Nahverkehr

Busbeschleunigung bremst den Autoverkehr in Hamburg

Bis zum Jahr 2016 sind 250 Baustellen geplant. Verkehrsexperten kritisieren aber: "Staus sind nur Vorgeschmack auf das, was noch droht."

Hamburg. Die Busbeschleunigung, für die der Senat bis 2020 etwa 259 Millionen Euro ausgeben will, soll dafür sorgen, dass Busse im Stadtverkehr schneller vorankommen. Bis 2016 sollen zunächst neun Buslinien optimiert werden, bis 2020 insgesamt 14 Linien. Zunächst verlangsamt das Programm jedoch den Verkehr deutlich.

Die ersten Bauarbeiten haben begonnen - und sind ein Ärgernis für Autofahrer, die jetzt vermehrt im Stau stehen. Auch die Fahrgäste müssen sich in Geduld üben. So kommt es aktuell auf den Buslinien 5 und 25 zu Verzögerungen. Auf der Linie 5 wird derzeit im Kreuzungsbereich Hoheluftchaussee/Gärtnerstraße/Breitenfelder Straße sowie im Bereich der Haltestelle Staatsbibliothek gebaut - nur wenige Meter von der Dauerbaustelle Dammtor entfernt.

Dies kritisiert CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass an einem Verkehrsbrennpunkt noch eine weitere Baustelle eingerichtet wird. Eine Koordination der Baustellen ist hier nicht zu erkennen." Die Folge sei ein "Verkehrschaos", so Hesse weiter.

Auch FDP-Verkehrsexperte Wieland Schinnenburg äußert Unmut: "Diese Staus sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was das sogenannte Busbeschleunigungsprogramm noch an Behinderungen verursachen wird." Schinnenburg weiter: "Es wird noch viel mehr unkoordinierte Baustellen geben." Denn insgesamt sind bis 2016 rund 250 Baustellen vorgesehen, die die Verkehrsbehörde in 50 "Arbeitspakete" unterteilen wird.

Im Kreuzungsbereich Hoheluftchaussee/Gärtnerstraße/Breitenfelder Straße wird seit Ende Oktober gebaut. Die Linien 5 und 20 sowie 25 erhalten hier in der Mitte eine gemeinsame Haltestelle. Die Autofahrer stehen deshalb vor allen zu den Hauptverkehrszeiten im Stau - es sind nur noch zwei Fahrstreifen pro Richtung offen. Bis zu 67 000 Fahrzeuge passieren diesen Bereich pro Tag. Das Linksabbiegen aus der Hoheluftchaussee in die Breitenfelder Straße ist zurzeit nicht möglich, es wurde eine Umleitung eingerichtet. Die Polizei bestätigt eine "extreme Beschwerdelage wegen dieser Baustelle".

Der Grünen-Verkehrsexperte Till Steffen sagt: "Der Verkehr staut sich häufig kilometerlang, und das hat dann auch für die Fahrgäste der Linie 5 deutliche Fahrzeitverlängerungen zur Folge." Es sei schon paradox, dass man für die Einrichtung der Busbeschleunigung, deren Erfolg fragwürdig sei, zunächst gravierende Verkehrsbehinderungen verursache, so Steffen weiter.

Der Hochbahn sind die Verkehrsbehinderungen bekannt: Die Linie 5 fährt an Werktagen 231-mal in die Innenstadt. Von diesen Fahrten seien in der vorvergangenen Woche durchschnittlich 26 Fahrten - in der Regel zwischen 7 und 9 Uhr verspätet - gewesen. Die durchschnittliche Verspätungsdauer auf diesen 26 Fahrten habe fünf Minuten bei insgesamt knapp 50 Minuten Fahrtdauer betragen, sagt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum. Fahrgäste hingegen berichten von Verspätungen von bis zu 30 Minuten.

Im Kreuzungsbereich Hoheluftchaussee wird noch bis Mai/Juni 2013 gebaut. Zunächst allerdings nur bis zum 8. Dezember, dann ist Winterpause: "Zu diesem Zeitpunkt wird die Verkehrsführung bereits nahezu den gleichen Zustand haben wie nach Abschluss der Baumaßnahme. Denn es stehen nur noch Restarbeiten an", sagt Susanne Meinecke, Sprecherin der Verkehrsbehörde. Die Kritik der Politik und der Ärger der Autofahrer scheint die Stadt nicht weiter zu beeindrucken: "Für den Ausbau und die Erhaltung unserer Infrastruktur ist es nun mal notwendig zu bauen - und das wird auch in Zukunft nicht möglich sein, ohne dass es zu Einschränkungen beziehungsweise Behinderungen kommt", sagt Sprecherin Susanne Meinecke.

Viel Geduld müssen die Autofahrer und Fahrgäste im Bereich der Kreuzung am Siemersplatz im kommenden Jahr aufbringen. Im ersten Halbjahr 2013 stehen hier wegen der Busbeschleunigung umfangreiche Bauarbeiten an: Dort wird für Rechtsabbieger aus der Kollaustraße der Fahrstreifen verlängert. Der Linksabbieger aus der Kollaustraße wird hinter die Kreuzung verlegt. Der Linksabbieger aus dem Lokstedter Steindamm wird über die Osterfeldstraße geführt. Eine Busspur wird an der Kollaustraße und am Lokstedter Steindamm eingerichtet.

Auch auf der Linie 3 wird bis Ende November gebaut. Diese wird ab dem 9. Dezember bis Rothenburgsort und Tiefstack verlängert. Deshalb werden die Haltestellen Zollvereinstraße und Kraftwerk Tiefstack umgebaut. Auch an der Haltestelle Lippeltstraße wird gebaut und der linke Fahrstreifen stadteinwärts zwischen 9 und 16 Uhr gesperrt. Ein Ende in Sicht ist immerhin bei der Sperrung der Dorotheenstraße zwischen der Maria-Louisen-Straße und dem Krohnskamp, auch hier wird für die Busbeschleunigung gebaut. Vom 9. Dezember an soll hier die Buslinie 25 wieder regulär fahren und die Umleitung aufgehoben werden.

Insgesamt umfasst das Programm der Busbeschleunigung zahlreiche Maßnahmen innerhalb der Stadt: Die größte Zeitersparnis soll langfristig die durchgängige Vorfahrt an Ampeln, die sogenannte grüne Welle für Busse, ermöglichen. Es werden zudem zusätzliche Busspuren geschaffen. Außerdem werden Haltestellen zu sogenannten Kaphaltestellen am Fahrbahnrand umgebaut, damit die Busse zügiger an- und abfahren können. Auch der Takt soll auf einigen Buslinien weiter verdichtet werden.