Projekt überzeugt ist, gerät er schon mal ins Schwärmen. Er redet sich dann in Begeisterung, die auf seine Zuhörer oft ansteckend wirkt. Olympische Sommerspiele in Hamburg sind ein solches Vorhaben, das Walter elektrisiert; nicht unbedingt des Sports wegen, sondern vor allem wegen der Impulse für die Stadtentwicklung. Sein Credo: Es geht um die Zukunft Hamburgs, Olympia sei nur eine charmante Episode. „Der Kleine Grasbrook soll für wenige Monate die Olympischen Spiele beherbergen, aber auf Dauer ein lebenswerter Stadtteil an der Elbe werden. Die Spiele können uns dabei helfen“, sagt Walter.

Acht international renommierte Architektenbüros aus England, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland üben nun seit gut einem Monat den Spagat, einerseits ein siegfähiges Olympiakonzept zu erstellen, andererseits der Stadt ein nachhaltiges Erbe zu hinterlassen. Die Arbeiten machen Fortschritte. Die neuen Pläne für das vorgesehene zentrale Olympiagelände auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook – einprägsames Bild und Motto der Hamburger Kampagne – sind grob gezeichnet. Sie sind Modifikationen der alten Skizze (siehe Anmutung oben) mit einer etwas anderen, großzügigeren Raumaufteilung der Module Olympiastadion, olympisches Dorf, Schwimm- und Olympiahalle.

Vier mögliche Varianten wurden bislang erstellt. Sie sollen zunächst am Freitag behördenintern begutachtet und am 2. Juni (19–21 Uhr, Magnus Hall Amsinckstraße 70, S-Bahn Hammerbrook) der Öffentlichkeit präsentiert werden. Walter ist zufrieden: „Wir haben ein kleines Dreamteam gefunden, mit viel Know-how, Hamburger und internationaler Kompetenz.“

Die Begeisterung auf der anderen Seite klingt ähnlich euphorisch. „Keine andere Metropole auf der Welt hat solche fantastischen Möglichkeiten, in einer zentralen Lage Olympische und Paralympische Spiele auszurichten, die es darüber hinaus schaffen könnten, die City und den Süden Hamburgs zu verbinden. Die Spiele würden der Stadt ein einzigartiges Erbe hinterlassen, und nur darum kann es bei unseren Planungen gehen. Gibt es dieses Erbe nicht, ergibt die Ausrichtung Olympias wenig Sinn“, sagt Tristram Carfrae von der Londoner Arup Group. Und Nikolaus Goetze vom Hamburger Architektenbüro gmp Gerkan, Mark und Partner ergänzt: „Ein Olympiastadion zu bauen ist nicht das Problem, es aber hinterher sinnvoll und kostengünstig zu nutzen, ist eine Herausforderung.“

„Wir denken Olympia in der Nachnutzung. Wir stellen uns die Frage, wie soll Hamburg im Jahre 2030 aussehen? Wir gehen also von hinten an die Sache heran. Olympia wird nur eine Zwischennutzung des Geländes sein“, sagt auch Innen- und Sportsenator Michael Neumann. Ein Beispiel sei die Olympiahalle, die später das vierte Kreuzfahrtterminal werden soll. Das Presse- und Fernsehzentrum an den Elbbrücken könnte für die Hafenbetriebe zu einem Lager- und Logistikzentrum für den Hafen umgewidmet werden.

Eines ist Neumann besonders wichtig: Bürgerbeteiligung. „Ich wünsche mir, ja ich erwarte es, dass sich die Hamburgerinnen und Hamburger einbringen“, sagt der SPD-Senator. „Es geht schließlich um das Herz der Stadt. Da sind Meinungen und Ideen gefragt. Und die wollen wir in unsere Überlegungen einfließen lassen.“ Möglichkeiten zu Stellungnahmen bieten das Internet und weitere Bürgerwerkstätten. Die nächste wird noch vor den Sommerferien im Juli stattfinden.

Spätestens im September will die Stadt das endgültige Modell vorstellen – mitsamt den zu erwartenden Kosten, „und wer das Ganze bezahlen soll“. Wobei Neumann differenzieren will für Ausgaben, die eigens für Olympia 2024 getätigt werden und jenen, die ohnehin anstünden oder überfällig sind – wie der barrierefreie Zugang zu allen Hamburger Sport- und Trainingsstätten.

Der Deutsche Städtetag unterstützt Hamburgs Olympiakandidatur. „Wir begrüßen dieses Konzept, das Schluss macht mit Gigantismus und finanzieller Intransparenz“, sagt Städtetags-Präsident Ulrich Maly (SPD). Nürnbergs Oberbürgermeister nennt Hamburgs Pläne kompakt, bürgernah, visionär. Mit der Nachnutzung der neu zu schaffenden Infrastruktur entstünde hochwertiger innerstädtischer Raum für Wohnen, Sport und Freizeit. Maly appellierte an ganz Deutschland, die Bewerbung mitzutragen.

Während die Planungen offenbar zügig vorangehen, droht sich die Gründung der Bewerbungsgesellschaft, vorgesehen war jetzt der Donnerstag dieser Woche, erneut zu verzögern. „Viel wichtiger ist doch, dass die Gesellschaft bereits flott arbeitet“, sagt Neumann, die juristischen Formalitäten könnten nachgeholt werden.

Wenigstens über die Aufgliederung der Gesellschafteranteile besteht nach harten Verhandlungen inzwischen Einigkeit. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erhält 51 Prozent, obwohl er kein Geld einbringt. Das ist den Anforderungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geschuldet, der eine vom Sport geführte Bewerbergesellschaft fordert. Hamburg (26 Prozent), der Bund (18), Schleswig-Holstein, Segelstandort Kiel (je 2) und die Handelskammer Hamburg (1) sind die fünf weiteren Gesellschafter. Entscheidungen des Gremiums sollen einvernehmlich getroffen werden, sagt Neumann, ein Nein des DOSB, Hamburgs oder der Vertreter des Bundes dürfe nicht überstimmt werden. Der Bund trägt mit 30 Millionen Euro ein Großteil der Bewerbungskosten, die bis zur IOC-Entscheidung im Sommer 2017 auf etwa 50 Millionen Euro geschätzt werden.

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