Bewerbung

Schon im Februar Entscheidung über Hamburger Olympia-Pläne?

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Einige Spitzensportler sprechen sich für Berlin aus. Forsa-Umfrage könnte laut Sportbund faktisch die Entscheidung vorwegnehmen. Ein Vorteil für Hamburg?

Oberhof/Berlin/Hamburg. Jetzt ist es klar: Ende Februar sollen die Einwohner von Berlin und Hamburg zum zweiten Mal zur deutschen Olympia-Bewerbung für 2024 befragt werden. „Wir haben festgelegt, dass in der letzten Februar-Woche die nochmalige Befragung über Forsa stattfinden soll“, erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann beim Biathlon-Weltcup in Oberhof. Im Moment ist der Rückhalt in beiden Kandidatenstädten laut der ersten Forsa-Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vom September 2014 noch bescheiden. In Hamburg waren 53 Prozent der Befragten für Olympia, in Berlin nur 48 Prozent.

Fünf deutsche Spitzensportler haben unterdessen in einem Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ die Hauptstadt als Olympia-Gastgeber 2024 favorisiert. Lena Schöneborn, in Peking Goldmedaillengewinnerin im Modernen Fünfkampf, hielte das für eine „wahnsinnige Vorstellung“, Rodel-Olympiasieger Felix Loch fände „die Hauptstadt ideal dafür“. Auch für Volleyball-Nationalspieler Jochen Schöps wäre die Hauptstadt erste Wahl: „Berlin – wer sonst?“

Der DOSB wird am 21. März auf einer Mitgliederversammlung entscheiden, ob er sich mit Berlin oder Hamburg bewirbt. Ein Urnengang der Bürger in der gewählten Stadt wird dann im September darüber entscheiden, ob der DOSB mit diesem Bewerber ins internationale Rennen geht.

IOC-Präsident Thomas Bach wollte sich am Wochenende nicht zur deutschen Olympia-Bewerbung äußern. „Das ist eine nationale Angelegenheit, das ist Sache des DOSB. Da weiß ich die Olympia-Bewerbung bei meinem Nachfolger in guten Händen“, sagte der frühere DOSB-Chef. Eine eindeutige Zustimmung der Bürger gilt als Grundvoraussetzung einer erfolgversprechenden Bewerbung. „Ein Projekt olympische und paralympische Bewerbung ohne eine gute Grundstimmung von Anfang an, ohne breite Unterstützung ist eben nur schwer zum Erfolg zu bringen“, sagte der DOSB-Präsident.

Hörmann deutete an, dass durch die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Februar schon eine Entscheidung fallen könnte. „Wenn es definitiv so wäre, dass in einer Stadt die Quote bei unter 50 Prozent Zustimmung liegt und bei der anderen deutlich drüber, in welcher Konstellation auch immer, dann fällt mir zumindest kein Argument ein, das dann dazu führen würde die andere Stadt zu nehmen.“

Die deutschen Topsportler, die sich für Berlin als Olympia-Ausrichter aussprachen, bemängelten die zu geringe finanzielle Förderung des Leistungssports durch die Politik. Loch sieht in der Olympia-Vergabe eine willkommene Möglichkeit, den deutschen Sport neu aufzustellen. „Die Spiele wären das perfekte Sanierungskonzept. Das würde ganz sicher einen gewaltigen Schub geben“, sagte der Ausnahme-Rodler vom Königssee.

Bis zum 15. September muss der DOSB seine Bewerberstadt beim IOC melden. Da viele Olympia-Sponsoren und zahlungskräftige TV-Sender aus den USA kommen, gilt Boston international als Favorit. IOC-Präsident Bach hat jedoch keinen Top-Kandidaten für 2024 ausgemacht. „Es ist wie in einem olympischen Finale. Der Startblock steht für alle auf gleicher Höhe“, sagte er auf einer Pressekonferenz in Oberhof. Das IOC entscheidet über die Vergabe im September 2017. Als weitere Kandidaten gelten Rom, Paris sowie Städte aus Südafrika und Australien.