Bauprojekt in Groß Borstel

Protest gegen Tarpenbek Greens in der Alsterdorfer Sporthalle

Das Bezirksamt verlegte die Sitzung des Ausschusses wegen des erwarteten Andrangs in die Alsterdorfer Sporthalle. Etwa 300 besorgte Bürger kamen, als über den Bebauungsplan Groß Borstel 25 abgestimmt werden sollte.

Winterhude. Das dürfte es in Hamburg noch nicht gegeben haben, dass die öffentliche Sitzung eines Stadtentwicklungsausschusses in die Alsterdorfer Sporthalle verlegt wird. Das aber war der Fall am Donnerstagabend, als über den Bebauungsplan Groß Borstel 25 abgestimmt werden sollte. Das Bezirksamt Hamburg-Nord wollte ein Desaster wie kürzlich im Goldbekhaus vermeiden, das sich bei einer Veranstaltung zur Busbeschleunigung als viel zu klein erwiesen hatte. Zumal Bezirksamtsleiter Harald Rösler dieses Mal mit einer weitaus höheren Besucherzahl rechnen musste: Gegen den Plan, auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs Lokstedt und dem benachbarten Kleingartengelände „Bahn-Landwirtschaft“ mindestens 750 Wohnungen, die sogenannten „Tarpenbek Greens“ zu errichten, waren 626 Stellungnahmen eingegangen.

Tatsächlich kamen am Abend etwa 300 Menschen in die Sporthalle. Mobilisiert hatten die Anwohnerinitiative Groß Borstel und der Verein Tarpenbek Greens. Die beiden Bewegungen hatten auch das Sammeln der Einwände organisiert. Zu den größten Befürchtungen der Gegner des Bauprojekts gehört die Zunahme des Verkehrs in dem beschaulichen Stadtteil, das Auseinanderreißen der bestehenden Kleingartengemeinschaft, die Überforderung der Infrastruktur, wenn die Bevölkerung im Stadtteil um 25 Prozent wächst, und die Unzufriedenheit der neuen Bewohner, die mit schlechter Verkehrsanbindung hinter einer Lärmschutzwand entlang der Bahngleise leben müssten. Bis auf sieben Stellungnahmen zum Bebauungsplanentwurf, bei denen es eher um Nebensächlichkeiten ging, hatte die Bezirksverwaltung alle zurückgewiesen.

„Wir fühlen uns übergangen“, sagte Michael Bogatzki, Vorsitzender des Vereins Tarpenbek Green. „Seit dreieinhalb Jahren begleiten wir das Verfahren in der Hoffnung, dass sachliche Argumente berücksichtigt werden. Doch in keinem entscheidenden Streitpunkt ist der Bezirk unseren Stellungnahmen gefolgt.“ Die Stadt müsse sich die Frage stellen, ob sie solche Projekte künftig auf Biegen und Brechen durchsetzen oder mehr auf die Bürger eingehen wolle, sagte auch Kleingärtner Christian Baulig: „Geht es darum, kurzfristig Wohnungsbauvorgaben zu erfüllen oder das langfristige Ziel einer lebenswerten Stadt im Auge zu haben.“ Mit der geplanten Bebauung des Kleingartengeländes gehe ein ökologisch wertvolles Gebiet zur Naherholung verloren – und eine soziale Gemeinschaft, die teilweise seit Jahrzehnten zusammenkomme. Würde das Bauvorhaben verkleinert und würden nur 350 statt 750 Wohnungen gebaut, könnten die Kleingärten erhalten werden. Auch die Belastungen von Verkehr und Infrastruktur würden sich reduzieren.

Uwe Schröder von der Anwohnerinitiative kritisierte, dass die künftige Verkehrsbelastung nicht genügend berücksichtigt werde. So seien bislang nur Gutachten zur Belastbarkeit der einzigen Zufahrt in das neue Gebiet, des Verkehrsknotens Nedderfeld über die Straße Kellerbleek, erstellt worden. Tatsächlich aber würden auch die nördlich angrenzenden Wohnstraßen Brückwiesenstraße und Lokstedter Damm belastet. „Die Gutachten sind mangelhaft“, sagte er. „Die tatsächlichen Gegebenheiten wurden nicht berücksichtigt.“ So sei nicht nachvollziehbar, warum etwa vor dem Baumarkt, der derzeit vergrößert wird, trotz einer doppelt so großen Parkplatzfläche nur mit 42 Prozent mehr Verkehr gerechnet werde.

Was bei den Anwesenden ebenfalls auf Kritik stieß: In dem Vergabeverfahren, das sie als rechtlich fragwürdig einstufen, kommt der irische Investor McGarrell Reilly Group zum Zug. „Es ist skandalös, dass hier nicht städtische Baugesellschaften oder Genossenschaften bevorzugt wurden“, so ein Groß Borsteler. Zumal der Ire in Verbindung mit der Finanzkrise Irlands gebracht werde. „Der Großteil des Grundstücks hat zunächst der Bahn und dann der Immobiliengesellschaft Aurelis gehört“, sagt Thomas Domres von der SPD-Fraktion. Diese habe den ehemaligen Güterbahnhof an den Iren Sean Reilly verkauft. Das kleinere städtische Grundstück sei dann an Reilly verkauft worden, weil das Synergieeffekte für die Entwicklung des Areals habe. Auf Antrag der CDU soll nun in der Bezirksversammlung am 10. April erneut über den Bebauungsplan diskutiert werden.