St. Pauli

Mosaik unter Kersten-Miles-Brücke entdeckt

Bei Grabungen freigelegt. Wie alt die kunstvollen Pflasterarbeiten sind, ist noch unklar. Allein die Wiederherstellung der Fläche unter der Brücke kostet voraussichtlich 250.000 Euro.

Hamburg. Es wird eine Art Wasserbecken gewesen sein, dessen Boden aus kunstvoll gepflasterten Rankenornamenten bestand – gespeist durch einen kleinen Bach, der von einer Anhöhe im Alten Elbpark hinabplätscherte. Bei Grabungen unter der 1897 erbauten Kersten-Miles-Brücke ist zu Füßen des östlichen Sockels eine Senke mit historischen Pflasterarbeiten und Findlingen entdeckt worden.

„Leider ist sie in keiner historischen Karte verzeichnet – und auch Garten- und Bodendenkmalpfleger konnten mir nichts dazu sagen“, sagt Heike Schulze-Noetlichs. Sie ist beim Bezirksamt Hamburg-Mitte in der Abteilung Management des öffentlichen Raums für Sonderaufgaben zuständig – und damit auch für den Alten Elbpark, der derzeit nach Originalplänen umgestaltet wird. Dabei soll auch der historische Bachlauf dargestellt werden, der sich seinerzeit entlang der Helgoländer Allee wand – allerdings ohne Wasser, da das „immer ein sicherheitstechnisches Problem“ sei, so die Diplom-Ingenieurin. Für die Arbeiten, die im vergangenen Jahr beschlossen und vor drei Wochen begonnen wurden und zu denen auch die Sanierung des Bismarck-Denkmals gehört, bekommt Hamburg Fördermittel aus Berlin in Höhe von 6,5Millionen Euro. Allein die Wiederherstellung der Fläche unter der Brücke kostet voraussichtlich 250.000 Euro.

Helmuth Barth vom Verein „Freunde der Denkmalpflege“ ist begeistert von dem Fund. „Das ist wirklich eine schöne Entdeckung“, sagt er. Er könne sich vorstellen, dass die Pflasterung aus dem Zeitalter der Brücke stamme. „Das Muster würde zur Gründerzeit passen. Damals hat man großen Wert auf Ornamentik gelegt.“ Auch ein Teil des Brückenfundaments wurde bereits freigelegt. Die Quader aus Basaltlava waren in den letzten Jahrzehnten durch Erdreich bedeckt. Um auch das restliche Fundament zum Vorschein bringen zu können, sind allerdings aufwendige Arbeiten notwendig. Statt wie bisher mit einem Bagger – und jetzt mit Rücksicht auf die Ausgrabungen per Hand – vorzugehen, muss künftig schweres Gerät eingesetzt werden. Schließlich müssen die Überreste eines mehr als 60 Jahre alten Bunkers abgebrochen werden, dessen eine Außenmauer bei den Grabungen nun ebenfalls zutage gekommen ist.

Ex-Bezirksamtschef Schreiber ließ 2011 ein trockenes Bachbett anlegen

Der Schutzraum hatte früher – ebenso wie der auf der anderen Straßenseite – zwei Meter weit aus dem Erdreich geragt und war Lagerstätte für zahlreiche Obdachlose. Oberhalb des Straßenniveaus wurden beide Bunker 2011 abgerissen. Stattdessen ließ der damalige Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) für rund 100.000 Euro eine Art trockenes Bachbett anlegen, in dem etliche Findlinge das erneute Lagern von Obdachlosen verhindern sollten. Als das nichts nützte und er den Bereich unter der Brücke daraufhin mit einem Zaun absperrte, geriet er in Kritik und musste schließlich zurücktreten.

Die groben Pflastersteine und die Findlinge von damals müssen nun in mühevoller Arbeit wieder entfernt werden. „Hier hätte aber auch ohne die Umgestaltungspläne etwas getan werden müssen“, sagt Heike Schulze-Noetlichs. Durch einen von Obdachlosen ausgelösten Brand im vergangenen Jahr war nicht nur Klinkermauerwerk des Brückenbogens stark in Mitleidenschaft gezogen worden, das Löschwasser hatte auch das Steinpflaster unterspült. Mit den Arbeiten habe man allerdings das Ende der Sielbaumaßnahmen abwarten wollen, die oberhalb und unterhalb der Kersten-Miles-Brücke anstanden. Ist auch der Umbau unter dem Bauwerk beendet, wird der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) den Fuß- und Radweg modernisieren.

Beim Bau der reich verzierten Brücke wurden verschiedene Materialien verwendet. Der Bogen aus Backsteinklinker ist an den Ansichten mit grauem schwedischen Granit verkleidet. Deren Verblendung besteht aus rotem Mainsandstein – ebenso wie die Standbilder der Seefahrer Kersten Miles, Simon von Utrecht, Berend Jacob Karpfanger und Ditmar Koel. Für den Brückensockel wurde im unteren Bereich Basaltlava, im oberen gelber Postelwitzer Sandstein verbaut; die Brüstungen wurden aus norwegischem Granit gehauen. Bis 1951 besaß die Brücke vier Brückenhäuschen, vor denen Fahnenmasten und Laternen standen; sie mussten jedoch wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.

Zwischen Reeperbahn und Landungsbrücken liegt die Kersten-Miles-Brücke unmittelbar an einer stark frequentierten Achse. Wie man in Zukunft verhindern soll, dass der Standort durch Obdachlosenlager erneut zum Schandfleck wird, kann Heike Schulze-Noetlichs nicht sagen. „Das muss an anderer Stellen entschieden werden.“

Um mehr über die jetzt freigelegte Senke zu erfahren, sucht Heike Schulze-Noetlichs jetzt historische Bilder oder Menschen, die etwas darüber aussagen können. Mailkontakt: Heike.Schulze-Noetlichs@hamburg-mitte.hamburg.de