Lucas Cranach

Hauptpastor entlarvt falsches Bugenhagen-Gemälde

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Klaus Merhof

Das Bild von Lucas Cranach war unter dem Titel "Johannes Bugenhagen" in London an die Kunsthalle versteigert worden.

Hamburg. In kriminalistischer Feinarbeit hat der ehemalige Hamburger Hauptpastor Ferdinand Ahuis (69) das Rätsel um ein kostbares Gemälde aus dem Mittelalter gelöst. Das Bild des Malers Lucas Cranach d. Ä. (des Älteren) aus dem Jahr 1532 zeigt nicht den norddeutschen Reformator Johannes Bugenhagen (1485-1558), sondern den sächsischen Reformator Christoph Ering (1491-1554). Drei Jahre lang forschte Ahuis in Archiven, Bibliotheken und im Internet – jetzt legte er das Ergebnis seiner Spurensuche in Buchform vor.

1960 war das Cranach-Bild unter dem Titel „Johannes Bugenhagen“ bei Sotheby & Co in London unter den Hammer gekommen – und die Hamburger Kunsthalle ersteigerte das Gemälde für 10.000 Pfund, damals rund 120.000 D-Mark. Sieben Jahre lang hing es in der Kunsthalle, danach gelangte es als Dauerleihgabe an die Hamburger Hauptkirche St. Nikolai, wo der Reformator und Johannes Bugenhagen einst gepredigt hatte und 1524 sogar als möglicher Hauptpastor im Gespräch gewesen war.

Zweifel an dem Bugenhagen-Titel hatte es schon früh gegeben. Ahuis: „Die Jahreszahlen des Gemäldes passen ebensowenig zu Bugenhagens Lebensdaten wie das aufwendige Gewand des Porträtierten und die Initialen C-E auf dem Siegelring.“ Außerdem hält der Abgebildete einen Rosenkranz in den Händen – ein Gebetsritus, gegen den sich der Martin-Luther-Freund Bugenhagen schon 1529 in der Schrift „Der Ehrbaren Stadt Hamburg Christliche Ordnung“ ausgesprochen hatte. Dennoch wurde das Porträt bei diversen Ausstellungen unter dem Titel „Johannes Bugenhagen“ gezeigt.

„Vierzehn Jahre lang habe ich bei wichtigen Sitzungen in St. Nikolai unter diesem Bild gesessen“, sagt Ahuis, der von 1993 bis 2007 Hauptpastor an St. Nikolai war. Als er pensioniert wurde, hatte er Zeit für die Recherche. „Vieles wies auf Christoph Ering, doch dessen Lebensweg war kaum erforscht.“ Ahuis machte sich an die Arbeit, und in der Ratsschulbibliothek in Zwickau fand er „die Stecknadel im Heuhaufen“: In einem Aristoteles-Buch hatte Christoph Ering persönliche Notizen mit seiner Unterschrift und seiner „Hausmarke“ hinterlassen. Ahuis: „Wappen und Initialen stimmten mit dem Siegelring auf dem Cranach-Bild überein!“

In der Fachwelt hat der akribische Forscher bereits Zustimmung für seine Entdeckung erhalten. Die einschlägigen Text- und Bildseiten im Internet inklusive „Wikipedia“ sind bereits entsprechend korrigiert und mit Hinweisen auf Ahuis' Detektivarbeit versehen. „Es gibt aber noch viele Kirchengemeinden, Einrichtungen und Schulen, die das vermeintliche Bugenhagen-Bild in ihren Chroniken verwenden“, sagt Ahuis. Da bestehe noch „mancher Korrekturbedarf“. An Wert hat das Gemälde durch seine Recherche nicht verloren: „Es bleibt ja ein echter Cranach.“

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