Reisekonzern

TUI-Chef stellt Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten auf Prüfstand

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Zustimmung zu geplanter Fusion der Containerreederei mit CSAV. Trotz Sanierungserfolgen in einigen Sparten wie etwa Expeditionsreisen kam TUI im vorigen Quartal unter dem Strich kaum voran.

Hannover. Europas größter Reisekonzern TUI kommt bei seinem Sanierungskurs wegen starken Gegenwinds nur mühsam voran. In Frankreich brechen im Winter die Gästezahlen um gut ein Drittel ein, in Deutschland um zehn Prozent. Das Geschäft mit Luxus-Kreuzfahrten von Hapag-Lloyd steht auf dem Prüfstand. Und Badeurlauber meiden die Resorts in Ägypten wegen der politischen Unsicherheiten. Besorgniserregend sei die Lage im Land am Nil aber nicht, sagte Konzernchef Friedrich Joussen am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Hannover. „Wir verdienen in Ägypten noch Geld, aber es ist weniger.“ Zudem seien Reisende auf andere Strand-Ziele wie die Kanaren ausgewichen – hier stiegen die Übernachtungszahlen des Konzerns.

Joussen hat sich vorgenommen, das Portfolio der zahlreichen Hotelmarken (Riu, Robinson, Grupotel, Grecotel) zu straffen und das Kreuzfahrtgeschäft wieder auf die Beine zu bringen. Hier fährt TUI unter zwei Marken. Bei der auf zahlungskräftige Gäste spezialisierten Hapag-Lloyd Kreuzfahrten mit Sitz in Hamburg sorgten Werft-Aufenthalte für Miese – der Verlust der Sparte lag im Quartal bei 16 Millionen Euro. Nach gelungener Sanierung komme Hapag-Lloyd Kreuzfahrten auf den Prüfstand, sagte Joussen: „Wir müssen sehen, wie strategisch die Marke für den Konzern ist.“ Schwester TUI Cruises verdient hingegen Geld. Es sollen beide Kreuzfahrtlinien weiterbetrieben werden, investieren will Joussen aber nur noch bei TUI Cruises. Die Linie will ihre Flotte bis 2015 auf vier Schiffe verdoppeln.

Die Fusionsbestrebungen der Hamburger Containerreederei Hapag-Llyod mit der chilenischen Reederei Compania Sud Americana de Vapores (CSAV) unterstützt TUI-Finanzchef Horst Baier. „Wir sehen die Diskussion positiv, und eine Konsolidierung in der Containerbranche ist positiv“, sagte Baier. Für den Konzern sei aber gleichzeitig wichtig, den Wert seines Aktienpakets von 22 Prozent an der Reederei zu wahren. An einer möglichen Kapitalerhöhung bei Hapag-Lloyd werde sich TUI nur beteiligen, wenn eine klare Ausstiegsoption bestehe, fügte Joussen an. Die Beteiligung habe für TUI keine strategische Bedeutung, und als letzte Möglichkeit für einen Rückzug habe der Konzern das Recht, sein Aktienpaket über die Börse zu verkaufen.

Der große Hamburger Kreuzfahrt-Kalender 2014


Nach sechs Jahren Pause kündigte Joussen die Rückkehr einer Dividendenzahlung an. Es soll 15 Cent je Aktie geben. Ausschüttungen seien wichtig, da TUI in der Vergangenheit die Investoren enttäuscht habe, sagte er und kritisierte damit die Strategie seines Vorgängers Michael Frenzel scharf. „Das verloren gegangene Vertrauen hat TUI in eine sehr gefährliche Lage gebracht. Der Konzern wurde als Wertvernichter angesehen.“ Netto flossen dem heutigen Chef zufolge damals 100 Millionen Euro Barmittel pro Jahr aus dem Unternehmen ab.

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Trotz Sanierungserfolgen in einigen Sparten wie etwa Expeditionsreisen kam TUI im vorigen Quartal unter dem Strich kaum voran. In dem Zeitraum belief sich das Minus im operativen Geschäft (bereinigtes Ebita) auf 141 Millionen Euro – eine Million weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Winter schreiben Tourismusfirmen wie TUI oder Thomas Cook üblicherweise rote Zahlen – Geld wird erst mit Badeurlauben im Sommer verdient. Der TUI-Umsatz sank um drei Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Die Anleger reagierten enttäuscht: An der Börse verloren die MDAX-Papiere zwei Prozent.

( (HA) )

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