Hamburg

Junge Union will das Alkoholverbot kippen

Die Volksinitiative "Gegen Bevormundung im HVV - für das Feierabendbier" ist gestartet. 10.000 Unterschriften sind für die Initiative nötig.

Hamburg. Wer sich in Bus und Bahn mit einem Feierabendbier oder anderen alkoholischen Getränken erwischen lässt, der muss seit gut einem Monat 40 Euro Strafe bezahlen. Die Sicherheitskräfte von Hochbahn und S-Bahn haben seit dem 1. Oktober nach Abendblatt-Informationen insgesamt 226 Alkoholsünder erwischt. Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum: "Die geringe Zahl an Vorfällen zeigt, dass die Fahrgäste das Alkoholverbot akzeptieren. Es wird offensichtlich deutlich weniger Alkohol in Bussen und Bahnen konsumiert." Das sei auch der Eindruck der Sicherheitskräfte, die innerhalb der Stationen und Fahrzeuge auf die Einhaltung der neuen Vorschrift achteten.

Das sehen nicht alle so. Mitglieder der Jungen Union Hamburg haben jetzt die Volksinitiative "Gegen die Bevormundung im HVV - Für das Feierabendbier" ins Leben gerufen und bereits den Beginn der Unterschriftensammlung beim Senat angezeigt. Inzwischen haben mehr als 1000 Bürger unterschrieben: "Die Initiiative hat jetzt bis zum 13. März Zeit, um 10.000 Unterstützungsunterschriften zu sammeln", sagte Senatssprecher Jörg Schmoll. Wenn dieses Ziel erreicht wird, dann könnte die Bürgerschaft prüfen, inwiefern sie dieses Thema erneut auf die Tagesordnung setzt.

+++ Das Alkoholverbot +++

+++ Beschlossen: Alkoholverbot in Bussen und Bahnen +++

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Die jungen Initiatoren, darunter die 20-jährige Veronika Faltermeier, sind zuversichtlich: "Wir erhalten eine große Resonanz aus der Bevölkerung und nicht nur von jüngeren Leuten." Die Medizinstudentin sagt: "Wenn die Bürgerschaft das Alkoholverbot nicht kippt, dann werden wir einen Volksentscheid anstrengen." Dann müssten die Hamburger für oder gegen ein Alkoholverbot abstimmen. Eine klare Forderung stellt unterdessen Carsten Ovens, Landesvorsitzender der Jungen Union: "Wir brauchen kein Alkoholverbot, sondern deutlich mehr Sicherheitskräfte innerhalb des HVV. Das trägt besser zum Sicherheitsempfinden der Fahrgäste bei, als ein Feierabendbier in Bus und Bahn zu verbieten."

Die Jungen Liberalen unterstützen die Volksinitiative: "Wir begrüßen dieses Anliegen. Auch unsere Organisation spricht sich klar gegen ein Alkoholverbot aus", sagt Sprecher Robert Bläsing. Dieses sei kein effektives Mittel gegen Gewalt in Bus und Bahn. Die Jusos Hamburg unterstützen die Aktion zwar nicht direkt, aber auch Sprecher Nicholas Gildemeister hat eine klare Position: "Die überwiegende Mehrheit der trinkenden Fahrgäste ist friedlich und deshalb sehen wir keinen Sinn in dem Alkoholverbot."

Das Alkoholverbot galt schon seit dem 1. September, aber im ersten Monat war noch keine Strafe fällig. Im September mussten aber allein bei der Hochbahn rund 2500 Fahrgäste ermahnt und belehrt werden, weil diese Alkohol konsumierten. In den Bussen und Bahnen der Hochbahn wurden seit dem 1. Oktober 107 Verstöße gegen das Alkoholverbot registriert, bei der S-Bahn waren es 119. Für Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis steht fest: "Die Kunden haben diese neue Regelung gut angenommen. Das Alkoholverbot hat sich durchgesetzt."

Die Oppositionsparteien begrüßen dagegen den Vorstoß der Volksinitiative: "Es wurde über den Kopf der Fahrgäste hinweg entschieden, dass es nun 40 Euro kostet, wenn man Alkohol in Bus und Bahnen trinkt. Deshalb ist eine solche Volksinitiative ein gutes Mittel, um die Diskussion über diese Vorschrift anzuregen", sagte GAL-Verkehrsexperte Till Steffen. Der CDU-Verkehrsexperte Klaus-Peter Hesse sagte: "Ich finde es gut, dass sich junge Leute in dieser Frage engagieren. Das Ergebnis wird zeigen, wie die Position der Bevölkerung zum Alkoholverbot tatsächlich ist." Der 26-jährige CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Nikolaus Haufler setzt sich für die Volksinitiative ein und hat am Sonntag vor einer Woche vor dem Fußballbundesligaspiel des HSV gegen Kaiserslautern selbst Unterschriften gesammelt. Sein Fazit: "Die Gespräche mit den Fans haben mir gezeigt, dass viele Fahrgäste das Alkoholverbot für reine Schikane halten."