Hamburg/Berlin

Grüne fordern vom Bund mehr Einsatz für Olympia in Hamburg

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Christian Unger, Rainer Grünberg
So könnte es nach den Ideen der Planer bei der Eröffnung im August 2024
aussehen: das Olympiastadion auf dem Kleinen Grasbrook in der HafenCity

So könnte es nach den Ideen der Planer bei der Eröffnung im August 2024 aussehen: das Olympiastadion auf dem Kleinen Grasbrook in der HafenCity

Foto: dpa

Bisher ist nichts Konkretes zur Unterstützung der Bewerbung geplant. Bundesregierung wolle Hamburg „nach besten Kräften“ unterstützen.

Hamburg/Berlin. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hob es beim Treffen mit Funktionären des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) diese Woche in Hamburg hervor: Die Bewerbung der Hansestadt für die Spiele 2024 oder 2028 sei ein „nationales Projekt“. Scholz hat Spiele versprochen, die nicht zulasten von Investitionen in Bildung oder Wohnungsbau gehen. Dennoch wird die Ausrichtung Milliarden kosten. Ohne Milliarden aus dem Bund wird er sein Versprechen aber nicht halten können.

Als sicher gilt, dass sich die Bundesregierung an der Finanzierung von Infrastruktur und Sicherheitsmaßnahmen bei Großereignissen wie Olympia maßgeblich beteiligt. Sie bürgt beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sogar dafür, dass die Sportstätten rechtzeitig fertiggestellt werden. Ohne Garantien aus Berlin wären Sommerspiele in Hamburg nicht möglich.

Doch wie viel Geld aus Berlin in den Etat für die Spiele und die Bewerbung fließt, ist bisher unklar. Konkrete Schritte einer Zusammenarbeit der Großen Koalition mit Hamburg sind offenbar noch nicht geplant. Das geht aus einer bisher nicht öffentlichen Anfrage der Grünen im Bundestag hervor, die dem Abendblatt vorliegt. „Art und Umfang eines finanziellen Engagements des Bundes an der Olympiabewerbung sind derzeit noch offen“, heißt es in der Antwort des Innenministeriums. Im Haushalt 2015 sind keine Mittel für eine Olympiabewerbung eingestellt. Zudem habe die Bundesregierung „noch keine konkrete Form einer Bundesunterstützung“ für die Bewerbung Hamburgs beschlossen.

Bis zum 15. September 2015 muss beim IOC offiziell das Interesse an einer Ausrichtung der Spiele bekundet werden. Wohl im November lässt der Senat die Hamburger in einem Referendum über den Fortgang der Kampagne entscheiden. Bis dahin will die Landesregierung die groben Kosten des Großereignisses kalkulieren.

Alle Olympia-Kandidaten müssen ein entsprechend der Vorgaben des IOC erstelltes, 80 Seiten dickes erstes Bewerbungsdokument am 8. Januar 2016 abgeben. Viel Arbeit, wenig Zeit. Das sagen selbst Verantwortliche des DOSB. Umso wichtiger: das Zusammenspiel von Stadt und Bund.

Für die Opposition im Bundestag ist die Antwort der Regierung ein Hinweis darauf, dass „die Bewerbung vom DOSB für die Bundesregierung mit zu geringem zeitlichen Vorlauf in die öffentliche Diskussion gebracht“ wurde, sagte Özcan Mutlu, der sportpolitische Sprecher der Grünen. „Die Antwort enttäuscht und bestätigt uns in unserem Eindruck, dass die Bundesregierung und der Bundesinnenminister eine Menge starker Sprüche in Interviews und Reden auf Lager haben.“ Ein Konzept jedoch für Olympische und Paralympische Spiele sei nicht zu erkennen, sagt Mutlu dem Abendblatt.

In der Bundesregierung sieht man dies anders. Man wolle Hamburg „nach besten Kräften“ unterstützen. Eine Bewerbung könne nur erfolgreich sein, wenn sie als „nationale Aufgabe“ von Sport, Politik und Wirtschaft verstanden werde, heißt es in der Antwort des Innenministeriums. Bereits im vergangenen Herbst hatte es mehrere Treffen von Regierungsmitgliedern mit Vertretern aus Hamburg oder dem DOSB gegeben. Auf Anfrage des Abendblatts sagt eine Sprecherin, dass die Finanzierung sowohl der Bewerbung als auch der Ausrichtung „auf Basis der konkreten Anforderungen des IOC für das Bewerbungsverfahren 2024“ geprüft werden müssten: „Insoweit lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Aussagen zum Umfang einer möglichen Bundesunterstützung treffen.“ Am 21. März hatte der DOSB Hamburg den Zuschlag für die Spiele gegeben. Knapp vier Wochen danach sei es noch zu früh für genaue Zahlen.

Für die Bewerbungskosten bis zur IOC-Entscheidung im Sommer 2017 in Lima (Peru) kalkuliert der Hamburger Senat rund 50 Millionen Euro. Ob der Bund Vertragspartner der Bewerbungsgesellschaft für die Spiele wird – und wenn ja mit welchem finanziellen Betrag –, wird derzeit zwischen Berlin und Hamburg verhandelt, heißt es im Rathaus. Die Chancen, dass sich der Bund namhaft engagiert, stünden gut.

Die Olympia GmbH plant die Bewerbung – von den Kosten über den Bau der Stadien und Hallen bis hin zur Sicherheit. Am 11. Mai soll die Gesellschaft gegründet werden. Einer der beiden Geschäftsführer wird aus Hamburg kommen. Sicher dabei sind der DOSB, dem 51 Prozent der Anteile zustehen, Kiel, als Ausrichter der Segel-Wettbewerbe, und Hamburg. Auch die Handelskammer will sich nach Informationen des Abendblatts beteiligen. Das ist dank der Reformagenda 2020 des IOC jetzt erstmals möglich. Die Wirtschaft hatte angekündigt, bei deutschen Unternehmen rund 25 Millionen Euro für die Olympiabewerbung einsammeln zu wollen.

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