Forschungszentrum an der Alster geplant

US-Konzern macht Hamburg zur Windkraft-Metropole

Foto: Roland Magunia

In der Zukunftsbranche gibt es bereits 1500 Jobs. Damit sollen auch Jobverluste in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

Hamburg. Wirtschaftssenator Axel Gedaschko wirkte sehr zufrieden bei der Pressekonferenz gestern Morgen im Rathaus. Der Stadt ist erneut ein Coup im Wirtschaftszweig der erneuerbaren Energien gelungen. Der weltgrößte industrielle Mischkonzern General Electric (GE) aus den USA will sein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Offshore-Windkraftanlagen in Hamburg ansiedeln. Das bringt 60 Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Mitarbeiter in die Stadt, erläuterte GE-Deutschland-Chef Georg Knoth. Und Gedaschko verwies auf die wachsende Bedeutung der Windkraftbranche für Hamburg: "Hier ballt sich die gesamte Kompetenz der Windenergie in einer Stadt", sagte er. "Das ist genau das, was wir wollen."

Die meisten international bedeutenden Hersteller von Windturbinen sind mittlerweile in Hamburg vertreten (siehe Grafik), vom Hamburger Unternehmen Repower Systems und dessen Konzernmutter Suzlon aus Indien über Siemens und Vestas bis hin zu Nordex, das seine Konzernzentrale zum Jahresende aus Norderstedt nach Hamburg verlegen will. Siemens siedelte 2009 seine Europazentrale für das Windkraftgeschäft in Hamburg an, Vestas die Sparte für Zentraleuropa. Suzlon betreibt unabhängig von seinem Tochterunternehmen Repower in Hamburg eine Forschungseinheit.

Vertreten sind in der Stadt auch große Kunden für Windturbinen wie der Energiekonzern Vattenfall oder RWE Innogy, das Tochterunternehmen für erneuerbare Energien des Essener RWE-Konzerns. Auch bei dem als "Schiffs-TÜV" bekannten Zertifizierungsunternehmen Germanischer Lloyd (GL) spielt die Windkraftbranche eine wachsende Rolle. Der GL ist einer der weltweit führenden Zertifizierer von Windturbinen und ihrer Stahlfundamente. "In der Windenergiebranche kommt keiner mehr an Hamburg vorbei", sagte kürzlich Heinrich Lieser, Chef der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung.

Damit zahlt sich die Strategie des Senats aus, Hersteller von erneuerbaren Energietechnologien und ihre Forschungseinrichtungen gezielt nach Hamburg zu werben. "Der Wettbewerb um Ansiedlungen wie diese hier von GE ist hart", sagte Gedaschko. Man habe ein Dreivierteljahr lang mit dem US-Konzern verhandelt und schließlich den Zuschlag bekommen. Neuansiedlungen in zukunftsträchtigen Branchen wie den erneuerbaren Energien, aber auch der Medizintechnik oder der Biotechnologie sind für die Stadt wichtig, um strukturelle Verluste von Arbeitsplätzen etwa im Schiffbau oder in der Medienbranche auszugleichen. Zudem will der Senat mit der Förderung der erneuerbaren Energien Hamburgs Rolle als "Umwelthauptstadt Europas 2011" unterstreichen.

Alles in allem dürften in Hamburg mittlerweile rund 1500 Arbeitsplätze der Windkraftindustrie zuzurechnen sein, zumeist technologisch anspruchsvolle Tätigkeiten, vergleichbar mit denen im Flugzeugbau. In einem weiteren Umkreis um Hamburg herum liegen eine Reihe wichtiger Produktionsstandorte, etwa die Fertigungsstätte von GE im niedersächsischen Salzbergen oder die Niederlassungen von Repower in Rendsburg und Husum.

GE will in Europa insgesamt rund 340 Millionen Euro investieren, um Standorte für die Entwicklung, Produktion und Wartung von Offshore-Windturbinen zum Einsatz auf See aufzubauen, sagte Deutschland-Chef Knoth. Rund 100 Millionen Euro davon fließen nach Deutschland, von diesen wiederum 60 Millionen nach Hamburg. "Die erneuerbaren Energien sind für GE heute schon bedeutend", sagte Knoth.

Erst vor acht Jahren war GE mit der Übernahme des ursprünglich deutschen Herstellers Tacke in das Geschäft mit Windturbinen eingestiegen. Tacke gehörte damals dem US-Energiehandelskonzern Enron. In Salzbergen beschäftigt GE derzeit 1000 Mitarbeiter. Der Umsatz bei der Produktion in Deutschland wurde laut Knoth seit der Übernahme von rund 300 Millionen auf sechs Milliarden Euro im Jahr 2009 gesteigert. GE, das auch in einer Reihe anderer Länder Windturbinen fertigt, liegt an der Spitze des Weltmarktes derzeit in etwa gleichauf mit dem dänischen Hersteller Vestas. Im Offshore-Geschäft ist GE bislang jedoch kaum aktiv.